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Die Berggorillas im Herzen Afrikas sind bedroht - aber auch die Ranger, die sie beschützen wollen. Bild: kingjn

Virunga Nationalpark wird bis Ende Jahr geschlossen

In Afrikas ältestem Nationalpark wurden kürzlich ein Ranger erschossen und zwei Touristen entführt. Jetzt wird das Sicherheitsdispositiv überprüft.

Der Virunga-Nationalpark im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo, an der Grenze zu Ruanda und Uganda, ist Afrikas ältester Nationalpark. Berühmt ist es vor allem wegen der hier lebenden, stark bedrohten Berggorillas. Er grenzt direkt an drei weitere Nationalparks in Uganda und Ruanda, so dass hier ein grosses Schutzgebiet vorhanden ist.

Leider floriert hier aber auch der Schmuggel von Gorillas (also die Wilderei) und es kommt immer wieder zu Versuchen, Teile des Nationalparks für die Suche nach Öl oder anderen Bodenschätzen zu nutzen. Die Ranger im Nationalpark werden deshalb immer wieder von geldgierigen «Rebellen» der Mai-Mai Miliz sowie von Wilderern aus der Region angegriffen. In den letzten 20 Jahren sind bereits über 180 Ranger getötet worden – damit ist der Virunga-Nationalpark das wohl gefährlichste Naturschutzprojekt der Welt.

Offenbar hat sich die Situation in den letzten Monaten nochmals verschärft. Im April wurden sechs Ranger auf einmal erschossen; bei einem neuerlichen Angriff Ende Mai wurden eine 25-jährige Rangerin erschossen und zwei britische Touristen vorübergehend gekidnappt. Daraufhin sollte der Park bis zum 4. Juni geschlossen bleiben. Da sich die Lage offenbar nicht beruhigt hat, hat der Nationalpark nun die Notbremse gezogen: Direktor Emmanuel de Merode hat angekündigt, dass der Park bis Anfang 2019 geschlossen wird. In den kommenden Monaten soll das gesamte Sicherheitsdispositiv überprüft werden. Es gehe darum, die Sicherheit der 700 Ranger und auch der Tiere zu gewährleisten. Ob das auf Dauer ohne Touristeneinnahmen geht, ist zu bezweifeln, weshalb der Nationalpark auf seiner Webseite zu Spenden aufruft. Das geplante Wiedereröffnungsdatum von Januar 2019 ist übrigens nicht zufällig: Im Dezember 2018 stehen Wahlen im notorisch chaotischen und von zahllosen Guerilla- und Bürgerkriegen zerfressenen Kongo an. Die Hoffnung besteht, dass sich die Lage danach etwas beruhigt.

Seit 2014 kamen über 17'000 Besucher in den Nationalpark, welcher trotz dem Chaos im Land bislang noch als relativ sicher für Touristen galt. Nebst den Gorillas wollten diese den Vulkan Nyiragongo mit dessen gewaltigem Lavasee besuchen. Das dürfte bis auf Weiteres kein Thema mehr sein.

(JCR)