Ferienland Schweiz

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Im schönen Kanton Nidwalden unterwegs: Michael Bötschi (l.) und Robin Engel auf der Fähre Gersau-Beckenried. Bild: REN

Kantons-Challenge mit Robin & Michael, Teil 7: Nidwalden

Von Michael Bötschi

Zwei Reiseprofis haben während der Pandemie aus einer Schnapsidee eine spannende Tour durch alle Schweizer Kantone gestartet. Für die Travelnews-Leserschaft teilen sie ihre Erfahrungen und Eindrücke.

Nach den Abstechern ins Tessin und in den Kanton Neuenburg stand dieses mal wieder ein Deutschschweizer Kanton auf dem Programm. Normalerweise versuchen wir die Wochenenden bei unseren Ausflügen so gut wie möglich zu meiden. So schaffen wir es jeweils, den ganz grossen Touristenströmen einigermassen aus dem Weg zu gehen. In diesem Fall mussten wir aber eine kleine Ausnahme machen. Die aktuelle Wetterlage und die stark eingeschränkten Öffnungszeiten einiger Attraktionen liessen uns da nur wenig Spielraum.

Dass dieser Ausflug nun also auf einen Samstag fiel, hatte aber auch seine Vorteile. So durften wir zum ersten Mal in dieser Kantons-Challenge auf die Begleitung und Unterstützung unserer Partnerinnen zählen. Gut gelaunt machten wir uns an diesem sonnigen Vormittag also zu viert auf den Weg in die schöne Innerschweiz. Das Ziel: Nidwalden.

Klewenalp

Die eindeutig schönste Anfahrt ist mit der Fähre von Gersau nach Beckenried. Von dort aus führt die längste Luftseilbahn der Zentralschweiz hinauf auf die Klewenalp. Für mich gehört die Aussicht von der Bergstation hinab auf den Vierwaldstättersee zu den schönsten der ganzen Innerschweiz. Als eines der Highlights gilt das jeweils im Juli hier oben stattfindende KlewenAlpFestival. Ursprünglich als Country Festival gestartet, hat es über die Jahre den Musikschwerpunkt auf Alpenrock und Jodel gewechselt, was dem Besucherstrom aber keinen Abbruch tat. Aufgrund der aktuellen Situation musste aber leider auch diese Veranstaltung heuer abgesagt werden.

Aussicht von der Klewenalp über den Vierwaldstättersee bis zur Rigi. Bild: REN

Niederrickenbach/Musenalp

Ab Dallenwil gings mit der Gondel hoch nach Niederrickenbach. Das kleine Dorf ist lediglich via Seilbahn erreichbar. Umgangssprachlich wird es auch Maria-Rickenbach genannt, denn es wurde rund um ein Benediktinerinnen-Kloster gebaut und gilt heute als Wallfahrts- und Kraftort. Ab Niederrickenbach geht's aber nochmals weiter bergwärts. Ein kleines Vierer-Gondeli bringt uns über die spektakuläre Felswand hinauf zur Musenalp.

Wie im Bilderbuch: Das Gondeli, das auf die Musenalp führt. Bild: REN

Oben angekommen lädt ein herziges «Alpbeizli» zum Verweilen ein. Natürlich gönnten auch wir uns eine leckere Wähe und ein grosszügiges «Kafi im Beckeli». Für die sportlichen Naturfreunde ist die Musenalp auch zu Fuss von der Klewenalp aus via Bärenfallen auf einer schönen Wanderung erreichbar.

Zeit für eine Zwischenverpflegung muss sein - in diesem Fall auf der Musenalp. Bild: REN

Wolfenschiessen (Hechhuis)

Wieder im Tal und immer auf der Suche nach ein paar speziellen Geschichten, fuhren wir noch ein paar Kilometer weiter bis nach Wolfenschiessen. Dort steht das Hechhuis – das älteste Haus im Kanton Nidwalden. 1586 wurde das Anwesen vom Ritter Melchior Lussi vom Stans erbaut. Noch heute ist das historische Bauwerk mit seinem auffallenden Dachreiter ein schönes Fotomotiv. Da sich das Hechuis in Privatbesitz befindet, ist das Innere des Hauses aber leider nicht öffentlich zugänglich.

Das älteste Haus in Nidwalden: Das Kulturgut Hechhuis in Wolfenschiessen. Bild: REN

Stans

Auf der Suche nach den wirklichen Geheimtipps liessen wir die weitum bekannte Cabrio-Bahn aufs Stanserhorn elegant links liegen. Daneben gehören das eindrückliche Winkelried-Denkmal und die gleich nebenan am Dorfplatz liegende katholische Kirche St.Peter und Paul wohl zu den grössten Sehenswürdigkeiten der Kantonshauptstadt. Wer noch nicht genug Winkelried hat, kann auch noch das Nidwaldner Museum im leicht ausserhalb gelegenen Winkelriedhaus besuchen.

Der Dorfplatz in Stans mit dem Winkelried-Brunnen. Bild: REN

Stansstad

Wunderschön am Ufer des Vierwaldstättersees gelegen, vermittelt Stansstad selber schon ein wenig Feriengefühl. Als Wahrzeichen der Gemeinde fungiert der Schnitzturm direkt am Seeufer und ziert auch das Gemeindewappen. Der 18 Meter hohe Turm wurde 1315 errichtet und danach mehrmals umgestaltet. Eine moderne Treppe führt innerhalb der historischen Mauern auf die kleine Aussichtsplattform der Befestigung. Eine Audiosäule erzählt die Geschichte des Franzoseneinfalls von 1798.

Demonstrierte Wehrhaftigkeit der Innerschweizer: Der Schnitzturm in Stansstad. Bild: REN

Daneben lädt die hübsche, kleine Hafenpromenade zum Verweilen und Kaffeetrinken ein.

Stansstad mit der kleinen Hafenpromenade und dem Lopper im Hintergrund. Bild: REN

Festung Fürigen

Glücklicherweise wissen wir heute, dass die Schweiz den zweiten Weltkrieg nahezu unbeschadet überstanden hat. Dies war in den 1930er und 40er Jahren aber alles andere als sicher und auch der darauffolgende kalte Krieg barg so einige Gefahren für unser schönes Land. Gut gab es da diesen Notfallplan. Dieser lautete: Rückzug in die Berge!  Eine der extra dafür angelegten Bergfestungen befindet sich in Fürigen. Auf einer Audiotour erhält der Besucher spannende Informationen zum Soldatenleben im Berg und den damaligen Geheimplänen der Schweizer Armee. Besuchen kann man die Festung Fürigen jeweils nur am Samstag und Sonntag.

Eintauchen in vergangene Zeiten in der Festung Fürigen. Bild: REN

Fazit

Insbesondere die kleine, aber wunderschön gelegene Musenalp ist für mich der Geheimtipp schlechthin. Hier, rund 1750 Meter über Meer, scheint die Welt noch in Ordnung zu sein.

Nidwalden bietet aber weitaus mehr als nur Berge, Seilbahnen und den See. Klar, einige vermissen in diesem Bericht sicher die einzigartige Cabrio-Bahn auf das Stanserhorn oder auch den allseits bekannten Bürgenstock. Unbestritten gehören diese beiden Sehenswürdigkeiten auch zu den ganz grossen Highlights des Kantons. Auf unserer Tour wollten wir den Fokus aber auch mal auf andere, vielleicht weniger bekannte Plätze lenken. Oder wusstet ihr vielleicht, dass gleich neben Stansstad, nur wenige Schritte von badenden Touristen entfernt, ein wichtiger historischer Stützpunkt unserer Armee verborgen lag? Die Kantone der Zentralschweiz sind doch immer wieder für eine Überraschung gut.