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Hilal Demirel, die Direktorin des türkischen Fremdenverkehrsamts in Zürich, plant im November eine Roadshow zusammen mit Reiseveranstaltern. Bilder: TN

«Für die Türkei wird 2018 zum Comeback-Jahr»

Bis Ende April 2018 verzeichnete die Türkei ein Plus von 34 Prozent Schweizer Gästen. Im Interview äussert sich Hilal Demirel, die Direktorin des Fremdenverkehrsamts der Türkei, zu den weiteren Aussichten und zur Zusammenarbeit mit der Reisebranche.

Frau Demirel, wie entwickelt sich zurzeit die Nachfrage in der Schweiz für Ferien in der Türkei?

Hilal Demirel: Die Zahlen, die wir derzeit erhalten, sind sehr gut. Seit Mitte 2017 zieht die Nachfrage wieder deutlich an. Von Januar bis April 2018 verzeichneten wir 51'520 Schweizerinnen und Schweizer, die in die Türkei einreisten, das ist ein Plus von 34,02 Prozent. Auch gesamthaft konnte die Türkei in den ersten vier Monaten zulegen, um 32,55 Prozent auf 7'783'967 ausländische Gäste. Und diese Tendenz hält auch für die Hochsaison-Monate an. Für uns wird 2018 zum Comeback-Jahr.

Wie weit liegen die Schweizer Einreisezahlen noch vom Rekordjahr 2014 entfernt?

2014 verzeichneten wir 394'458 Schweizer in der Türkei. 2017 waren es 206'479. In diesem Jahr dürften wir uns dazwischen bewegen. Für 2019 hoffe ich, dass wir das Niveau von 2014 wieder erreichen.

Der Rückgang aus der Schweiz scheint in den letzten drei Jahren höher ausgefallen zu sein als jener des Gesamtmarktes.

Auch in Deutschland und anderen Ländern Westeuropas waren die Einbussen gross. Dass die Gesamtzahlen prozentual geringer, von 36,8 Millionen aus dem Jahr 2014 nur auf 32,4 Millionen im Jahr 2017 zurückgegangen sind, hat damit zu tun, dass die Türkei in den letzten drei Jahren viele Gäste aus Ländern wie zum Beispiel Polen oder der Ukraine begrüssen konnte. In diesem Jahr zeichnen sich nun aber wieder deutliche Zuwächse ab, nicht nur aus der Schweiz, sondern auch aus Deutschland und Österreich.

«Aktivreisende kommen in der Türkei voll auf ihre Rechnung»

Mit welchen Massnahmen möchten Sie die Sichtbarkeit der Türkei als Ferienland in der Schweiz erhöhen?

Wir warten jedes Jahr mit einem anderen Schwerpunktthema auf, in diesem Jahr ist es Troja. Wir möchten neben dem Badeferien-Tourismus, der sehr wichtig ist und an dem wir natürlich festhalten, verstärkt Kulturreisen beliebt machen. Mit dem Troja-Jahr haben wir die Möglichkeit, die Region Marmara um die Stadt Çanakkale vorzustellen im Nordwesten der Türkei.

Im Nordwesten der Türkei gibt es viel zu entdecken für Aktiv- und Kulturreisende, verspricht Hilal Demirel.

Das ist eine faszinierende Gegend mit kleinen Dörfern und Boutique-Hotels, die sich sehr gut zum Wandern und Biken eignet. Die Region ist bekannt für besonders gute Luft. Aktivreisende, von denen es in der Schweiz ja viele gibt, kommen hier voll auf ihre Rechnung. Gerade vom Bike Tourismus erhoffen wir uns einiges. Zahlreiche Veranstalter haben entsprechende Angebote aufgenommen – in Marmaris aber auch in Kappadokien und Lykien. Zum Bike-Thema planen wir auch Famtrips und Pressereisen. Ein weiterer Aspekt, den wir in diesem Jahr hervorheben möchten, ist die Gastronomie. Noch ist die türkische Küche nur bedingt bekannt. Sie beschränkt sich nicht auf Fast-Food, sondern ist sehr vielfältig.

Mit welchen Massnahmen können Sie Schweizer Reiseveranstalter dazu bringen, vermehrt wieder die Türkei anzubieten?

Ich bin sehr glücklich zu sehen, dass viele TOs die Türkei wieder aktiv verkaufen. Denn die Reisenden vermissen die Türkei. Jetzt ist der richtige Moment da, Türkeiferien zu verkaufen. Wir unterstützen die Reiseveranstalter aktiv mit gemeinsamen Marketingaktionen und sind sehr offen für die Organisation von Events.

Welche weiteren Kommunikationsmassnahmen haben Sie für die Reisebranche vorgesehen?

Im November planen wir eine Roadshow zusammen mit Reiseveranstaltern, um die Produktevielfalt aufzeigen zu können. Stopps in Zürich und Lausanne sind geplant.

Was unterscheidet den Schweizer Reisenden zu Reisenden aus anderen Ländern?

Da bin ich wohl nicht so objektiv, nachdem ich nun schon fünf Jahre in der Schweiz lebe (lacht). Aber grundsätzlich begrüssen die Schweizer nachhaltige Reiseangebote und Qualität. Und Aktivreisen wie Biking und Trekking sind wichtig, der reine Konsum steht nicht im Vordergrund.

Sind die Vermarktungsschwerpunkte für 2019 schon bekannt?

Erneut legen wir einen Fokus auf Kulturreisen. 2019 steht dabei Hattuşa im Scheinwerferlicht, die Hauptstadt des Hethiter-Reiches. Seit 1986 sind die Ruinen von Hattuşa im Weltkulturerbe der Unesco – eine faszinierende Gegend, die für viele noch unbekannt ist.

(GWA)