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Das sonst so beschauliche Kandy ist vor allem berühmt für seinen Tempel des heiligen Zahn Buddhas. Bild: Fotolia.

Ausnahmezustand in Sri Lanka

Die Regierung hat am Dienstag aufgrund Spannungen zwischen Buddhisten und Muslimen für sieben Tage das Notrecht ausgerufen. Betroffen ist vor allem das bei Touristen beliebte Kandy.

Zum ersten Mal seit dem Ende des Bürgerkriegs im Jahr 2009 hat Sri Lankas Regierung am Dienstag den Ausnahmezustand ausgerufen. Im bei Touristen beliebten Kandy wurde bereits am Montag eine Ausgangssperre verhängt. Dies nachdem die Konflikte zwischen Buddhisten und Muslimen in Kandy - einer der heiligsten Buddhisten-Stätte des Landes - eskalierten.

Auslöser soll der durch Muslime verursachte Tod eines buddhistischen LKW-Fahrers am 4. März gewesen sein. 75 Prozent der Bevölkerung gehören in Sri Lanka dem Buddhismus an. 10 bis 20 Prozent sind Muslime, der Rest praktiziert den christlichen Glauben.

Immer wieder kommt es im Ferienparadies zu Ausschreitungen zwischen den beiden Religionsgruppen. Die letzte grosse war im Jahr 2014. Als verantwortlich galt damals wie auch heute die buddhistische nationalistische Organisation Bodu Bala Sena (BBS). Die jüngsten Konflikte gipfelten am Montagnachmittag in der Verwüstung verschiedener muslimischer Geschäfte, Häuser und einer Moschee in und um Kandy. 

Offenbar organisierte sich der buddhistische Mob nicht zuletzt via Facebook. Gegen entsprechende Facebook-Nutzer sollen jetzt Massnahmen ergriffen werden, wie Sri Lankas Ministerpräsident, Ranil Wickremesinghe, sagt. Er spricht von einer «systemischen und organisierten» Gewalt und kündigte eine starke Reaktion seitens der Regierung an. 

Mit dem mindestens sieben Tage dauernden Ausnahmezustand soll eine Ausweitung der Gewalt auf andere Landesteile verhindert werden. Die Ausgangssperre über Kandy wird aufrechterhalten und soll helfen, die Situation in der Gegend besser kontrollieren zu können. Die Bürgerrechte sind während dieser Zeit eingeschränkt und das Militär hat mehr Befugnisse. 

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat die Reisehinweise am Mittwochmittag aktualisiert. Zu lesen ist: «Seit Ende Februar 2018 haben Unruhen zwischen buddhistischen und muslimischen Bevölkerungsgruppen in verschiedenen Distrikten von Ampara (Provinz Eastern) und Kandy (Provinz Central) mehrere Todesopfer und Verletzte gefordert. Am 6. März 2018 hat die Regierung den Notstand über das ganze Land verhängt.» Reisende sollen sich vor und während der Reise in den Medien und bei der Reiseleitung über die Entwicklung der Lage informieren. Kundgebungen jeder Art sollen gemieden und  Anweisungen der lokalen Behörden Folge geleistet werden.

Der buddhistische Nationalismus ist in Süd-Asien auf dem Vormarsch. In Sri Lanka soll er aus der Diskriminierung der buddhistischen Gemeinschaft während der britischen Kolonialzeit hervorgegangen sein.

(LVE)