Flug

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Airlines sollen die Tiefpreise erhöhen, Reisende Vernunft walten lassen und Medien sich dem Problem des Klimawandels gesamthaft annehmen, fordert André Lüthi. Bild: Globetrotter

Einwurf Die Hetzjagd gegen das Fliegen ist zu einfach

Von André Lüthi

André Lüthi, CEO der Globetrotter Group, äussert sich zur erhitzten Diskussion um den Klimawandel und die Fliegerei als Sündenbock.

Der Klimawandel, er ist nicht abzustreiten. Einer der Gründe sind wir Menschen und unser Konsumwahn – dies dokumentiert die Wissenschaft in aller Deutlichkeit. Das Fliegen wird momentan medial zum grossen Sündenbock erklärt. Dass die Fliegerei ihren Teil zum Klimawandel beisteuert, ist unbestritten.

Doch warum steht das Fliegen so im Fokus der Medien? Geht es nicht darum, unser Konsumverhalten grundsätzlich zu überdenken? Es bringt auch nichts, den globalen Fleischkonsum (Massentierhaltung gehört zu den schlimmsten Umweltsündern) und stinkende, rohölfressende Frachtschiffe, die unsere Konsumgüter bringen, mit der Fliegerei zu vergleichen und gegeneinander auszuspielen. Das wäre zu einfach.

«Keine privaten Kurzflüge von drei Nächten und weniger»

Nein, es braucht das Bewusstsein auf allen Ebenen und in allen Facetten – ein Bewusstsein, dass wir bereit sind, unser Konsumverhalten verändern zu wollen. Ja, wollen! Erst dies führt zu Veränderungen, die effektiv etwas bewirken. Bevormundung und staatliche Eingriffe führen nicht zum Ziel. Die Fliegerei heraus zu pflücken und zum Hauptschuldigen zu erklären, ist für mich zu kurz gegriffen.

Vielmehr braucht es erste Schritte, die Fliegerei in einem vernünftigen Mass zu halten. Die Airlines müssen endlich die Preise erhöhen und die Reisenden sollten auf private Kurzflüge von drei Nächten und weniger verzichten. Dafür eine lange Reise pro Jahr planen, mit echtem Interesse am Land, an der Kultur und an der Religion. Reisen, wo wieder die Begegnungen am Wegrand im Fokus stehen, nicht die touristischen Hotspots. Denn das Reisen und Entdecken steckt in uns Menschen, verbieten können wir es nicht – aber wir können anders, bewusster reisen.

Was wurde eigentlich aus dem Waldsterben? 1981 schien das Schicksal des Waldes besiegelt. Die Angst vor dem Tod der Bäume trieb Zehntausende auf die Strasse. Doch das Waldsterben blieb aus und die Medien haben das Thema mittlerweile vergessen. Liebe Medien; ist der Klimawandel in ein paar Monaten auch wieder vergessen? Statt der stetigen Verurteilung einzelner Aspekte des Klimawandels über ein paar wenige Monate, wie beispielsweise der Fliegerei, wünsche ich mir eine nachhaltige, breite und vielschichtige Berichterstattung – nicht als Hype sondern als Daueraufgabe und zur Aufklärung.