Flug

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Am Flughafen Keflavik nahe Reykjavik kommt es zur grossen Konsolidierung: Icelandair und Wow Air sind nur noch eine Gesellschaft, behalten aber ihre separaten Brands. Bild: Isavia

Icelandair schluckt Konkurrentin Wow Air

Der isländische Flugmarkt wird konsolidiert. Die beiden bislang rivalisierenden Airlines wollen künftig Synergien nutzen.

Die Icelandair Group hat angekündigt, dass sie einen Aktienkaufvertrag mit ihrem Low-Cost-Rivalen Wow Air eingegangen ist. Das Ziel ist klar: Icelandair wird sämtliche Aktien und damit die Kontrolle von Wow Air übernehmen.

Der Kauf muss noch einerseits von den Shareholdern des Unternehmens sowie von den isländischen Wettbewerbsbehörden abgesegnet werden. Gerade Letzteres ist noch nicht in trockenen Tüchern, doch gehen isländische Blätter wie Turisti.is davon aus, dass das Anliegen durchkommt – unter anderem, weil Wow Air in einer kritischen Situation war und offenbar auch hohe Schulden gegenüber dem Flughafen Keflavik hatte.

Die beiden Unternehmen, welche auch unter einem Dach weiterhin mit den beiden eigenen Marken und eigenen AOCs unterwegs sein wollen, kontrollieren einerseits fast den gesamten isländischen Flugmarkt und – noch wichtiger – rund 3,8 Prozent des lukrativen Transatlantik-Flugmarkts. Gemeinsam würden sie besser imstande sein, «im internationalen Markt den Konkurrenzkampf gegen grosse Carrier aufnehmen zu können», wie es in einer Mitteilung heisst.

In den nächsten Tagen wird von der Icelandair Group eine Gesellschafterversammlung einberufen, die endgültig über die Übernahme entscheidet. Die Hauptversammlung muss mindestens drei Wochen im Voraus einberufen werden.

Eine «Vernunfts-Hochzeit»

Das Zusammengehen kommt höchstens vom Zeitpunkt her überraschend. Es war schon länger klar, dass beide Airlines hart am finanziellen Limit operieren: Wow Air war seit dem Sommer dringend auf der Suche nach Investoren, während die Geschäftszahlen von Icelandair – welche ab kommendem Sommer aber die Kapazität nach Zürich verdoppeln wird - nicht berauschend waren und Ende August zum Ausscheiden von CEO CEO Björgólfur Jóhannsson führten. Ein Problem war unter anderen der ruinöse Kampf gegeneinander auf den Nordatlantikstrecken ab Europa via Island nach Nordamerika. So gesehen ist das Zusammengehen eine «Vernunfts-Hochzeit».

Der effektive Kaufpreis wurde nicht kommuniziert und auch die Bedingungen rund um die Übernahme bleiben vorläufig noch im Dunkeln. Klar ist nur, dass die Wow-Air-Eigner im Rahmen des Deals auch mit Aktien von Icelandair in Höhe von maximal 5,4 Prozent des gesamten Aktienanteils entschädigt werden.

In jeweils eigenen Statements im Press Release vom Montag drücken Bogi Nils Bogason, Interimspräsident & CEO der Icelandair Group, sowie Skúli Mogensen, CEO & Gründer von Wow Air, ihre Zufriedenheit aus. Man wolle nun Synergien optimal nutzen und im Interesse der für Island wichtigen Tourismusbranche dafür sorgen, dass das Land weiterhin mit vielen attraktiven Flügen versorgt sei.

(JCR)