Flug

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Blick vom Ngong Ping Cable Car hinunter auf den Hong Kong International Airport Chek Lap Kok - dort fliegt derzeit nichts mehr. Bild: AdobeStock

Weiterhin Chaos am Flughafen von Hongkong

Nach erneuten Protesten wurde der Flughafen nun ein zweites Mal komplett geschlossen. Am Dienstagabend griff die Polizei schliesslich durch und der Flughafen erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen die Demonstranten. Am Mittwochmorgen lief der Flugbetrieb langsam wieder an.

Eigentlich hatten wir am Dienstagmorgen verkündet, dass sich die Situation am Flughafen von Hongkong nach einer kompletten Schliessung am Montag wieder beruhigt habe. Nach dem Aufflammen neuer Proteste hat der Flughafen am Dienstagnachmittag den gesamten Betrieb aber wieder eingestellt. Um 10:15 Uhr Schweizer Zeit wurde das gesamte Check-in eingestellt und in einer Online-Mitteilung des Flughafens hiess es, sämtliche Passagiere sollten das Terminalgebäude schleunigst verlassen und sich mit ihren jeweiligen Airlines in Verbindung setzen.

Ein Blick auf die Websites von Airlines mit Abend-Verbindungen nach Hongkong, etwa Swiss, zeigte zunächst keine Änderung. Der Flughafen selber verkündete, dass noch ankommende Flüge dies planmässig tun können. Allerdings ist die Situation schon alles andere als erfreulich: Seit fünf Tagen gibt es am Airport bereits Proteste, in Hongkong allgemein seit zehn Wochen, und es sieht nicht so aus, als ob sich der Konflikt zwischen den pro-demokratischen lokalen Kräften und der chinesischen Zentralregierung in irgendeiner Weise entspanne. Damit ist genau das eingetreten, was von Travelnews jüngst befragte Spezialisten befürchteten.

Die chinesischen Behörden sprechen über die Protestierenden inzwischen als «Terroristen», machen Druck auf lokale Arbeitgeber wie Cathay Pacific und setzen auch massiv Wasserkanonen und Tränengas ein, um die Situation unter Kontrolle zu halten. Und am Flughafen waren Ankommende mit Personen konfrontiert, welche auf den Kampf von Hongkong um grösstmögliche Unabhängigkeit hinweisen. «Sorry for the inconvenience, we are fighting for the future of our home» stand dort neulich auf einem Transparent.

Flughafen Hongkong erwirkt einstweilige Verfügung

Update, 14. August 2019 / 10.30 Uhr. Am Dienstagabend stürmten Polizisten den Flughafen. Die Demonstranten sollen zwei Männer vom chinesischen Festland als Agenten verdächtigt und gefesselt haben. Darunter war ein Reporter der chinesischen Zeitung «Global Times». Vor dem Gebäude wurden Polizeifahrzeuge angegriffen und Fenster eingeschlagen. Die Polizei griff schliesslich durch: Fünf Männer seien wegen illegaler Versammlung, Besitz von Offensivwaffen, Übergriffen auf die Polizei und Sabotage des sozialen Friedens festgenommen worden.

Hongkongs Regierung hat die Gewalt der Demonstranten verurteilt. Mittlerweile hat der internationale Flughafen von Hongkong eine einstweilige Verfügung gegen Demonstranten erwirkt. Ab sofort sind Demonstrationen und Proteste auf dem Gelände des Flughafens verboten – mit Ausnahme der dafür freigegebenen Bereiche. Der Flugbetrieb lief am Mittwoch wieder an. Obschon noch viele Flüge als gestrichen angezeigt werden, starteten am Morgen bereits wieder Dutzende Maschinen. Der Flughafen will nun den Rückstau der vergangenen zwei Tage abarbeiten.

Wie sich die Situation entwickeln wird, ist ungewiss: Peking untersagte zwei US-Kriegsschiffen die Einfahrt in den Hafen Hongkongs. Und an der Grenze zu Hongkong sammeln sich laut Medienberichten Fahrzeuge des chinesischen Militärs.

Die Lufthansa Group will alle Flüge ab Frankfurt, München und Zürich nach Hongkong durchgeführen. «Aufgrund der derzeit auftretenden Behinderungen am Flughafen Hongkong kann es aber immer wieder zu Beeinträchtigungen und kurzfristigen Änderungen bei unseren Flügen von und nach Hongkong kommen», schreibt die Swiss in einer aktuellen Passagierinformation.

(JCR/LVE)