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Der Ferienflieger Edelweiss ist laut dem AirHelp-Ranking die pünktlichste Airline der Schweiz. Bild: Edelweiss.

In Sachen Pünktlichkeit: Edelweiss Top, Swiss Flop?

Im Airline-Ranking von AirHelp schneidet bei den Airlines in der Schweiz die Edelweiss bei der Pünktlichkeit am besten, die Swiss am schlechtesten ab. Die Swiss widerspricht: Die verschiedenen Airline-Modelle und Flughäfen seien so nicht vergleichbar.

AirHelp, eine Organisation für Fluggastrechte, hat untersucht, welche Airlines in der Schweiz in Sachen Pünktlichkeit ganz vorne mitfliegen. Dafür wurden die Flugdaten der 20 grössten Airlines hierzulande zwischen dem 1. Januar und dem 31. Mai 2019 analysiert. Die insgesamt pünktlichste Fluggesellschaft des Landes ist demnach Edelweiss Air: Zwischen Januar und Juni 2019 waren nur 7,3 Prozent aller Flüge der Swiss-Tochter verspätet oder fielen aus. Auch bei Alitalia (9,8 Prozent) und der ungarischen Billigfluggesellschaft Wizz Air (10,6 Prozent) erreichten mehr als 89 Prozent aller durchgeführten Flüge ihr Ziel pünktlich.

Am schlechtesten schneidet in diesem Ranking die Swiss ab: Mehr als jeder vierte Flug dieses Jahr verspätete sich oder fiel sogar aus (27,4 Prozent). Damit belegt die Airline den 20. und damit letzten Platz des Rankings. Eine ähnlich hohe Quote erzielt auch die Swiss-Mutter Lufthansa – hier waren insgesamt 26,9 Prozent aller Flüge seit Beginn des Jahres unpünktlich. Komplettiert werden die drei letzten Plätze des Rankings von der niederländischen KLM mit 24,7 Prozent.

Das Ranking

Rang / Fluggesellschaft / Anteil Problemflüge* (*Anteil mindestens 15 Minuten verspäteter Flüge sowie ausgefallener Flüge an der Gesamtzahl an Flügen) Anteil verspäteter Flüge** (**Anteil mindestens 15 Minuten verspäteter Flüge an der Gesamtzahl an Flügen) / Anteil ausgefallener Flüge*** (***Anteil ausgefallener Flüge an der Gesamtzahl an Flügen)

  1. Edelweiss Air / 7,3%* / 6,7%** / 0,5%***
  2. Alitalia 9,8%* /  9,2%** / 0,6%***
  3. Wizz Air 10,6%* / 9,6%** / 1,0%***
  4. Vueling Airlines 15,8%* / 15,4%** / 0,4%***
  5. Eurowings 16,5%* / 14,4%** / 2,1%***
  6. Qatar Airways 16,6%* / 16,6%** / 0,0%***
  7. Air France 16,8%* / 15,5%**/ 1,3%***
  8. United Airlines 17,2%* / 16,2%** / 1,0%***
  9. Emirates 17,6%* / 17,3%** / 0,4%***
  10. Adria Airways 17,7%* / 15,1%** / 2,6%***
  11. Austrian Airlines 19,6%* / 18,8%** / 0,9%***
  12. Easyjet 20,8%* / 20,4%** / 0,5%***
  13. Iberia 21,4%* / 21,0%** / 0,4%***
  14. British Airways 22,1%* / 21,1%** / 1,0%***
  15. LOT - Polish Airlines 22,2%*/ 21,6%** / 0,7%***
  16. Pegasus Airlines 23,2%* / 23,2%** / 0,0%***
  17. Brussels Airlines 23,5%* / 21,5%** / 2,0%***
  18. KLM Royal Dutch Airlines 24,7%* / 22,4%** / 2,4%***
  19. Lufthansa 26,9%* / 24,4%** / 2,5%***
  20. Swiss 27,4%* / 26,0%** / 1,4%***

Die Swiss wehrt sich: Ein Apfel-Birnen-Vergleich

Die Swiss reagiert auf die Untersuchung und wehrt sich: Es sei wichtig zu sehen, dass im besagten Ranking nicht mit gleichen Ellen gemessen werde. Die Swiss betreibe mit Abstand das grösste Netzwerk und am meisten Flüge pro Tag ab Zürich und als einzige Airline in der Schweiz ein Hub-Modell. Dieses sei nicht mit Airlines mit einem Point-to-Point-Modell zu vergleichen oder solchen, die in Nischen wie Ferienreisen und damit nicht in den Hauptwellen unterwegs seien.

Auch die Flughäfen in der Schweiz seien diesbezüglich nicht vergleichbar. Die Swiss sei auf Zubringerflüge und damit einhergehend auf Anschlusspassagiere angewiesen. Airlines mit anderen Modellen (u.a. Low Cost) hätten ihr Netzwerk nicht auf Anschlussflüge und damit einhergehend Anschlusspassagiere abgestimmt und könnten daher flexibler operieren und die weniger frequentierten Zeitfenster an den Flughäfen nutzen. Insbesondere in Zürich seien gerade letzten Sommer die ungünstigen Wetterbedingungen in Kombination mit den komplexen Betriebskonzepten des Flughafens, welche die Kapazitäten im Flugbetrieb stark reduzieren, eine Hauptursache für die vielen Verspätungen gewesen.

Die Swiss betont, dass man nach den grossen Verspätungen im Sommer 2018 über 40 Massnahmen eingeleitet und einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag investiert habe, damit sich die Situation in diesem Jahr nicht wiederhole. Die prominentesten Massnahmen seien die Einstellung zusätzlicher Arbeitskräfte insbesondere in den operativen Bereichen, die Aufstockung der Anzahl Reserveflugzeuge sowie die Verlängerung der Bodenzeiten an den Aussenstationen.

Ist die Airline Schuld an der Verzögerung, steht Passagieren unter Umständen eine Entschädigung zu

Philippe Strässle, Fluggastrechte-Experte von AirHelp, kommentiert die Analyse: «Wie unsere Auswertung zeigt, hat die Swiss als grösste Airline des Landes enorm mit ihrer Unpünktlichkeit zu kämpfen. Für die Passagiere kann das jedoch kein hinnehmbarer Zustand sein.»

Verspätungen ab drei Stunden sowie Flugausfälle können unter Umständen zu finanziellen Entschädigungen berechtigen: Im Falle eines stark verspäteten oder ausgefallenen Fluges sowie bei einer Nichtbeförderung haben Reisende unter anderem Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung in Höhe von bis zu 600 Euro pro Person. Die Voraussetzung dafür ist, dass der Start- oder Zielflughafen innerhalb der EU und, im Falle von Letzterem, die durchführende Fluggesellschaft ihren Sitz in der EU hat. Durch ein Abkommen mit der EU gilt dies ebenso für die Schweiz.

Der Grund für die Verzögerung im Flugbetrieb muss durch die Airline verschuldet sein. Das Recht auf finanzielle Entschädigung kann innerhalb von drei Jahren ab dem verspäteten Flugtermin eingefordert werden, ansonsten verjährt dieser Anspruch. Aussergewöhnliche Umstände wie Unwetter oder medizinische Notfälle bewirken, dass die ausführende Airline von der Kompensationspflicht befreit wird.

(LVE)