Ferienland Schweiz

Arosa_Weisshorn.jpg
Auf dem Weisshorn in Arosa ist Corona plötzlich ganz weit weg. Alle Bilder: NWI

Weekend Escape ins Winterwunderland

Von Nina Wild

Was Reisende während eines verlängerten Wochenendes in Arosa erleben können? So einiges! Travelnews-Reporterin Nina Wild erzählt von verschneiten Landschaften, leeren Skipisten und wie es ist, nach Wochen wieder einmal ein Kaffee Baileys zu trinken, den man nicht selber in der heimischen Küche zubereiten muss.

«Mir fällt die Decke auf den Kopf», ist momentan wohl der meistgesagte Satz in meinem Freundeskreis. Das einzig tröstende ist, dass es uns allen gleich geht. In Zeiten von strikten Reisebeschränkungen ins Ausland, beschlossen drei gute Freundinnen und ich, für ein verlängertes Wochenende nach Arosa zu reisen. Dass ein guter Kumpel von uns dort eine Wintersaison in einem Restaurant bestreitet, macht uns die Auswahl der Destination natürlich einfach. Die Vorfreude ist riesig!

Die Wetterprognose für die Tage vom 29. bis 31. Januar 2021 sieht mässig gut aus. Ausserdem dominieren Meldungen über Mutations-Ausbrüche in den Schulen von Arosa sowie vom Kanton Graubünden angeordnete Corona-Massentests die Zeitungen. Sollen wir trotzdem Reisen? «Im schlimmsten Fall verkriechen wir uns einfach in der Ferienwohnung», platzt es aus einer Freundin. Also, lass das Abenteuer beginnen!

Bereits die Anreise mit dem Zug sollte ein erstes Highlight werden und uns in die totale Entspannung versetzten - zumindest die einstündige Fahrt von Chur bis nach Arosa. In gemütlichem Tempo geht es durch die verschneite und unberührte Landschaft. Jedes Mal vor einer Kurve erklingt ein grelles Hupen aus der Lok. Ja, ja, in den Bergen tickt die Welt eben noch anders als bei uns im Unterland. Es macht sich Ferienstimmung breit.

Corona ist so nah - und doch soooo weit weg

Insgesamt dauert unsere Anreise rund dreieinhalb Stunden. Es erscheint uns legitim, nach der Ankunft in Arosa kurz die Gesichtsmaske runter zu nehmen, um einen tiefen Atemzug der eisig kalten Bergluft zu schnappen. Promt weist uns eine ältere Dame freundlich und bestimmt in der gleichen Sekunde darauf hin, dass wir die Nasen-Mund-Bedeckung bitte fachgerecht zu tragen haben. Aufgrund der Häufung der Fälle mit der Virus-Mutationen in Arosa herrscht an diesem Wochenende eine generelle Maskenpflicht. Also eigentlich überall ausser in den vier Wänden. Diese wurde mittlerweile aber wieder aufgehoben, weil dank der grossflächigen Tests (85 Prozent der Einwohner) die Virusherde erkannt und die Ausbreitung eingedämmt werden konnte.

Aber wie auch immer. Nachdem wir uns mit allem möglichen an Essen und Getränken für das Wochenende ausgestattet haben, geht es in die kleine aber feine Unterkunft «Pradella 2», auf welche wir über die Wohnungsvermittlungs-Plattform Airbnb aufmerksam wurden. Die Wohnung liegt zentrumsnah und vom Balkon genossen wir perfekten Ausblick auf die umliegenden Berge. Den Abend liessen wir mit gutem Wein und feiner Pasta in guter Gesellschaft ausklingen.

Wie bereits erwähnt hatten wir kein gutes Wetter erwartet. Umso schöner war es, als wir am nächsten Morgen von den Sonnenstrahlen durch das Fenster geweckt wurden. Strahlend blauer Himmel. «Los, los, lasst uns schnell aufstehen und auf den Berg gehen», waren wir uns alle einig. Gesagt, getan. Rund 30 Minuten später fanden wir uns auf dem Weisshorn wieder. Das Ticket konnten wir unkompliziert bei der freundlichen Mitarbeiterin am Schalter lösen. Die Gondel der Weisshornbahn war lediglich etwa halb gefüllt und überall wurde auf das Abstandhalten hingewiesen. Oben angekommen war Corona plötzlich wie verschwunden. Eigentlich wollten wir nur kurz bis zur Bergstation fahren um den Ausblick zu geniessen - und dann zurück zur Mittelstation fahren, um von dort ins Tal zu laufen. Aber es kam anders.

Wenn einem der Schnee bis zu Hals steht, ist man in Arosa.

Kaffee Baileys zum hier trinken, bitte!

Vom Weisshorn führt ein teilweise ziemlich steiler aber zugleich wunderschön verschneiter Winterwanderweg hinunter zum Restaurant «Sattelhütte». Wohin man auch blickt, sieht man enorme Schneemassen und die umliegenden Berge - wenn die Sicht gut ist eröffnen sich einem auch die Täler. Da waren wir also, vier Frauen inmitten dieser Schneepracht, herrlich! In der Sattelhütte angekommen, wollten wir uns eigentlich ein warmes Getränk zur Stärkung gönnen, doch dort waren die Mitarbeitenden mit Schneeschaufeln beschäftig. Also entschieden wir uns, mit der Brüggerhorn-Sesselbahn, welche ob dem Restaurant endet, zur Mittelstation zurückzukehren. Der nette Herr am Lift hat uns sogar ohne gültiges Ticket aufsteigen lassen. Danke dafür!

An der Mittelstation angekommen, konnten wir es gar nicht mehr erwarten, einen Kaffee Baileys mit viel Schlagrahm zu bestellen. Es gibt ein umfassendes Take-Away-Angebot für sowohl Essen als auch Getränke. Diese können an zahlreichen Sitzgelegenheiten unter Einhaltung der gängigen Sicherheits- und Hygienevorschriften genossen werden. Wir konnten es kaum glauben, mal wieder einen Drink zu geniessen, den wir nicht Zuhause in den eigenen vier Wänden selber zubereitet haben. Es schmeckt allmählich nach Normalität.

Schliesslich ging es zu Fuss talwärts. Die Hoffnung war gross, noch ein paar Eichhörnchen auf dem gleichnamigen Weg zu begegnen. Diesmal leider nicht. Dafür genossen wir einmal mehr das Schneeparadies und die Stille um uns herum. An diesem Tag war weder auf den Skipisten, noch auf den Wanderwegen ein grosser Ansturm von anderen Menschen. Zurück in der Ferienwohnung macht sich Tiefenentspannung breit.

Ich komme wieder!

Sogar am Abend ist Arosa nicht totenstill. Ich zog noch durch die Gassen des Dorfes, um einen Bekannten zu treffen. «Lass uns einen Glühwein to go trinken!» Selbstverständlich willigte ich ein. Zahlreiche Restaurants bieten Take-Away-Angebote am Strassenrand an. Einige lassen sogar Musik laufen. Vor Ort ist auch die Polizei präsent, welche prüft, ob die Abstände und Corona-Regeln eingehalten werden. Die Stimmung ist entspannt und unbeschwert.

Es war für mich das erste Mal in Arosa. Und ehrlich gesagt finde ich es rückblickend schade, dass ich 24 Jahre gewartet habe, bis ich die Destination besucht habe. Aber: Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich dort war. Ich und meine Freundinnen haben uns zu jeder Zeit sicher gefühlt und der Ferienort hat sowohl für Schneesportler, als auch für die gemütlicheren Gäste abseits der Piste viel zu bieten. Es tat gut, mal wieder aus den eigenen vier Wänden rauszukommen.

Bis bald, Arosa!