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Ein «Welcome to the USA» sollen auch die Angestellten der Grenzbehörde CBP vermitteln - doch die Message kommt nicht immer richtig an. Bild: CBP

US-Reiseindustrie läutet die Alarmglocken

Angesichts der Rückgänge im Tourismus wurde die «Visit U.S. Coalition» ins Leben gerufen. Diese soll gemeinsam mit der Trump-Administration versuchen, den Spagat zwischen Offenheit und Sicherheit zu schaffen.

Dem US-Tourismus geht es schlecht. Das ist keine subjektive Meinung, sondern der durchaus selbstkritische Befund der Branchenvereinigung US Travel Association. Deren CEO Roger Dow hat dies am Dienstag (16.01.) im Rahmen einer Telefonkonferenz anhand von Zahlen deutlich gemacht: «Global nahm die Reisetätigkeit zwischen 2015 und 2017 um 7,9 Prozent zu. Im selben Zeitraum fiel der Marktanteil der USA im globalen Tourismus von 13,6 auf 11,9 Prozent zurück.» Nach einem Jahrzehnt mit touristischem Wachstum hat der Wind also gedreht, und das in einer globalen Wachstumsphase.

Nur wenige Tage zuvor hatte die US Travel Association in einer Pressemeldung, bezugnehmend auf eine Publikation des Bureau of Economic Analysis, festgehalten, dass internationale Besucher von Januar bis November 2017 rund 3,3 Prozent weniger in den USA ausgegeben haben. Übersetzt heisst das, dass 4,6 Milliarden Dollar weniger ausgegeben wurden. Laut Dow könnte das den Verlust von 40'000 Jobs bedeuten. Dies, nachdem der Tourismus in den vergangenen fünf Jahren stets besser performt hatte als der Durchschnitt aller exportorientierten Industrien. Nochmals anders ausgedrückt: Die Reiseindustrie hat 2016 einen Handelsüberschuss von 87 Milliarden Dollar erzielt und für 15,3 Millionen nicht exportierbare Jobs gesorgt. Ohne diesen Handelsüberschuss wäre das US-Handelsdefizit um 17 Prozent höher ausgefallen. Da nun der Handelsüberschuss in Gefahr ist, könnte dies für das jüngst ohnehin aufgeblähte US-Handelsdefizit schlecht sein. Und die zu erwartenden Jobverluste sind genau das Gegenteil vom Versprechen der aktuellen Trump-Regierung, deren Mantra «Jobs, Jobs, Jobs» lautet.

Immer schön die Balance suchen

Dow hat, im Gegensatz zu vielen Medien, die Rückgänge im Tourismus nicht direkt der Trump-Regierung angelastet und so die These vom «Trump Slump» gestützt. Natürlich sehe die Reisebranche die fremdenfeindliche Rhetorik nicht gerne. Als Hauptgründe für die Rückgänge werden allerdings der starke Dollar, komplexe Visumserteilungs-Prozesse sowie das weltweite Aufkommen von Low-Cost-Flügen genannt - Letztere erlauben günstige Flüge zu anderen Zielen. Wobei hier angefügt werden muss, dass die USA inzwischen auch mit Langstrecken-Low-Cost-Flügen bedient werden. 

Jedenfalls will Dow, der ein exzellentes Verhältnis zur Obama-Administration pflegte, nun vermehrt auch Zugang zur Trump-Administration suchen. Und weil die US Travel Association eben doch ein relativ kleiner Fisch ist, versucht man nun Kräfte zu bündeln, um sich besseres Gehör in Washington zu verschaffen. Deshalb wurde am 16. Februar die «Visit U.S. Coalition» ins Leben gerufen. Gründungsmitglieder sind nebst der US Travel Association auch die US-Handelskammer (Chamber of Commerce), die American Gaming Association, die American Hotel & Lodging Association, die American Society of Association Executives, die Asian-American Hotel Owners Association, die International Association of Exhibitions and Events, die National Restaurant Association, die National Retail Federation und die Society of Independent Show Organizers. 

Das Ziel ist klar: Die Trump-Regierung dahin gehend zu lobbyieren, dass eine Politik gemacht wird, welche die seit 2015 anhaltenden Rückgänge im Tourismus stoppt und dank touristischem Wachstum letztlich die US-Wirtschaft stärkt und damit auch Jobs schafft. Natürlich stets unter Berücksichtung der besonderen Sicherheitsvorkehrungen, welche eine globale Macht wie die USA treffen müssen. Es muss also die Balance zwischen willkommender Offenheit für Reisende und sorgfältiger Sicherheit bei Einreisen gefunden werden. Und die Visit U.S. Coalition muss die Balance zwischen Kritik und Rat bei den Worten zuhanden der Trump-Administration finden.

Hoffnung an eine Rückkehr zu alter Stärke

Die US-Reisebranche erinnert sich mit Schaudern an das «verlorene Jahrzehnt» nach den Anschlägen des 11. September. Und es schmerzt, dass die USA nebst der Türkei das einzige Land der Top-15-Reiseziele weltweit sind, welches seit 2015 Rückgänge hinnehmen muss. Und weitere ernüchternde Zahlen wurden präsentiert. Laut Katherine Lugar, President/CEO der American Hotel & Lodging Association, betrug 2017 der Rückgang der internationalen Besucher in New York satte 21 Prozent, aber auch Atlanta oder Dallas hätten zweistellige Rückgänge verzeichnet.

Auch aus Schweizer Sicht sind die Rückgänge alarmierend: Die Zahlen für 2017 liegen zwar noch nicht fertig vor, doch bis und mit 3. Quartal wurden lediglich 250'767 Einreisen aus der Schweiz in den USA registriert, ein Minus von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr, welches schon um 12,5 Prozent unter dem Vorjahr lag. An die Rekordzahl von 2015, als 536,584 Einreisen aus der Schweiz verzeichnet wurden, wird man bis auf Weiteres nicht hinkommen. Doch die USA bleiben die meistbesuchte Überseedestination der Schweizer. Und es ist für dieses wunderbare Reiseland zu hoffen, dass die politischen Bemühungen der Visit U.S. Coalition in Washington Gehör finden.

(JCR)