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Egal, welche Kreditkarte Sie brauchen: In der Schweiz müssen Sie bei Buchungen von Swiss-Flügen weiterhin mit einer Gebühr rechnen. Bild: Philipp Dubach

Swiss: «Die Kreditkartenkosten sind nicht auf einem Tiefststand»

In vielen Ländern Europas kann die Lufthansa Group die OPC nun nach Kreditkartentyp differenziert erheben. In der Schweiz wird dies aber noch nicht umgesetzt. Wir haben nachgefragt.

Letzte Woche liess die Lufthansa Group ihre Vertriebspartner via lufthansaexperts.com wissen, dass ab dem 6. November die «Optional Payment Charge» (OPC), also die Kreditkartengebühr, neu geregelt wird. Was ändert? Das Berechnungsmodell für den Zuschlag wird der jeweiligen Kreditkarte angepasst: Privat verwendete Karten von «regulierten Anbietern», also von so genannten Mehr-Parteien-Systemen wie MasterCard und Visa, werden demnach von der Gebühr befreit. Dagegen werden so genannte Drei-Parteien-Systeme, in welchen nur ein Bankinstitut involviert ist, wie bei Amex und Diners Club, sowie Firmenkarten nicht reguliert – und müssen damit weiterhin mit einem Zuschlag rechnen. Eigentlich wollte Lufthansa die Gebühr, die sich an der verwendeten Kreditkarte orientiert, schon früher einführen, was jedoch aufgrund des enormen technischen Aufwands nicht möglich war.

Die neue Regelung gilt für alle Tickets von Lufthansa, Swiss und Brussels Airlines mit Reiseantritt in Deutschland, Dänemark, Finnland, Grossbritannien, Irland, den Niederlanden, Polen und der Tschechischen Republik. Austrian Airlines ist bislang vollständig ausgenommen.

Speziell an der Umstellung ist die Tatsache, dass für Tickets mit Reiseantritt in der Schweiz weiter eine einheitliche OPC erhoben wird. Klar ist: Die Schweiz ist von der seit Anfang 2018 geltenden neuen Zahlungsdienst-Richtlinie PSD II noch ausgenommen. Dennoch stellt sich die Frage, weshalb die Lufthansa Group die an sich vor allem technische Verbesserung (bzw. Differenzierung) der OPC-Erhebung nicht auch gleich in der Schweiz anwendet.

Auf Anfrage von travelnews.ch erklärt Swiss-Sprecher Stefan Vasic: «Wir fokussieren mit der Einführung der Differenzierung der OPC vorerst auf diejenigen EU-Länder, in denen die PSD II Anwendung findet. Was die Schweiz angeht, so evaluieren wir kontinuierlich eventuelle Anpassungen.»

Die «Card Scheme Fee» ist das Problem

Vasic stellt allerdings auch klar, dass immer wieder aus dem stationären Vertrieb kommende Stimmen, wonach die OPC in ihrer aktuellen Form «rechtswidrig» sei, falsch liegen: «Das Schweizer Gesetz erlaubt unverändert das Erheben von Kreditkartenzuschlägen, die OPC bei Swiss ist gemäss Schweizer Recht nach wie vor zulässig.» Er erinnert auch daran, weshalb die OPC überhaupt erhoben wird: «Grundsätzlich verursachen Kreditkartentransaktionen hohe Kosten für Swiss, welche verursachergerecht über die OPC teilweise an die Kunden weitergegeben werden. Dadurch wird nur ein Teil der Akzeptanzkosten kompensiert. Wichtig zu wissen ist, dass die Kreditkartenkosten von Swiss weiterhin nicht in vollem Umfang den Kunden weiterbelastet, sondern zum Teil auch durch uns getragen werden.» Swiss-Kunden haben auch weiterhin die Möglichkeit, kostenfreie Zahlungsmethoden zu nutzen – zum Beispiel über E-Finance von Postfinance.

Dagegen wird oft eingewendet, dass einerseits andere Grossunternehmen in der Schweiz längst auf einen Kreditkartenzuschlag verzichten, und dass die Verrechnungsgebühr erst im letzten Sommer von der Wettbewerbskommission (Weko) so gesenkt wurde, dass nun Bar- und Kreditkartenzahlungen ungefähr dieselben Kosten für den Händler verursachen. Dem hält Vasic entgegen, dass die Kreditkartenkosten für die Händler eben nicht auf einem Tiefststand sind: «Es kann sogar beobachtet werden, dass die Interchange Fee auf Grund der Regulierung zwar gesenkt, die Card Scheme Fee jedoch in fast demselben Ausmass gestiegen ist. Die Regelung der ICF betrifft darüber hinaus nur heimische Karten. Swiss ist ein international tätiges Unternehmen mit einem hohen Anteil an ausländischen Karten. Da diese nicht reguliert sind, sind die Kreditkartenkosten sehr hoch.» Wie lange die Weko aufgrund dieser Argumentation Aufschläge duldet, wird sich weisen müssen.

(JCR)