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In zwei Monaten sollen die Strände von Boracay (Bild) wieder Touristen empfangen können - doch über dem Wiedereröffnungsdatum hängen dunkle Wolken. Bild: Ray in Manila

Boracay: Kommt die Wiedereröffnung zu früh?

Die philippinische Ferieninsel soll am 26. Oktober wieder für den Tourismus öffnen. Offenbar könnte dann die Infrastruktur aber noch nicht ausreichend verbessert sein.

Die beliebte philippinische Ferieninsel Boracay ist seit dem 26. April für Touristen geschlossen. Dies, damit auf der gesamten Insel Instandsetzungsarbeiten durchgeführt werden können – vor allem die Kanalisation, das Abfallmanagement und die Verkehrsinfrastrukturen müssen auf Vordermann gebracht werden. Die etwas ungewöhnliche Massnahme einer kompletten Schliessung wurde durchgezogen, weil der philippinische Präsident Rodrigo Duterte die Insel als «Kloake» bezeichnet hatte.

Als Wiedereröffnungs-Datum wurde der 26. Oktober festgehalten – just der Auftakt der (aus unserer Sicht) Wintersaison. Doch nun gibt es Stimmen, welche Zweifel anmelden, ob man dies tatsächlich so durchziehen soll. Denn die Instandstellungsarbeiten seien noch längst nicht abgeschlossen.

Nur ein Drittel der Hotels für die Wiedereröffnung bereit

Die lokale Interessensgruppe «Boracay Foundation» etwa hat auf ihrer Facebook-Seite und mit einer offiziellen Petition an die Regierung Forderungen gestellt. Offenbar herrscht Konfusion über die genauen gesetzlichen Anforderungen hinsichtlich der Anbindung an Abwasser- und Abfall-Management-Systeme, und viele lokale Unternehmen und Hoteliers sind verunsichert: Denn wer keine gesetzeskonforme Anbindung hat, darf am 26. Oktober nicht öffnen. Nur etwa ein Drittel der 440 Hotels, Resorts und Gasthäuser in Boracay seien aktuell bereit für die Wiedereröffnung der Insel am 26. Oktober bereit – oder anders formuliert: 3000 bis 5000 von insgesamt 15‘000 Hotelzimmern werden bereit sein, wie Tourismussekretärin Bernadette Romulo-Puyat letzte Woche festhielt. Viele Betriebe haben noch verschiedene Anforderungen zu erfüllen, was bis zum Stichdatum kaum machbar sein wird.

Zudem herrscht anscheinend auch Willkür: Laut der Boracay Foundation wurden allen Unternehmen die «Environmental Compliance Certificates» annulliert – auch jenen, welche bisher gar nie beanstandet wurden. Das könnte den Umweltverträglichkeits-Zertifizierungsprozess verzögern. Und auch die Finanzierung ist nicht überall geklärt: Das Umweltministerium verlangt ja von allen Betrieben mit 50 oder mehr Zimmern in Boracay, dass sie eigene Kläranlagen errichten, was jeweils rund 2 Millionen Peso (etwa 37‘000 Franken) kosten kann – was sich nicht alle betroffenen Betriebe aus eigener Kraft leisten können.

Ein weiteres Problem sei der Zustand der Hauptzugangsstrasse zur Insel. Laut einem CNN-Bericht vom 6. August war die Strasse «zu 40 Prozent» fertig. Offenbar ist die Rundstrasse «Boracay Highway South», im Süden der Insel, tatsächlich in einem guten Zustand, doch die Hauptstrasse quer durch die Insel, der «Boracay Highway Central», ist in einem «kriegsähnlichen» Zustand. Bilder einer schlammigen, leeren Strasse, über die man sich kaum zu fahren getrauen würde, zirkulieren in philippinischen Medien.

Das Eröffnungsdatum wird wohl nicht verschoben

Kurz: Bis zur Wiedereröffnung in rund 9 Wochen gibt es noch sehr viel zu tun, um dem Versprechen gerecht zu werden, dass Boracay dann komplett anders – sauber, nachhaltig, organisiert – sein werde. Die Boracay Foundation hält fest, dass das Wiedereröffnungs-Datum nicht verschoben werden soll, damit die Unternehmen auf der Insel keinen weiteren Schaden erleiden. In sozialen Medien wird auch anhand von Bildern festgehalten, wie gut sich die Bulabog Beach, die ursprüngliche «Kloake», erholt hat und wieder zu einem schönen Tropenstrand geworden ist. Aber was sagt das eigentlich über den Tourismus aus, wenn es eine Komplettschliessung braucht, damit ein Strand wieder schön ist?

Für Boracay ist jedenfalls zu hoffen, dass die Versprechen der Regierung für ein «besseres Boracay» tatsächlich umgesetzt werden können. Damit wäre sowohl den Touristen als auch der dortigen Natur gedient.

(JCR)