Ferienland Schweiz

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Beim Stopp am Garichti-Stausee im schönen Glarus: Robin Engel (l.) und Michael Bötschi. Bild: REN

Kantons-Challenge mit Robin & Michael, Teil 13: Glarus

Von Michael Bötschi

Zwei Reiseprofis haben während der Pandemie aus einer Schnapsidee eine spannende Tour durch alle Schweizer Kantone gestartet. Für die Travelnews-Leserschaft teilen sie ihre Erfahrungen und Eindrücke.

Langsam, aber sicher nimmt der Herbst Einzug. Die Tage werden merklich kürzer und die Temperaturen sind auch nicht mehr so hoch. Wobei, wann waren sie denn diesen «Sommer» mal wirklich hoch? Egal! Für unsere Kantons-Challenge heisst das, dass auch wir uns ab sofort wieder etwas mehr Gedanken über Destination und Zeitplan unserer Touren machen müssen. Gesucht war dieses Mal also ein Kanton, der von der Grösse her einigermassen überschaubar ist, gut erreichbar und trotzdem noch die eine oder andere interessante «Bähnlifahrt» ermöglicht. Natürlich hält unsere Schweiz  auch für diese Bedürfnisse die passende Destination bereit und so machten wir uns auf nach Glarus!

Eigentlich wäre der Kanton Glarus für uns in relativ kurzer Zeit auf der Autobahn erreichbar gewesen – gemütlich, aber unspektakulär. So entschied sich Robin, der Architekt der heutigen Tour, für eine etwas «königlichere» Anreise. Schliesslich wollen wir ja nicht immer den Weg des geringsten Widerstandes gehen. So kam es also, dass wir den Kanton von Süden her, über den Klausenpass anfuhren. Via Urnerboden, wo übrigens ein grosser Teil der ersten Staffel der SRF-Serie «Wilder» gedreht wurde, nahmen wir den «Zigerschlitz» also vom hintersten Ecken her in Beschlag. Dies war jedoch nicht mehr als eine lockere Aufwärmübung für meinen VW Polo, welcher mittlerweile den Übernamen «Kleiner Offroader» trägt, hat er doch schon so manchen vermeintlichen Wanderweg gemeistert, welcher Robin als Abkürzung oder «Scenic Byway» angepriesen hat.

Braunwald

Unser erster Stopp am heutigen Tag galt Braunwald. Vom Parkplatz in Linthal gelangt man mit der Standseilbahn ins autofreie Dorf, wo man nach kurzem Fussmarsch die etwas speziell konzipierte Gondelbahn hinauf ins Chrotzenbüehl erreicht. Das Restaurant mit dem kleinen Spielplatz ist im Sommer vor allem bei Familien mit Kleinkindern sehr beliebt. Wer etwas höher hinaus will nimmt die Sessel-Gondel Kombibahn zum Gumen. Auch hier etwas speziell, da die Sessel gedeckt und seitwärts angebracht sind, damit die Besucher jederzeit das wunderschöne Bergpanorama geniessen können. Diese Art von Kombination ist weltweit einzigartig und garantiert ein Fahrerlebnis besonderer Art. Auf dem Gumen wartet ein gemütliches Bergrestaurant mit traumhafter Aussicht auf die umliegende Bergwelt. Immer fest im Blick, den Ortsstock – das Glarner Matterhorn. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, dem empfiehlt sich die Wanderung zum Oberblegisee. Wunderschön und fernab den Touristenströmen.

Wir gönnten uns aus Zeitgründen nur einen Kaffee und ein paar «Meitschibei» und machten uns dann wieder auf den Weg ins Tal. Die Rede ist hier natürlich vom Gebäck, nicht dass uns noch nachgesagt wird, wir hätten jungen Wanderinnen nachgestellt.

Blick auf Braunwald und den Ortstock. Bild: REN

Mettmen (Garichti-Stausee)

Das nächste Ziel war der Kies und die kleine, aber feine Seilbahn hinauf nach Mettmen zum Garichti-Stausee. Mit seinen im Wasser spiegelnden Bergkuppen erinnerte uns der tiefblau schimmernde See fast ein wenig an Kanada. Der Stausee kann auf einem gemütlichen Spazierweg umrundet werden und bildet daher ein ideales Ausflugsziel für jedes Fitnesslevel. Gleich beim See befindet sich das wunderschöne Berghotel Mettmen. Wer hier aufs Mittagessen und den obligaten Streuselkuchen zum Dessert verzichtet, ist selbst schuld. Besonders ans Herz legen können wir euch den Bergburger und die aktuelle Wildkarte!

Idyllisch: Der Garichti-Stausee. Bild: REN

Anna Göldi Museum, Ennenda

Nach einem Morgen in den Glarner Alpen und einem guten, ausgiebigen Mittagessen, wollten wir uns dann auch noch ein wenig mit der Geschichte des Kantons befassen. Eine der bekanntesten und auch tragischsten historischen Figuren im Glarnerland war Anna Göldi. Sie war eine der letzten Frauen, die im 18. Jahrhundert in der Schweiz der Hexerei bezichtigt und hingerichtet wurden. Ein kleines, sehr gepflegtes Museum im «Hänggiturm» von Ennenda widmet sich der Geschichte von Göldi. Ennenda selber übrigens entwickelte sich im 19. Jahrhundert durch die Textilindustrie zu einer der reichsten Gemeinden im ganzen Land.

Lohnenswert: Das Ann-Göldi-Museum in Ennenda. Bild: REN

Klöntalersee

Zu guter Letzt stand dann natürlich noch unser traditionelles Feierabendbier auf dem Programm. Auch hierfür gibt es im Kanton Glarus den passenden Ort. Über eine Pflastersteinstrasse, ganz im Stile des Radklassikers «Paris-Roubaix», fuhren wir hinauf zum Restaurant Schwammhöhe. Etwas versteckt auf einer Anhöhe gelegen, geniesst man von hier oben (natürlich bei einem lokalen Adler Bräu) einen traumhaften Blick über den Klöntalersee. Bei wärmeren Temperaturen zieht dieses beliebte Ausflugsziel unzählige Badegäste an. Aktuell aber ist das Glarner Aushängeschild leider mit eher bescheidenem Wasserpegel unterwegs. Wir hatten jedoch das Glück, noch vor der grossen «Abpumpete» da gewesen zu sein. Wer es aber (vor allem im Sommer) etwas ruhiger möchte, dem empfiehlt sich der kleinere, überschaubare und weniger bevölkerte Obersee oberhalb von Näfels.

Fast wie in Kanada: Blick vom Restaurant Schwammhöhe auf den Klöntalersee. Bild: REN

Fazit

Schon vor diesem Ausflug war Glarus fett in meinem Kalender eingetragen. Allerdings erst für 2025, denn dann findet hier das übernächste Eidgenössische Schwing- und Älplerfest statt. Der zentral gelegene Kanton ist aber auch sonst eine Reise wert und super geeignet für einen Tagesausflug. Egal ob zum Badespass am Klöntalersee oder für eine schöne Wanderung, das Glarnerland hat trotz seiner überschaubaren Grösse einiges zu bieten und auch im Winter ist ja bekanntlich immer für «es Kaffi am Pischterand» gesorgt. Und wer dem ganzen noch ein entsprechendes i-Tüpfchen aufsetzen möchte, nimmt auch für den Rückweg nicht die Autobahn, sondern fährt dem Klöntalersee entlang, bis es scheinbar nicht mehr weitergeht. Genau hier beginnt der Pragelpass ins benachbarte Muotathal. Aber im Kanton Schwyz waren wir ja bereits.

Auch einen Stopp wert: Der Obersee oberhalb von Näfels. Bild: REN