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Den Triumphbogen in Paris wollen wieder mehr Touristen sehen. Doch bei den Einkünften pro Tourist triumphiert Frankreich nicht. Bild: Willian West

Ist Frankreich auch im Tourismus Weltmeister?

Von Jean-Claude Raemy

Die von der DGE gelieferten Besucherzahlen für 2017 sind einmal mehr eindrücklich. Sie täuschen aber nicht darüber hinweg, dass Frankreich in punkto touristischen Einkünften bei Weitem nicht an der Spitze liegt.

Wenn Tage vor dem Triumph an der Fussball-WM in Russland publizierte die zum französischen Wirtschaftsministerium gehörende «Direction générale des entreprises» (DGE) ihre alljährlichen Zahlen über die touristische Leistung Frankreichs. Der grossen Studie zufolge sieht die DGE Frankreich auch 2017 als «Weltmeister» im touristischen Sinne: Es seien 87 Millionen Touristen empfangen worden, was 5,1 Prozent über dem Wert von 2016 liege. 2016 musste Frankreich infolge der Attentatsserien erstmals seit langem Rückgänge verzeichnen, um 2,1 Prozent auf noch 82,7 Millionen.

Während asiatische Gäste erst zögernd zurückkamen, habe sich die Nachfrage aus Europa wieder massiv verbessert, um satte 5,6 Prozent. Europäische Gäste machten 78,7 Prozent der Ankünfte aus, wobei an der Spitze die Briten waren, gefolgt von Deutschland, Belgien/Luxemburg und auf Rang 4 die Schweiz. Mit sieben Millionen Touristen, was einem Plus von 10,7 Prozent gegenüber 2016 entspricht, hatte die Schweiz einen Anteil von 8,1 Prozent am gesamten touristischen Aufkommen in Frankreich.

Sieben Millionen Schweizer Touristen?

Doch bei diesen Zahlen wird klar, dass die DGE-Statistik eine seltsame Realität widerspiegelt. Unser 8-Millionen-Einwohner-Land soll sieben Millionen Touristen nach Frankreich schicken? Kaum. Zwar definiert die DGE die Touristen als «im Ausland wohnhafte Personen, welche im Laufe des Jahres 2017 mindestens eine Übernachtung in Frankreich verbracht haben», wonach also beispielsweise Transitpassagiere, Grenzgänger oder Tagestouristen nicht in der Erhebung vorkommen müssten – doch letztlich liegt als Quelle der Statistik eine Befragung ausländischer Reisender durch die Banque de France zugrunde. Deren Methodik, in diesem Papier erklärt, erscheint zumindest abenteuerlich. Da schwierig festzustellen ist, wer zu welchem Zweck und wie lange ins Land ein- und ausreist – Frankreich ist ja Teil des Schengenraums – überlegt sich die Banque de France nun immerhin im Rahmen eines Pilotprojektes, Erhebungen auf Basis von Handydaten zu machen. Um aber private Handydaten touristisch auswerten zu dürfen, bedarf es wohl noch einiger juristischer Arbeit.

Kein Weltmeister bei den Einkünften

Selbst wenn man die Zahlen so wie sie sind akzeptiert: Unter dem Strich bringen diese ja nur etwas, wenn es auch Gewinn abwirft. Nur ist die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Touristen von 6,8 Nächten in den Vorjahren auf 6,7 Nächte gesunken. Das widerspricht natürlich dem Ziel, höhere Einkünfte aus dem Tourismus zu generieren. Frankreich liegt nämlich bei den touristischen Einkünften weltweit nur auf Rang 3, hinter den USA (73 Millionen Besucher) und Spanien (81,8 Millionen Besucher). Oder anders ausgedrückt: Die USA und Spanien verdienen pro ausländischem Besucher deutlich mehr als Frankreich. Ursprünglich langen auch Thailand und China noch vor den Franzosen, bevor die Banque de France mit einem buchhalterischen Trick die touristischen Einkünfte Frankreichs über Nacht um 10 Milliarden Euro verbesserte.

Innerhalb Frankreichs freut man sich verhalten über die Zahlen. Ein Mangel an Innovation und Unternehmertum im Hotelsektor wird in Fachmedien ebenso beklagt wie der Umstand, dass über ein Fünftel der Besucher allein auf das Disneyland Paris entfällt, was nicht sehr nachhaltig sei.

Das wird die Behörden kaum stören: DIE DGE hat als nächstes Ziel bereits die Marke von 100 Millionen Besuchern und Einkünfte von 60 Milliarden Euro (aktuell: 49 Milliarden Euro) vorgegeben. Diese sollen bereits 2020 erreicht werden, wie Clément Laloux, Tourismuschef im Aussenministerium, im Mai im Rahmen der Konferenz «Next Tourisme» erklärte. Ob das allein mit neuen Digitalpromotionen und moderner Marketingstrategien erreichbar ist, lässt sich kaum sagen. Und sonst kann ja die Banque de France nochmals über ihre Zahlen brüten.