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Dürfen ab dem 26. April keine Touristen mehr nach Boracay? Die lokale Tourismusindustrie stellt sich auf den Worst-Case ein. Bild: Chavelli

Schliessung von Boracay: Was steckt dahinter?

Es ist zwar noch nicht definitiv, aber wahrscheinlich, dass die philippinische Ferieninsel ab Ende April dicht gemacht wird. Es dürfte allerdings nicht nur um Umweltbedenken gehen.

Bereits im Februar 2018 drohte der philippinische Präsident Rodrigo Duterte damit, die beliebte Ferieninsel Boracay komplett für den Tourismus zu schliessen. Zunächst wurde den Hotels ein Ultimatum gestellt, daneben haben aber auch diverse Behörden die Situation analysiert. Letzte Woche dann der Hammer: Das Umweltministerium, das Innenministerium und - man glaubt es kaum - das Department of Tourism haben allesamt die Schliessung von Boracay ab dem 26. April, also just zum Auftakt der Sommersaison, empfohlen. Die Schliessung soll für sechs Monate gelten. Damit ist dies zwar noch nicht rechtskräftig - noch muss Duterte selber die Schliessung anordnen. Er hat den formellen Schliessungsantrag am letzten Freitag zur Unterschrift erhalten. Laut diversen philippinischen Medien hat er sich noch am gestrigen Sonntag damit gebrüstet, dass ihn nichts und niemand werde abbringen können, diesen Schritt zu unternehmen. Duterte hatte wiederholt geäussert, Boracay sei eine «Kloake».

Niemand streitet ab, dass diverse Hotels auf Boracay sich nicht an gängige Umweltvorschriften halten und deshalb teilweise umweltschädigende Zustände herrschen. Und niemand sprach sich dagegen aus, gegen Umweltsünder vorzugehen. Die komplette Schliessung der Insel scheint aber ein zu drastischer Schritt, der kaum nachvollziehbar ist. Zum einen werden damit die Anbieter touristischer Dienstleistungen auf der Insel massiv geschädigt. Zum andern wirft dies, gerade auch wegen der Kurzfristigkeit dieser Massnahme, ein schlechtes Licht auf den philippinischen Tourismus als Ganzes.

Ausserdem erscheint die sechsmonatige «Erholungspause» für die Natur auf Boracay etwas unglaubwürdig, nachdem ja kürzlich die Erlaubnis für den Bau des grössten philippinischen Hotels und, kurz darauf, für den Bau eines gigantischen Casino-Komplexes auf Boracay erteilt wurden. Auch wenn diese neuen Akteure die Umweltauflagen einhalten, werden sie auf jeden Fall für eine zusätzliche touristische Belastung sorgen.

Bevorteilung Chinas?

Die lokalen Behörden auf Boracay klagen darüber, dass sich der Präsident ausschliesslich auf Boracay konzentriert, welches laut diversen Untersuchungen bei weitem nicht die grösste Umweltbelastung auf den Philippinen tragen muss. Es riecht streng nach organisierter Bevorteilung Chinas: Die neuen Projekte, das Double Dragon Hotel und das Casino von Galaxy, sind beide auf chinesische Investoren zurück zu führen, welche sich bereits brüsten, nach der Neueröffnung ein «neues und attraktiveres Boracay» präsentieren zu können. Dies, bevor die Schliessung in Kraft war! Derweilen ist zu lesen, dass an der ITB grosse Bilder von Boracay am Philippinen-Stand vorsorglich durch andere Bilder ersetzt wurden... Bei der Incoming-Agentur Blue Horizon Travels wurden FIT-Buchungen für die angedrohte Schliessungszeit bereits zurückgestellt.

Darüber hinaus hat Duterte den Bau neuer Casinos im ganzen Land verboten - kurz nach Erteilung der Genehmigung für das Projekt auf Boracay. Inzwischen ist bekannt, dass dieses zur chinesischen «Belt & Road»-Initiative gehört, mit welcher China seinen globalen Einfluss über Infrastrukturprojekte und Investmentgelder erweitert. Duterte hat sich jüngst merklich an China angenähert und gleichzeitig Distanz zu den USA genommen.

Oder anders ausgedrückt: Es scheint, als ob auf Boracay eine Bereinigung stattfindet, von welcher letztlich chinesische Unternehmen profitieren werden. Das ist umso bemerkenswerter, als letztes Jahr erstmals die Chinesen den grössten Besucheranteil unter allen internationalen Touristen auf Boracay stellten. Was dies für die Besucherströme aus Europa langfristig bedeutet, wird sich zeigen müssen.

(JCR)