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Eurowings und Brussels Airlines gehen innerhalb des Lufthansa-Konzerns nun getrennte Wege. Bild: Lufthansa Group (Montage: TN)

Lufthansa macht Kehrtwende mit Brussels Airlines

Die Integration bei Eurowings wird nicht weiter verfolgt. Dagegen soll Brussels enger an die Netzwerk-Airlines aus der Lufthansa Group angebunden werden. Die Lufthansa Group hatte den Investoren heute einiges zu erzählen.

Es sind erst drei Wochen her, seit wir darüber berichteten, dass die Flugzeuge von Brussels Airlines den Anstrich der Eurowings-Flugzeuge erhalten würden. Bereits zu Jahresbeginn standen  Fragen im Raum, ob der Name Brussels Airlines ganz verschwinden würde oder zumindest auf der Langstrecke beibehalten. Und jetzt... ist alles Makulatur.

Denn Brussels Airlines wird gar nicht mehr in die Eurowings integriert. Wie der Vorstand der Deutschen Lufthansa AG heute Morgen gegenüber Investoren und Analysten informierte, gab es eine Strategie-Anpassung, zu der auch eine Neuausrichtung von Brussels Airlines gehört. Wesentlicher Bestandteil der neuen Strategie sei ein «umfassendes Massnahmenpaket für den finanziellen Turnaround von Eurowings», wie es in einem Communiqué heisst. Dies um schnellstmöglich in die Gewinnzone zurückzukehren und so nachhaltig Wert für Aktionäre zu schaffen.

Eurowings setzt demnach eine klare Fokussierung auf Kurzstrecken im Punkt-zu-Punkt-Verkehr. Im Langstreckenverkehr wird die Verlagerung der kommerziellen Verantwortung zur Netzwerkorganisation vergeschoben. Will heissen: Eurowings gibt die Langstrecke auf und schafft dadurch geringere Komplexität und höhere Produktivität durch die Reduktion auf einen Flugbetrieb (AOC) in Deutschland. Dazu wird die Flotte auf Flugzeuge der A320-Familie vereinheitlicht.

Für Brussels Airlines heisst dies: Keine Integration in Eurowings, stattdessen engere Anbindung an Netzwerk-Airlines. Die genauen Details zur neuen Ausrichtung der belgischen Airline sollen im dritten Quartal 2019 präsentiert werden.

Fundament für modernen Vertrieb gelegt

Die Präsentation zuhanden der Investoren, welche Sie hier einsehen können, hat es wahrlich in sich. Daraus geht klar hervor, wie sich die Lufthansa Group auf ihr Kerngeschäft mit den Airlines konzentrieren will, weshalb man unter anderem einen Devestitionsprozess der Cateringtochter LSG - immerhin weltweite Nummer 1 - gestartet habe. Dazu Carsten Spohr (Vorstandsvorsitzender Deutsche Lufthansa AG): «Wir haben mit den Airlines unserer Gruppe eine hervorragende Position in unseren Heimatmärkten, die zu den stärksten Märkten der Welt gehören. Unsere Servicegesellschaften sind weltweit führend. Diese Marktstärke werden wir noch konsequenter in nachhaltige Profitabilität und Wertschaffung übersetzen. Daher stellen wir heute konkrete Massnahmen vor, die unsere Effizienz verbessern und für die Anteilseigner Wert schaffen.»

Der frühere Swiss-CEO und heutige CCO Network Airlines der Lufthansa Group, Harry Hohmeister, stellte seinerseits die Netzwerk-Airlines vor. Dabei gab es Bekanntes, etwa die Multihub-Strategie und die diversen Joint Ventures, welche diese ergänzen, oder auch die neuen Premium-Economy-Klassen. Vor allem aber erklärte er, wie der heutige Konsument möglichst hohe Flexibilität verlange und wie man sich deshalb vom bisherigen statischen Angebotsmodell zu einem dynamischen Modell weiterentwickle - NDC lässt grüssen. Damit würden «die Fundamente des künftigen Vertriebs gelegt», schreibt Hohmeister.

Mehr Geld für die Aktionäre

Um künftig die Anteilseigner stärker am Unternehmenserfolg zu beteiligen, soll darüber hinaus die Dividendenpolitik geändert werden. Zukünftig werden demnach regel­mässig 20 bis 40 Prozent des Konzerngewinns an die Aktionäre ausgeschüttet. Der Konzern strebt an, den «Free Cash Flow» mittelfristig auf mindestens eine Milliarde Euro pro Jahr zu steigern.

Die Börse hat trotz diesen Ankündigungen erst mal negativ reagiert. Am frühen Nachmittag lagen die Lufthansa-Aktien mit 1,35 Prozent im Minus (bei 14,615 Euro) und gehörten damit zu den schwächsten Titeln im DAX. Erst vorige Woche hatte die Lufthansa Group eine Gewinnwarnung herausgeben müssen. Aufschluss dazu, wie viel die ganze Neuausrichtung von Brussels und Eurowings nun gekostet hat, gibt es auch nirgendwo...

(JCR)