Flug

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Die Swiss berücksichtigt bei der Klimakompensation lediglich den CO2-Ausstoss.

Führt Swiss Kunden bei der CO2-Kompensation in die Irre?

Swiss-Passagiere können ihren CO2-Ausstoss via MyClimate kompensieren. Nur kommt die Swiss auf ganz andere Emissionen als MyClimate.

Die Luftfahrt ist ein Treiber des Klimawandels. Darum bietet die Swiss ihren Passagieren an, ihren CO2-Ausstoss kompensieren zu können. Dazu spannt die Lufthansa-Tochter mit dem Schweizer NGO MyClimate zusammen. Nur: Der Rechner der Swiss und jener von MyClimate spucken ganz andere Resultate raus.

Dies hat Twitter-Nutzer Ives Leutenegger entdeckt. Sein Flug von Zürich nach Lissabon mit fünf Reisenden verursacht laut dem Rechner der Swiss 1,4 Tonnen CO2. Bei MyClimate kommt der gleiche Flug auf 3,5 Tonnen. «Da stimmt doch was nicht», kommentiert der Twitter-Nutzer.

MyClimate antwortet dem Twitter-User und schreibt: «Swiss berechnet den CO2-Ausstoss auf Basis ihrer eigenen Flotte. Wir berechnen zusätzlich die Klimawirkung anderer Stoffe (zB. Aerosole), das aber auf Basis durchschnittlicher Flugzeugflotten.» Konkret heisst das: Die Swiss berechnet für die Kompensation lediglich den CO2-Ausstoss, verweist aber auch auf dieses Vorgehen.

Swiss spricht von «CO2-Neutralität», MyClimate von «Klimaneutralität»

Die Airline schreibt, dass sie in Zusammenarbeit mit Lufthansa und MyClimate über 43’000 einzelne Flüge ausgewertet habe. Vom kleinen Regionaljet bis zu den grossen Langstreckenflugzeugen wurde die gesamte Flotte analysiert, um den kompletten Kerosinverbrauch einer Flugreise von Gate zu Gate zu ermitteln.

Dies mit dem Ziel, sowohl die unterschiedlichen meteorologischen Bedingungen (Winde) als auch die Rollvorgänge am Boden sowie die Warteschleifen und Umwege in der Luft zu erfassen. Auf dieser Basis wurde von MyClimate ein Algorithmus entwickelt, der für jede Flugverbindung die entsprechenden CO2-Emissionen berechnet. Dabei wird zusätzlich die gewählte Flugklasse berücksichtigt und gewichtet. Der Algorithmus wird regelmässig mit neuen Flugdaten aktualisiert, letztmals im September 2018.

Neben CO2 verursacht der Luftverkehr weitere Emissionen (insbesondere Stickoxide und Wasserdampf), denen eine Klimawirkung zugeschrieben wird. Wie gross diese genau ist, kann die Wissenschaft derzeit noch nicht abschliessend beurteilen. Aus diesem Grund berücksichtigt der CO2-Rechner der Swiss neben CO2 keine weiteren Emissionen.

MyClimate spricht insofern von «Klimaneutralität», Swiss von «CO2-Neutralität». Bei MyClimate ist man «sehr glücklich», dass die Swiss ihren Kunden überhaupt die Möglichkeit gibt, CO2 zu kompensieren. Aktuell kompensieren Swiss-Kunden meistens direkt auf der Seite von MyClimate. Die NGO wie auch Swiss verzeichneten Zunahmen bei der Flug-Kompensation. Die Swiss will das Kompensationssystem direkt in den Buchungsprozess integrieren. Swiss-Sprecherin Karin Müller hofft, «dass damit die Bereitschaft zur CO2-Kompensation gesteigert werden kann».

(nau/TN)