Ferienland Schweiz

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Martin Nydegger kommentiert an der virtuellen Schweiz-Tourismus-Medienkonferenz das historische Jahr 2020 und orientiert über die Zukunftspläne des Reiselandes Schweiz. Travelnews hat die Präsentation zwischen verschneiten Bergen in Laax verfolgt. Bild: NWI

Die Schweiz als nachhaltigste Destination der Welt

Von Nina Wild

An der Jahresmedienkonferenz spricht Schweiz-Tourismus-Direktor Martin Nydegger über das Schreckensjahr 2020 und das Ziel der Vermarktungsorganisation, in den kommenden Jahren zum nachhaltigsten Reiseland auf dem Globus zu werden.

Als «Schreckensjahr in der Geschichte» bezeichnet Schweiz Tourismus Direktor Martin Nydegger das Jahr 2020 an der heutigen Jahresmedienkonferenz. Die Übernachtungszahlen sind um 40 Prozent, auf lediglich 24 Millionen Übernachtungen zurückgegangen. Damit lagen die Besucherzahlen auf dem selben Niveau wie im Jahr 1950. Primär dafür verantwortlich war der fast vollständige Totalausfall der Logiernächte aus dem Ausland (-66 %). Für den Heimmarkt konnten immerhin zwischen Juli und Oktober so viele Hotellogiernächte verzeichnet werden wie noch nie zuvor (9 Mio. / + 24 %).

Das Sommer- und Herbstgeschäft in den Bergen liess nach der Wiederaufnahme des Betriebs anfangs Juni Hoffnung aufkeimen. Schweizerinnen und Schweizer machten begeistert Sommer- und Herbstferien in den Bergen (5 Mio. Hotellogiernächte / +46 %, Juli bis Oktober). Sobald sie wieder reisen durften, zog es zwischen Juli und Oktober auch viele Touristen aus den Nachbarländern und den Benelux-Staaten in die Schweizer Berge: Aus Frankreich konnten in dieser Zeit rund 82 % der Logiernächte von 2019 verbucht werden. Aus Belgien kamen im Juli sogar alle Hotelnächte aus dem Jahr 2019 zustande! Und im August aus Deutschland 85 % und aus den Niederlanden satte 95 %. Dieser Umstand belege, dass ausländische Gäste wieder reisen, sobald physische Barrieren wie Reisebeschränkungen fallen.

Aufgrund der ausbleibenden Gäste im letzten Jahr kämpften als Folge viele Hotelbetriebe mit nicht ausgelasteten Betrieben. Besonders gelitten hat die Stadthotellerie: Laut Schätzungen von Hotelleriesuisse ist der Umsatz bei den Grossstsadthotels um 67 Prozent zurückgegangen - ein historischer Einbruch. Bei den Hotels in kleineren Städten beträgt der Rückgang rund 42 Prozent. Die Berghotellerie wurde am wenigsten von der Krise getroffen. Ihr Umsatzrückgang beträgt schätzungsweise 19 Prozent. Hotelbetriebe auf dem Land haben rund 32 Prozent weniger Umsatz generiert. Total über die ganze Branche wird mit einem minus von 41 Prozent gegenüber dem Vorjahr gerechnet. «In Zahlen ausgedrückt bedeutet das ein Umsatzrückgang von 3,4 Milliarden Schweizer Franken», kommentiert Hotelleriesuisse-Präsident Andreas Züllig den immensen Verlust.

Nachhaltigkeit als Schlüssel zum Erfolg

Das verlorene Jahr 2020 ist Geschichte. Es gilt nun für Schweiz Tourismus, den Blick in die Zukunft zu richten und Strategien zu entwickeln, um den wachsenden Bedürfnissen der Gesellschaft gerecht zu werden und die kommenden Jahre erfolgreich zu bestreiten. Deshalb setzt die Marketingorganisation für das Ferienland Schweiz stark auf das Thema Nachhaltigkeit. Denn gerade die Monate der Pandemie haben gezeigt, dass der Wunsch nach Naturnähe, Authentizität und umsichtiger Konsum wichtiger denn je sind. «Wenn wir etwas gelernt haben, dann, dass wir künftig unsere Stärken noch selbstbewusster ausspielen müssen. Und der nachhaltige Tourismus ist unbestritten eine davon. Swisstainable löst eine mächtige Nachhaltig­keitsbewegung aus, die auch unsere Gäste mittragen werden», so Direktor Nydegger am der heutigen virtuellen Jahresmedienkonferenz von Schweiz Tourismus.

Der Bundesrat hat sich für eine klimaneutrale Schweiz bis 2050 verpflichtet. Weil Nachhaltigkeit zum Reiseland Schweiz passt, ist sie für die Strategie 2021-2023 ein Schlüsselthema. Bereits jetzt haben sich zahlreiche touristische Anbieter für eine nachhaltige Entwicklung entschieden. Für Gäste ist die Unterscheidung der zahlreichen Angebote jedoch schwierig. Mit «Swisstainable» hat Schweiz Tourismus eine klare Orientierung geschaffen.

Dass Nachhaltigkeit auch bei den Reisenden selbst einen höheren Stellenwert hat, zeigt eine Studie von Booking: Jeder bzw. jede zweite Reisende möchte nachhaltiger unterwegs sein und 69% der Befragten wünschen sich mehr nachhaltige Reiseangebote. Ausserdem wirkt sich das Thema auch positiv auf das Preisempfinden und die Qualitätswahrnehmung unserer Gäste aus: Eine Schweiz Tourismus (ST)-Befragung zeigt, dass sie Nachhaltigkeit mit hoher Qualität assoziieren. Sie gehen folglich von höheren Preisen aus und sind auch bereit, für sie zu zahlen.

Schweiz ist Vorreiter - aber nicht in den Köpfen der Menschen

Laut des Travel & Tourism Competitiveness Report im Bereich «Environmental Sustainability» ist die Schweiz weltweiter Leader. Dies dank hervorragender Anbindung mit dem Öffentlichen Verkehr, seinen über 1500 Seen, weil rund ein siebtel der Gesamtfläche dem Naturschutz unterstellt ist oder weil die Bevölkerung weltweit am Meisten Bio-Produkte konsumiert. Doch Befragungen im Markt Benelux haben gezeigt, dass nur 15 Prozent einen Bezug zwischen Schweiz und Nachhaltigkeit sehen. Das gilt es nun zu ändern.

Gegen aussen soll die Schweiz als nachhaltigste Destination der Welt wahrgenommen werden. Im Rahmen des Programms «Swisstainable» sollen nachhaltige Leistungserbringer mit einem Signet ausgezeichnet und so als Vorbilder auftreten. Ausserdem soll Nachhaltigkeit nicht als Verzicht, sondern als Bereicherung wahrgenommen werden. Folgende Empfehlungen spricht Schweiz Tourismus den Gästen aus:

  1. Die Natur nah und ursprünglich geniessen
  2. Die lokale Kultur authentisch erleben
  3. Regional konsumieren
  4. Länger bleiben und tiefer eintauchen

Schweiz Tourismus selbst will als gutes Beispiel voraus gehen und richtet seinen eigenen Betrieb konsequent auf Nachhaltigkeit aus. Ausserdem unterstützt das Unternehmen die Leistungsträger bei der Verfolgung ihrer Nachhaltigkeitsziele und zeichnet es mit dem Swisstainable-Signet aus. Nicht zuletzt werden starke Kommunikationskampagnen lanciert, um die Schweiz erfolgreich zu positionieren und es wird jährlich ein Leuchtturmprojekt aus dem Themenfeld Nachhaltigkeit durchgeführt und damit Aufsehen erregt. In diesem Jahr steht vor allem die Etablierung innerhalb der Tourismusbranche und bei den heimischen Gästen im Fokus. Im kommenden Jahr wird die Kampagne international kommuniziert. Als Nachhaltigkeits-Leader soll die Schweiz dann spätestens 2023 wahrgenommen werden.

Gemeinsam ans Ziel

Damit diese Positionierung der Schweiz als nachhaltiges Reiseziel in Zukunft funktioniert, müssen die verschiedenen Player der Branche zusammenspannen. An der heutigen Pressekonferenz äussert sich Nicolo Paganini, Präsident Schweizer Tourismus-Verbands: «Der Vorstand des STV hat schon im September 2020 das Projekt ‹Nachhaltigkeit im Tourismus› genehmigt. Der STV begreift das Thema Nachhaltigkeit als Herausforderung und Chance zugleich», und er führt aus: «Sowohl für unsere Gäste wie auch für weitere Stakeholders, wie beispielsweise die Politik oder die Verwaltung, ist die Frage nach der Nachhaltigkeit des Wirtschaftens im Tourismussektor in den letzten Jahren zentral geworden.» Der Vorstand vom Verband, bei welchem Vertreter von grossen Verbänden wie Gastrosuisse über Hotelleriesuisse bis hin zu den Seilbahnen, den Schweizer Pärken oder dem Verband öffentlicher Verkehr vertreten sind, habe sich einstimmig zum Swisstainable-Programm von Schweiz Tourismus bekannt. In den kommenden Wochen stehen beim Verband laut Paganini folgende Aufgaben im Fokus: Der Aufbau eines Nachhaltigkeitsmonitorings für die Messbarkeit der gesetzten Ziele, der Einbau des Nachhaltigkeitsthemas in die Tourismusstrategie des STV und schliesslich der Aufbau eines Kompetenzzentrums zum Thema Nachhaltigkeit.

Die neue Strategie wird auch von Hotelleriesuisse unterstützt und begrüsst. Präsident Andreas Züllig präzisiert: «Nachhaltigkeit im Hotelbetrieb bedeutet nicht bloss eine Reduktion von Foodwaste, sondern eine Ausrichtung der gesamten Wertschöpfungs- und Kundenerlebniskette inklusive der Marketingkommunikation». Nach der Krise werde eine entsprechende Positionierung dazu beitragen, Schweizer Gäste zu erhalten und weitere Gästegruppen dazuzugewinnen – im Leisure wie auch im Business-Segment.

Die Schweizer Jugendherbergen, die seit ihrem Ursprung in gleichem Masse auf wirtschaftliche, soziale und umweltverträgliche Kriterien setzten, spielen ebenfalls eine zentrale Rolle, bei der Umsetzung der neuen Nachhaltigkeitsstrategie: «Die Schweizer Jugendherbergen freuen sich mit der jahrzehntelangen Erfahrung einen Beitrag zu leisten und als Vorbild andere zu motivieren», sagt Janine Bunte, CEO der Schweizer Jugendherbergen.