Flug

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Denn sie wissen, was sie tun (v.l.): Urs A. Pelizzoni (Chair Airlines AG), Marcin Kubrak (Enter Air), Leyla Ibrahimi (Albex Aviation) und Andrzej Kobielski (Enter Air). Bild: JCR

Kommentar Die Reisebranche freut sich über «Chair»!

Von Jean-Claude Raemy

Die Schweiz hat eine altbekannte neue Airline. Mit einem vielleicht eigenartigen Namen. Doch das ist nur zweitrangig.

Der Name wurde bis gestern geheim gehalten und lag irgendwie doch seit einer «Blick»-Enthüllung im April bereits auf vielen Zungen: Aus Germania Flug AG wird also Chair Airlines AG. Die neuen Flugzeuge sind als «Chair», also als «Stuhl», am Himmel unterwegs.

Ob der Name auch Stuhl (im ärztlichen Sinne) ist, darüber scheiden sich die Geister. Natürlich leuchtet die Mischung aus «CH» und «Air» ein, simpel und mit vielen Möglichkeiten, aber die Airline-Macher müssen wohl dennoch eine Weile lang Sprüche und Kalauer über sich ergehen lassen. Über die Preise (c'est cher), über die Sitze oder auch die Musik an Bord (Cher...), über «Chairman» und Sprüche wie «zwischen Stuhl und Bank», und noch viele weitere Halblustigheiten. In einer Travelnews-Umfrage von April liessen fast 50 Prozent der insgesamt 109 Teilnehmenden wissen, man hoffe auf «einen besseren Namen als Chair», aber 35 Prozent fanden den Namen auch «prima». Eine gross angelegte Rezipienten-Untersuchung gab es im Vorfeld der Brand-Lancierung übrigens nicht.

Solche Hinweise an die Branding-Verantwortlichen und auch die Investoren prallten an der gestrigen Pressekonferenz ab. Sie bleiben sozusagen «cool wie ein Stuhl». Zu recht. Der Name ist zumindest einfach einzuprägen und sorgt schon mal für Gesprächsstoff. Ausserdem wird eine Airline nicht primär an ihrem Namen beurteilt. Chair hat überdies eine wichtige Funktion in der Schweizer Reiselandschaft: Sie bietet eine Alternative zu Swiss und Edelweiss. Sie verhindert ein Quasi-Monopol, sie sorgt für Wettbewerb, und kann dabei jetzt besser als zuvor unter dem Brand Germania auch ihre Swissness ausspielen.

Wachstum! Nicht auf Teufel komm raus, sondern nachhaltig

Sie hat alle Trümpfe in der Hand. Sie hat Investoren, welche nicht obskur sind, sondern präsent und - im Fall von Leyla Ibrahimi und ihrer Air Prishtina - auch bekannt. Im Falle der polnischen Investoren von Enter Air, so sind diese vielleicht weniger bekannt, aber zwei Vorstandsmitglieder waren beim Brand-Launch zugegen und erklärten ihre Absichten. Diese lauten: Wachstum! Nicht auf Teufel komm raus, sondern nachhaltig. Dabei kann Enter Air der Chair zur Hand gehen, wie sie dies jetzt schon mit einem geliehenen Flugzeug tut, welches den Flotten-Engpass zu überbrücken hilft. Enter Air hat 21 aktive Flugzeuge (2 vorhandene und 4 bestellte B737MAX sind aktuell aus bekannten Gründen inaktiv) und bereits darauf hingewiesen, dass man durchaus noch weitere Kapazitäten für Chair bereitstellen könnte.

Die grossen Reiseveranstalter haben es immer wieder betont: Sie wollen eine Alternative - und haben diese nun. Selbst Hotelplan soll wieder mit an Bord sein. Im aktuellen «Krisensommer» kann eine vertrauenswürdige neue Airline vielleicht für Belebung sorgen, oder zumindest dafür, dass der Markt nicht zu krass zusammenschrumpft. Und für Sommer 2020 will Chair dann erst richtig aus den Starting Blocks kommen. Bis dahin ist noch Zeit. Zeit, in welcher das aktuelle Management alles richtig machen muss.

Ist der neue Name das Richtige? Who cares? Man wird sich daran gewöhnen, und wenn Preis und Produkt stimmen, dann werden die Schweizer gerne die Chair-Stühle besetzen.