Ferienland Schweiz

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Arosas Tourismusdirektor Pascal Jenny spricht über das Auf und Ab der letzten Wochen. Bild: HO

«Aktuell ist Arosa eines der sichersten Dörfer der Schweiz»

Von Nina Wild

Im Travelnews-Interview spricht Pascal Jenny, Tourismusdirektor von Arosa, über die überstandene Häufung von Corona-Fällen in der letzten Woche, wie der Winter bisher lief und er sagt, was Arosa neben den Pisten zu bieten hat.

Die Feriendestination Arosa hat so einiges zu bieten: Im Winter locken im Schneesportgebiet Arosa Lenzerheide insgesamt 225 Pistenkilometer zum Austoben mit Blick auf die umliegenden Gipfel. Ausserdem bietet alleine Arosa über hundert Kilometer Winterwanderwege. Angefressene Schneesportler können in den Funparks an ihren Tricks feilen und die entspannteren Gäste beim Langlaufen die Natur an sich vorbei ziehen lassen.

Auch im Sommer lockt das Feriengebiet mit dem Arosa Bärenland, zahlreichen Wanderwegen und Biketrails die Besucher in die Berge. Doch was macht die Destination so besonders und faszinierend? Und wie steht es um die aktuelle Wintersaison und welche Neuigkeiten sind für die wärmeren Monate geplant? Travelnews hat hierzu beim noch-Tourismusdirektor von Arosa, Pascal Jenny, nachgefragt. Das Interview wurde in schriftlicher Form durchgeführt, weil ein persönliches Treffen bei unserem Besuch in Arosa aufgrund der aktuellen Corona-Situation in der Schweiz leider nicht möglich war.


Herr Jenny, wie haben Sie die vergangenen Monate der Pandemie erlebt?

Pascal Jenny: Es war ein auf und ab. Arosa ist im Frühling von einem Tag auf den anderen aus der erfolgreichsten Saison seit vielen Jahren gerissen worden. Im Sommer herrschte bei uns schon fast «Normalität». Wir hatten weder Corona-Fälle noch Ausfälle im Tourismus zu verzeichnen. Mit der Schliessung der Restaurant zu Beginn vom Winter und den grossen Diskussionen um die Öffnung von Skigebieten, hat die Kurzfristigkeit aller Entscheidungen einen Höhepunkt erlebt. Beeindruckt war ich ob der hervorragenden Reaktion vom Kanton Graubünden und uns in Arosa auf die plötzliche Häufung der Fälle in der Schule Arosa. Aktuell kann man wohl sagen, sind wir eines der sichersten Dörfer der Schweiz. 85 Prozent der Bevölkerung ist durchgetestet und alle potentiellen Virusträger in Quarantäne. Erfreulich ist es, dass trotz grosser Tourismuskrise und begleitet von konsequenten Schutzkonzepten die touristische Saison läuft und sogar die Auslastung im Februar mit rund 65 bis 70 Prozent gegenüber Vorjahr ganz beachtlich ausgebucht ist.

Die Skigebiete sind von einer Schliessung glücklicherweise bislang verschont geblieben. Wie lautet eine erste Bilanz zur diesjährigen Wintersaison?

Sie ist verständlicherweise durchzogen. Im Dezember (inkl. Festtage) hatten wir einen Gäste- und Einnahmenrückgang von rund 30 Prozent. Die Restaurants, welche nur noch Takeaway anbieten dürfen, müssen gar 85 Prozent Rückgang verkraften. Im Januar sieht es dann deutlich schlechter aus. Der Monat mit Events, Firmenanlässen, Gruppen-Skiweekends fiel so ziemlich ins Wasser. Dies obwohl die Schnee- und Wetterbedingungen hervorragend waren. Im Februar dürfte die Auslastung im Rahmen vom Dezember und den Festtagen zum Jahreswechsel sein. Dafür sind wir dankbar. Mit etwas Glück können ab März die Restaurants wieder öffnen und wir können im letzten Drittel der Wintersaison noch etwas aufholen. Wir bleiben positiv.

Wieso sollten Ski- und Snowboardbegeisterte nach Arosa kommen?

Der Hauptgrund ist – mit oder ohne Corona – unser Angebot. Arosa bietet eine Vielfalt an Erlebnissen und an touristischen Highlights. Die Verbindung zur Lenzerheide ist genauso ein Reisegrund wie der sehr beliebte Snowpark, die Winterwanderwege, die Langlaufloipen oder die neue schwarze Piste «Black Diamond». Zudem bietet kaum ein Dorf so viel Lebensgefühl und Humor. Darin sind wir mit dem Arosa Humorfestival, das in diesem Jahr das 30-jährige Jubiläum feiert das Mekka des Tourismus.

«Die Gäste aus dem Ausland sind praktisch inexistent.»

Es ist schwer, bei den aktuellen Reiserestriktionen innerhalb Europas den Überblick zu bewahren. Reisen ist kompliziert geworden. Sicherlich waren in den letzten Monaten auch weniger ausländische Gäste in Arosa zu verzeichnen. Welche Auswirkungen hat das auf die Destination?

Die Gäste aus dem Ausland sind praktisch inexistent. Daran gibt es nichts zu rütteln. Bei uns sind das rund 20 bis 30 Prozent der Gäste, die fehlen. Im Sommer haben die Schweizerinnen und Schweizer diesen Verlust kompensiert. Im Winter bisher leider nicht.

Wie haben sich die Gästezahlen seit Corona generell entwickelt und von wo kamen die Reisenden?

Wir haben noch mehr Gäste aus der Heimat. Es wird kürzer gebucht. Dafür bleibt man eher länger. Neuerdings haben wir deutlich mehr Gäste aus der französisch- und italienisch-sprechenden Schweiz.

Sie haben vorhin erwähnt, dass die Gastronomie Umsatzeinbussen von bis zu 85 Prozent zu verkraften hat. Gibt es Möglichkeiten, das lokale Gewerbe in der Pandemie zu unterstützen?

Mit unserer Gutscheinaktion zu Beginn der Pandemie waren wir die ersten, die nach «Innen» ins Dorf reagiert haben. Bis heute sind rund 70 Prozent der Gutscheine eingelöst. Also über 700'000 Franken wurden von (Stamm-)gästen, Zweitheimischen und Einheimischen ins Dorf gebracht. Das ist sehr erfreulich. Zudem nutzt wohl fast jeder Einheimische, Zweitheimische und FEWO-Mieter bei der lokalen Gastronomie die Takeaway Angebote. Diese sind auch superkreativ. Das schweisst zusammen und hilft.

«Kein Ort der Schweiz bietet so viele gastronomische Optionen wie unser kleines Dorf.»

Welche Vorzüge bietet die Destination eigentlich abseits der Piste?

Hier möchte ich die Gastronomie erwähnen. Kein Ort der Schweiz bietet so viele gastronomische Optionen wie unser kleines Dorf. Dies sowohl im Skigebiet wie auch im Dorf. Darüber wird noch fast zu wenig gesprochen. Wenn jemand diese Auswertung mit Blick auf Anzahl, Vielfalt, Qualität und Kreativität durchführen würde, gäbe es nur einen logischen Sieger. Das wäre Arosa. Selbst mit Zermatt können wir es in dieser Hinsicht aufnehmen.

Haben sich durch die Krise auch Chancen für die Ferienregion ergeben?

Ja. Die regionale Verankerung nimmt zu. Gäste interessieren sich für die Region. Bleiben eher länger und schätzen die Heimat. Arosa arbeitet zudem an der Strategie «Arosa 2030» und will eine der nachhaltigsten Destinationen in Europa werden. Dies in allen Dimensionen, also soziale, ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit.

Welche Projekte hat die Destination in der Pipeline für die nahe Zukunft?

Vor allem die Nachhaltigkeitsstrategie «Arosa 2030» steht im Zentrum. Diese integriert auch das wunderschöne Tal Schanfigg, welches in Bezug auf Produktgestaltung und Marketing ab dem Sommer endlich auch zu Arosa Tourismus gehört. Zudem arbeiten wir weiter an der Schärfung vom Hike- und Bike Angebot. Und wer weiss, vielleicht steht sogar noch ein Infrastruktur-Effort mit Blick auf naheliegende Destinationen zur Diskussion.

«Eine unglaubliche und wunderschöne Geschichte.»

Die Wintersaison dauert noch bis Ostern. Auf welche Neuheiten dürfen sich die Gäste im kommenden Sommer freuen?

Die ersten Schritte von Bärin Jambolina in der Freiheit vom Arosa Bärenland, inklusive der Vergesellschaftung mit den Bären Meimo und Amelia. Das ist weltweit einzigartig. Zudem werden wir einen neuen Themenweg mit Partner Ricola erreichten. Nicht zuletzt startet die «Bären Akademie» als modulare Ferien (Weiter-)Bildung zu den Themen Mensch/Umwelt, Tier und Tourismuswirtschaft in den Wänden des Arosa Natur Labors. Hier gehen wir ganz neue touristische Wege und sind überzeugt, grossen Zuspruch aus der Gesellschaft zu kriegen.

Bärin Jambolina ist ja erst im Dezember nach Arosa ins Bärenland gezogen. Hat sie sich gut eingelebt?

Das war für uns alle sehr emotional. Sie hat in den ersten Tagen eine starke Stereotypie entwickelt, was uns Sorgen bereitete. Doch von einem Moment auf den anderen hat sie dieses Verhalten abgelegt, sich ein Nest eingerichtet und ist zum ersten Mal im Leben in eine Winterruhe gegangen. Eine unglaubliche und wunderschöne Geschichte.

Was können Besucherinnen und Besucher im Bärenland so erleben?

Aktuell ist das Bärenland wegen der Pandemie auch geschlossen. Wir hoffen, dass wir im März die Ausstellung vor Ort wieder öffnen können. Vor allem dann aber mit dem Start in die Frühlings- und Sommersaison kann man im Bärenland die Verbindung von Tierschutz und Tourismus erleben. Neben der Geschichte der Bären und auch dem Leben in diesem grossen Gebiet, bietet das Bärenland vor allem eine Mischung zwischen Erlebnis und Wissensvermittlung. Ein Besuch empfiehlt sich für Jung und Alt.

«Eigentlich sollte der ganze Tourismus die DNA vom Arosa Bärenland übernehmen – und in allen möglichen Themen vom Reisen verbindend wirken.»

Wie sieht für Sie persönlich ein perfekter Tag in Arosa aus?

Die aktuelle Quarantäne ist auf jeden Fall kein gutes Beispiel. :-)

Mein perfekter Arosa Tag ist eine Mischung aus Natur pur, Austausch mit Menschen, sportlicher Betätigung und Arbeiten. Ferien- und Arbeitsort in einem. Was will man mehr?!

Sehr wahrscheinlich wird es nie mehr so sein wie vor der Krise. In welche Richtung verändert sich die Reise-/Tourismuswelt Ihrer Meinung nach idealerweise nach überstandener Coronakrise?

Hoffentlich in die Richtung «länger an einem Ferienort zu sein», «bewusster in eine Region einzutauchen» und «interessierter an den Insights der Erlebnisangebote agieren». Eigentlich sollte der ganze Tourismus die DNA vom Arosa Bärenland übernehmen – und in allen möglichen Themen vom Reisen verbindend wirken.

«Ich verdrückte vor Glück viele Freudentränen.»

Im April 2021 übernehmen Sie das Präsidium von Arosa Tourismus. Zeitgleich geben Sie die operative Leitung des Teams von Arosa Tourismus ab. Freuen Sie sich auf die Veränderungen?

Ja, ich freue mich darauf. Mit meinem Nachfolger Roland Schuler und seiner Stellvertreterin Marion Schmitz wird Arosa ein tolles Team an der Spitze haben. Mein Mitwirken auf der strategischen Ebene und vor allem auch noch im Thema von «Arosa 2030» wird ganz anders, aber sicher nicht weniger begeisternd.

Lassen Sie uns zum Schluss noch einmal zurückblicken: Was war Ihr schönster Moment während den 13 Jahren als Kurdirektor von Arosa?

Das war im November 2016 mit dem überwältigenden Ja der Aroser Bevölkerung zum Arosa Bärenland. Mit 78 Prozent Zustimmung bei sehr hoher Abstimmungsbeteiligung verdrückte ich vor Glück viele Freudentränen. Dies im Wissen, dass die AroserInnen soeben die Zukunft von diesem wunderschönen Ort am Ende vom Tal Schanfigg neu geschrieben haben.