Flug

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In Prozenten ausgedrückt gab es 2018 rund 4900 Prozent mehr Todesfälle in der zivilen Luftfahrt als 2017. Das sagt jedoch wenig über die Sicherheit im Flugbetrieb aus. Bild: Jack Anstey

2018 gab es deutlich mehr Flugtote als zuvor

Dennoch ist Fliegen, gemessen an der Anzahl durchgeführter Flüge, eine sehr sichere Fortbewegungsart. Die Statistik wird zudem durch das praktisch unfallfreie Jahr 2017 verfälscht: 2018 war das Jahr mit den drittwenigsten Flugtoten aller Zeiten.

Im Jahr 2018 gab es einen steilen Anstieg bei den Todesfällen infolge von Flugunfällen: Gab es 2017 in der kommerziellen/zivilen Luftfahrt weltweit nur 13 Tote zu beklagen, waren es im letzten Jahr deren 556. Dies hat das Aviation Safety Network in Zusammenarbeit mit der niederländischen Aviatik-Consultingfirma To70 festgehalten.

Diese Steigerung könnte eigentlich besorgniserregend sein: Nach lediglich zwei Unfällen mit Turboprops im vorletzten Jahr gab es 2018 insgesamt 15 Flugunfälle mit Todesfolge. Trotzdem beschwichtigen die Firmen in ihrer Studie: Gemessen an der Anzahl schwerwiegender Unfälle war 2018 das dritt-sicherste Flugjahr aller Zeiten, und in Bezug auf die gesamte Anzahl von Todesfällen das neunt-sicherste. Bei kommerziellen Passagierflügen lag die Rate von schwerwiegenden Unfällen bei 0,36 pro Million Flügen, oder anders ausgedrückt, es gab einen Todesfall bei jedem 3-millionsten-Flug.

Das ist aber nicht nur höher als 2017 (0,06 Unfälle pro Million Flüge), sondern auch höher als der Schnitt der letzten fünf Jahre (0,24). Doch auch hier gilt es zu relativieren. 2005 wurden beispielsweise noch 1015 Todesfälle auf Passagierflügen weltweit gezählt. «Wäre die Unfallrate immer noch gleich hoch wie vor zehn Jahren, hätten wir im vergangenen Jahr 39 Unfälle mit Todesfolge gehabt», erklärt Harro Ranter, CEO von Aviation Safety Network. Mit der Rate aus dem Jahr 2000 hätte es 64 tödliche Unfälle gegeben. Ranters Argument ist klar: In den letzten beiden Jahrzehnten hat die Luftfahrtbranche enorme Fortschritte in Sachen Sicherheit gemacht. Und dies trotz einer grossen Zunahme der Flugfrequenzen weltweit.

Was Ranter noch Sorgen bereitet, ist der Umstand, dass zehn der 25 schwersten Unfälle der letzten fünf Jahre auf so genannte «Loss of Control» zurückzuführen sind, also auf den Verlust der Steuerungsfähigkeit der Maschine.

Das waren die schlimmsten Unfälle 2018

Am 29. Oktober stürzte eine brandneue Boeing 737 MAX 8 von Lion Air kurz nach dem Start in Jakarta ins Meer; es waren 189 Tote zu beklagen. Im Mai stürzte eine Boeing 737-201 von Cubana Aviacion im Osten Kubas ab, wodurch 112 Personen ums Leben kamen. Im März gab es in Kathmandu eine Crash-Landung einer Bombardier Dash8-Q400 von US Bangla Airlines; 51 der 71 Passagiere wurden dabei getötet. Im Februar schliesslich gab es gleich zwei grössere Unfälle: Eine Antonov An-148 von Saratov Airlines stürzte nahe Moskau ab (71 Tote) und eine ATR 72-212 von Aseman Airlines stürzte im Iran ab, was 66 Todesopfer forderte.

(JCR)