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Die Massenveranstaltung Arirang sieht stark nach üblichen kommunistischen Machtdemonstrationen aus - die diesjährige Message ist aber offenbar eine ganz andere, wie Tourasia-Chef Stephan Roemer darlegt. Bild: (stephan/VH)

Ein Mega-Festival, asiatische Weltpolitik und begeisterte Reisende

Von Jean-Claude Raemy

Das historische Tauwetter zwischen Süd- und Nordkorea war bei der Neuaustragung des Mega-Events «Arirang» in Pyöngyang ein Thema. Stephan Roemer (Tourasia) war dabei und schildert, wie das Tauwetter auch im touristischen Angebot Spuren hinterlässt.

Farbenfroh und eindrücklich: Das Arirang-Festival. Bild: VH

Am vergangenen Sonntag (9. September) feierte Nordkorea sein 70-jähriges Bestehen. Zum einen mit einer Militärparade, zum anderen aber auch mit der «Wiedergeburt» der Arirang-Massenspiele. «Arirang» ist eigentlich ein koreanisches Volkslied, welches die Trennung der beiden Korea zum Thema hat. Von 2002 bis 2013 gab es ein Festival unter diesem Namen, welches im Rungrado-Mayday-Stadion in Pyöngyang abgehalten wurde: Ein gigantisches Turn- und Kunstfestival, welches die Arirang-Geschichte als Massen-Event inszenierte.

Das Arirang-Festival ist im «Guiness-Buch der Rekorde» als grösste Massenveranstaltung der Welt registriert. Allerdings fand von 2014-2017 kein Festival statt.

Entspannung zwischen Nord- und Südkorea? Bild: St. Roemer

Nun also wurde das Arirang-Festival von Machthaber Kim Jong-un wiederbelebt. Und bei den Festivitäten zum Jahrestag der «Foundation of the Republic» waren diverse Delegationen wichtiger Partnerländer wie China, Russland, Laos oder Kuba, aber auch von der UNO mit dabei. Unter den insgesamt 180‘000 Zuschauern im restlos gefüllten Mayday-Stadion waren auch diverse Gäste, welche eine persönliche Einladung von der nordkoreanischen Regierung erhalten hatten. Zu diesem exklusiven Kreis gehörte auch Tourasia-Gründer und –Geschäftsführer Stephan Roemer.

Roemer zufolge ist die Massenveranstaltung mit über 100‘000 Mitwirkenden (davon 18‘000 allein für grosse Bild-Choreographien) «ein unglaubliches Erlebnis» und auch ein besonderes Signal: «Nordkorea hofft, damit eine neue Ära des politischen Tauens einzuläuten.» Die Message des Arirangs und bei den Paraden sei seitens Nordkorea ganz klar gewesen: Man möchte die baldige Vereinigung, auf die man seit 70 Jahren wartet, und endlich ein Volk und eine Nation werden. «Überall wurde immer wieder geäussert, dass man die friedliche Absicht Nordkoreas in die Welt tragen soll und Unterstützung gibt für eine Vereinigung», so Roemer. Die Chinesen waren Roemer zufolge mit einer grossen Delegation, geführt von der Nummer 3 der Partei, vor Ort und arbeiten offensichtlich an einer möglichen Unterstützung. Gemäss Angaben, welche Roemer aus Nordkorea und China erhalten habe, wurde (entgegen dem Willen der USA) der Handel China-Nordkorea wieder aufgenommen.

Anzeichen für etwas mehr Wohlstand in Nordkorea

Wer hinreist versteht, was im Land abgeht. Bild: St. Roemer

Seine Schilderungen erzählt Roemer travelnews.ch von Peking aus; mit dem Internet ist es doch noch nicht überall so weit her, und aufgrund der vielen ausländischen Staatsdelegationen sei das Fotografieren äusserst eingeschränkt gewesen. Es war nicht Roemers erstes Arirang, doch dieses Mal durfte er am Festival selber gar keine Bilder machen. Allerdings konnten auf dem Kim-Il-sung-Platz, in Nebenstrassen beim Stadion und andernorts in der Stadt Pyyöngyang Fotos gemacht werden, wovon Roemer uns einige zugesandt hat.

Auffallend gegenüber Vorjahren sei in Nordkorea, dass man bedeutend mehr neue Autos sieht, darunter auch zahlreiche europäische Marken wie Mercedes, Audi oder VW, aber auch Lexus und Toyota. Auch finde man in Einkaufsläden zahlreiche chinesische Produkte.

So empfiehlt Roemer den Besuch dieses «gewaltigen Events» wärmstens, und auch generell solle man das letzte richtig kommunistische Land jetzt persönlich erleben – gerade auch, weil der Besuch mit diesen Anzeichen einer leichten Öffnung einfacher geworden ist, wie Roemer bereits letzte Woche bei einer Präsentation von Tourasia festhielt. «Die landschaftliche und kulturelle Vielseitigkeit Nordkoreas ist einzigartig», weiss Roemer, «dieses abgeschottete und isolierte Land hat sich bislang äusseren Einflüssen verschlossen und wird weiterhin nur von sehr wenigen Ausländern besucht. Eine Nordkorea-Reise ist deshalb ein spezielles Erlebnis und ermöglicht dem Besucher, die Geschichte und das Schicksal der koreanischen Halbinsel besser verstehen zu können.»

Pyöngyang bietet Eindrückliches. Bild: St. Roemer

Tourasia bietet dieses Jahr auch eine Rundreise an, während welcher sich Süd- und Nordkorea verbinden lassen – die Reise begann am 2. September und dauert noch bis zum 15. September an. Eines der Highlights darin: Der Besuch des Arirang-Festivals mitsamt den 70-Jahr-Feierlichkeiten, von Kim Jong-un persönlich eröffnet. «Bei der aktuellen Reise im September 2018 konnten wir für eine kleine Anzahl Teilnehmer Eintrittskarten zum Arirang kriegen, mit hervorragenden Plätzen», hält Roemer fest. und fügt gleichzeitig an: «Nebst den Gruppenreisen bieten wir unsere Individualreisen mit täglichen Abfahrten an.»

Tatsächlich waren unter den 180‘000 Zuschauern in Pyöngyang laut der Korean Tourism Organization (KTO) auch 1600 Touristen aus aller Welt mit dabei – darunter eben auch Tourasia-Kunden. Diese haben im Anschluss an den Besuch des Arirang-Festivals auch die schwer bewachte Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea bei Panmunjon besucht, bevor es für einige von ihnen über eine neu geöffnete Grenze nach Südkorea geht.

Die sicherste Grenze der Welt wird langsam durchlässig

Die entmilitarisierte Zone wird vom KTO vermehrt in Rundreisen durch Südkorea eingebunden. Das hat damit zu tun, dass Nordkorea in Südkorea als weniger bedrohlich als auch schon empfunden werde, wie Yoon Seung Hwan von der Korean Tourism Organization erklärt. «Die Reiseorganisationen arbeiten an Programmen, welche die Grenzöffnung für den Tourismus zum Süden berücksichtigen, so dass eine Aus- oder Einreise nach und von Südkorea gemacht werden kann», ergänzt Roemer, «da ist zurzeit sehr viel in Bewegung.»

Weiteres grosses touristisches Wachstum auf südkoreanischer Seite gebe es übrigens in der Proving Gangwon, wo auch Pyongcheang liegt, der Austragungsort der letzten Olympischen Winterspiele. Unter anderem wird im nahe gelegenen Chuncheon 2019 das «Legoland Korea» eröffnet.

So will sich Korea touristisch präsentieren, nicht mit Grenzen und Militär. Bild: Stephan Roemer