Ferienland Schweiz

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Wunderschöner Ausblick vom Faulhorn (2681 M.ü.M.) auf einen Bergsee und den Brienzersee. Alle Bilder: NWI

Ein Naturparadies sondergleichen

Von Nina Wild

Ganz egal ob Reisende einen Adrenalin-Kick, ausgiebige Wanderungen mit Ausblick, spektakuläre Schluchten oder tosende Wasserfälle suchen: Grindelwald bietet das ganze Spektrum, welches Outdoor-Enthusiasten suchen. Travelnews hat der Ferienregion im Berner Oberland einen Besuch abgestattet.

«Das Open Air St. Gallen ist anfangs Juli schlicht nicht durchzuführen», liess das Organisations-Komitee des Festivals im Sittertobel bereits am 22. März 2021 verlauten. Die Enttäuschung über die zweite Absage in Folge ist bei meiner Openair-Clique und mir gross. Doch Trübsal blasen ist bei uns nicht Programm. Wir suchen nach Alternativen und schon bald ist unser verlängertes Wochenende in Grindelwald gefixt und eine passende Unterkunft in einem wunderschönen Chalet am Fusse des Eigers gefunden. Es kann los gehen.

Wir haben glücklicherweise genügend Zeit, um bereits den Anfahrtsweg voll auszukosten. Ein Stopp bei den Giessbachfällen auf der Südseite des strahlend blauen Brienzersees steht auf dem Programm. Nebelschwaden liegen wie Zuckerwatte auf den Baumspitzen. Riesige Wassermengen fliessen das Tal hinunter. Und sogar von hinten und unten kann das kühle Nass bestaunt werden - mit Blick auf den See und das märchenhafte Grandhotel Giessbach.

Spätestens als wir am nächsten Morgen an der gegenüberliegenden Felswand die waghalsigen Basejumper sehen, die sich in die Tiefe stürzen, um kurz vor dem Aufprall am Boden doch noch den Falschirm zu ziehen, sind wir komplett in Grindelwald angekommen. Aber es sollte noch besser werden. In der Region rund um Grindelwald gibt es zahlreiche Wanderwege. Weil noch zu viel Schnee liegt, sind noch einige von ihnen gesperrt, vor allem rund um den Eiger. Aber das macht nichts, denn die Auswahl ist gross und die Natur rund um das Touristendorf ohnehin spektakulär. Wir entscheiden uns, mit der Gondelbahn von Grindelwald bis zur Station First zu fahren. Auf dem «First Cliff Walk» rutscht uns das Herz in die Hose. Entlang der Klippen führt ein schmaler Weg, der mit einer ebenso schmalen Aussichtsplattform endet. Unter uns der Abgrund. Die Aussicht könnte schöner nicht sein - trotz ein paar Wolken.

Den Bachalpsee erreichen wir nach rund einer Stunde gemütlicher Wanderzeit, lediglich am Anfang der Route geht es ein kleines Stück bergauf. Der Bergsee ist mit dicken Eisschollen bedeckt, aber dort wo das Wasser zu sehen ist, kann bis auf den Grund geblickt werden. Am Rande des Weges wimmelt es nur so von Schiefersteinen, die besonders gut auf der nassen Oberfläche des Gewässers hüpfen. Zeit für ein paar Würfe, bis wir uns schliesslich zum Gipfel des Faulhorns aufmachen.

Die bevorstehenden 400 Höhenmeter sind geprägt von Schneedecken, fantastischem Bergpanorama und dem noch lange anhaltenden Blick auf den Bachalpsee, wenn wir kurz inne halten, um Luft zu schnappen. Es ist kühl und wir fühlen uns befreit. Auf dem Gipfel auf 2681 Metern angekommen, eröffnet sich uns gegen Norden eine Aussicht bis auf den knallblauen Brienzersee - diesmal aus einer anderen Perspektive. Dieser hat seine unverwechselbare Farbe dem Gletscher-Schmelzwasser zu verdanken. Anschliessend haben wir uns das obligate Gipfel-Bier verdient.

Wasser in allen Variationen

Wo Wasser ist, da existiert Leben. Und es ist mehr als beeindruckend, wie viel es davon in der Destination zu finden gibt - und vor allem in was für unterschiedlichen Formen es sich zeigt. In der Gletscherschlucht rinnt ein tosender Fluss durch die 300 Meter hohen Felswände hindurch. Die Schlucht erinnert an den Unteren Grindelwald Gletscher, der bereits vollständig geschmolzen ist. Der Obere Gletscher ist bislang noch erhalten geblieben, zieht sich aber - wie viele andere Gletscher auch - rapide zurück. Unmengen an wertvollem und seit hunderten von Jahren gespeichertem Wasser gehen durch diese Schmelze verloren.

Im Lauterbrunnental prägen zahlreiche Wasserfälle das Ortsbild. Beinahe überall wo wir hinblicken, stürzt das Wasser von den mehreren Hundert Meter hohen und steilen Felswänden zu Boden. 72 Wasserfälle soll es im Lauterbrunnental geben, weshalb das Areal auch liebevoll «Tal der Wasserfälle» genannt wird.

Grindelwald es war schön bei dir. Wir vermissen das Abendrot an den kargen Felswänden des Eigers beim Sonnenuntergang, das gute und abwechslungsreiche Essen in der vielseitigen Gastronomie, die bunten und wilden Wiesen auf den Bergen und die pittoreske Landschaft. Bis zum nächsten Mal!