Flug

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Wer nach einem Langstrecken-Flug der Versuchung erliegt, zur falschen Zeit die Augen zu schliessen, büsst in den Folgetagen. Bild: Adobestock

Hüte dich vor dem Nickerchen

Von Gregor Waser

Es war ein Anfängerfehler, sich nach dem 22-Stunden-Flug zuhause hinzulegen. Langstrecken-Profis wissen, wie ein Jetlag zu verhindern ist.

Ein Flug von Sydney nach Zürich, mit bloss zweistündigem Umsteigestopp in Asien, hat es in sich. Weiss ja jeder Traveller. Wer sich auf den Zeitunterschied von 10 Stunden aber nicht vorbereitet und jegliche Reisetipps missachtet, kann ganz schön auf die Welt kommen; oder sich um 2.30 Uhr nachts am Küchentisch wiederfinden.

Fehler Nr. 1: Bei der Abschiedsparty mit Freunden am Strand nochmals richtig Gas geben bei Unmengen Fish & Chips & Drinks. Fehler Nr. 2: Aus Langeweile während dem ganzen Flug keine Mahlzeit auslassen und vor lauter Lichtern, Ellbögen und dem Rütteln an der Rückenlehne kaum ein Auge schliessen. Und der grosse Fehler Nr. 3: nach morgendlicher Ankunft in Zürich, sich am Mittag ein Nickerchen gönnen, das sich dann aber tief in den Nachmittag hineinzieht. Die Rückkehr zum normalen Tages-Nachtrhythmus ist im Eimer und zwar auf Tage hinaus.

Doch es ginge auch anders. In der Schweizer Reisebranche gibt es zahlreiche Langstrecken-Profis, die regelmässig auf Fernflügen unterwegs sind und oft nach der Ankunft gleich im Büro wieder in aller Frische auftauchen. Wir haben uns mal umgehört, wie man es denn eigentlich richtig machen müsste.

Die Uhr dem Zielort anpassen

Australien-Expertin Clare Walker von Ozeania Reisen, sie flog schon 33 Mal nach Downunder, empfiehlt: «Ja nicht bei Ankunft schlafen gehen und während der Flugreise am besten keinen Alkohol trinken!» Viel Wasser sei gut, so fände man schnell wieder in den normalen Rhythmus.

Schon rund 100 Mal in seinem Leben ist Marcel Goetz, Einkäufer bei Tourasia, nach Asien geflogen. Er hält das mit dem Jetlag so: «Ich stelle beim Einsteigen ins Flugzeug meine Uhr auf die Uhrzeit des Zielortes und versuche dann, mich an die normalen Essens- und Schlafenszeiten des Ziels zu halten. Wenn ich dann am Ziel ankomme, achte ich darauf, dass ich mich tagsüber sicher nicht hinlege, sondern bis abends wach bleibe und dann frühestens um 21 Uhr ins Bett gehe. So bin ich dann am zweiten Tag voll in der Lokalzeit angekommen. Es hilft natürlich, wenn man gleich nach Ankunft etwas unternimmt, so dass man keine Chance hat, sich der Müdigkeit tagsüber hinzugeben.» Dieses Konzept funktioniere bei ihm sowohl bei Flügen nach Osten wie nach Westen. Für ihn seien Flüge nach Westen in Sachen Jetlag nicht schlimmer, obwohl man das oft höre.

In den Anfängen seiner Reiserei musste Goetz aber auch schon Lehrgeld bezahlen: «Natürlich habe ich mich auch schon tagsüber am Ankunftstag hingelegt - dann hatte ich aber sicherlich ein Jetlag-Problem eine volle Woche lang, während der ich dann konstant zur falschen Uhrzeit müde war und dafür dann nachts wieder wach im Bett lag.»

Sandra Räber, Product Director Americas, Oceania & Caribbean bei Travelhouse, nennt diese Tipps: «Viel Wasser trinken und Alkohol massvoll geniessen, sonst folgt die fatale Kombination aus Kater und Jetlag. Und nichts bekämpft Müdigkeit so effizient wie Licht: Ein Spaziergang am Morgen wirkt Wunder.»

So aktiv wie möglich

Beim Fernreise-Spezialisten Knecht Reisen halten es die Langstrecken-Cracks unterschiedlich. Nordamerika-PM Robin Engel, der schon mehr als 30 Mal nach Nordamerika geflogen ist, stellt seine Uhr frühzeitig um: «Was immer hilft, ist sich möglichst schnell der lokalen Zeitzone anzupassen und sich im Westen halt wirklich ein wenig quälen und zu versuchen, so lange wie möglich am Abend aufzubleiben. Im Osten gilt es dann, so diszipliniert wie möglich aufzustehen, auch wenn es zu Hause noch mitten in der Nacht ist.» Wobei generell beim Jetlag jeweils nie die erste Nacht oder der erste Tag das Problem sei, sondern erst der zweite, findet Engel. Den ersten Tag überlebe man meistens irgendwie.

Engels PM-Kollege Michael Boetschi wiederum schwört auf Aktivitäten: «Das beste Rezept ist es aus meiner Sicht noch immer, den Ankunftstag so aktiv wie möglich zu gestalten. Dies gilt sowohl für frühe Ankünfte sowie für Ankünfte um die Mittagszeit oder am Nachmittag. Es hilft dabei aus dem Haus zu gehen, um damit der Versuchung eines kurzen Nickerchens zu entgehen.» Auch der direkte Weg ins Büro sei dabei immer eine gute Variante.

Ozeanian-PM Christine Weber-Primus legt ein Augenmerk aufs Essen unter Berücksichtigung der Zeit des Zielortes: «Ich verzichte gerne auf ein Abendessen nach dem Abflug, um ein paar Stunden später dafür das Frühstück umso mehr zu geniessen. Und Latino-Travel-Chefin Madeleine Rüegg nimmt das Thema locker: «Wenn ich nach Lateinamerika reise, bin ich am Morgen früh schon hellwach und topfit, um Neues zu entdecken. Ein Riesenvorteil! Und abends findet immer irgendwo eine kleine Party statt, ich treffe mich mit Freunden und Bekannten – also keine Chance und auch keine Lust zum schlafen.»