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Der Besuch des nordischen Naturparadieses Island könnte ab 2020 teurer werden - ein Parlamentsentscheid dazu steht aber noch aus. Bild: Taylor Leopold

Island denkt über eine Touristensteuer nach

Die Nachfrage nach der Insel im Nordatlantik ist ungebrochen hoch. Jetzt wird – nicht zum ersten Mal – versucht, eine Touristensteuer zu erheben, um besser von dieser Nachfrage zu profitieren.

Island ist seit mehreren Jahren im Trend. Offiziell wurden 2017 genau 2‘195‘271 Touristen empfangen, ein Wachstum von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr und eine Vervierfachung der Zahlen von 2011. Zwar gibt es Kritik an den Erhebungsmethoden – zum Beispiel werden in Island lebende Ausländer als Touristen registriert und auch Umsteigepassagiere in Keflavik dazugezählt – doch gibt es keine Zweifel daran, dass die Nachfrage für die «Insel aus Feuer und Eis» im Nordatlantik sehr hoch ist.

Nun hat die isländische Regierung dem Parlament einen Budgetvorschlag vorgelegt, welcher die Einführung einer Touristensteuer ab 2020 vorsieht. Damit sollen rund 2,5 Milliarden Island-Kronen (rund 23,3 Mio. Franken) in die Staatskassen gespült werden. Obwohl nicht näher definiert, würde das angesichts der aktuellen Besucherzahlen also heissen, dass pro Tourist eine Taxe von rund 10 Franken (bzw. rund 1000 ISK-Kronen) verrechnet würde.

Hinter dem Steuervorschlag steht der isländische Finanzminister Bjarni Benediktsson. Dieser ist laut «Turisti.is» nicht zum ersten Mal mit solch einem Vorschlag aktiv: Bereits 2014 wurde ein Steuervorschlag, damals noch als «Naturschutz-Abgabe» bezeichnet, vom Parlament abgewiesen. Erst letztes Jahr versuchte Benediktsson, Einnahmen durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Tourismusleistungen von derzeit 11 auf 25 Prozent zu generieren; auch da kam ein klares Nein vom Parlament, wobei dann doch die Taxe auf Hotelübernachtungen angehoben wurde. Nun also ein dritter Versuch.

Auch Airlines bzw. Flugpassagiere sollen zur Kasse gebeten werden

Damit nicht genug: Benediktsson sieht im selben Budgetvorschlag eine Erhöhung der Start- und Landegebühren. Wie hoch diese genau sein soll, ist unbekannt – aber eigentlich auch irrelevant: Solche Massnahmen haben immer einen negativen Beigeschmack und schüren Ängste – oder Hoffnungen? – hinsichtlich einer Verringerung der Nachfrage.

Auch hier handelt es sich übrigens nicht um Benediktssons ersten Versuch. 2014 wurde dies verworfen, weil es nach internationalem Recht nicht erlaubt war, Inlandsflüge von einer solchen Erhöhung auszuschliessen. Im grossen, aber spärlich besiedelten Island sind Inlandsflüge wichtig, können aber trotz hoher Preise kaum rentabel durchgeführt werden, weshalb der Staat solche Flüge subventioniert. Eine Erhöhung der Ticketpreise hätte zu einem Nachfrageeinbruch geführt.

(JCR)