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Die drittgrösste spanische Stadt will modern und fortschrittlich sein (im Bild die Stadt der Wissenschaft im Stadtkern Valencias) und räumt deshalb mit alten Zöpfen auf. Bild: Linus Ekenstam

Valencia räumt mit seiner Vergangenheit auf

Die Stadt ändert ab kommendem Jahr 51 Strassennamen, welche an die franquistische Diktatur erinnern.

Strassennamen, welche an die Franco-Diktatur in Spanien erinnern, sollen in der drittgrössten spanischen Stadt Valencia und deren Region endlich entfernt werden. Eigentlich war dieser Vorstoss bereits vor rund zehn Jahren eingereicht worden, als Spanien ein spezielles Gesetz («Ley de Memoria Historica») verabschiedete, welches die Erinnerung an faschistische Führungspersonen aus der Zeit der Diktatur (1935-1975) aus Strassen-, Platz- und und Gebäudenamen entfernen wollte. Doch die Umsetzung stiess lange auf passiven Widerstand durch die konservative Partei Partido Popular (PP). 

Doch im Juni setzte sich nun der neue Stadtrat von Valencia mit der Umsetzung des Gesetzgebung durch und in diesen Tagen werden sämtliche 51 Strassennamen ersetzt. Namen von politischen oder militärischen Persönlichkeiten aus der Franco-Zeit werden in den meisten Fällen durch Personen aus Kunst und Wissenschaft ersetzt - auffallend häufig werden Männer durch Frauen ersetzt. Valencia setzt damit ein klares Signal für ein modernes, weltoffenes Spanien.

Konkret werden folgende Strassennamen ersetzt - wer sich in Valencia künftig zurecht finden will, sollte dann auf ein möglichst aktualisiertes GPS zurückgreifen:

  1. Avenida del Oeste statt wie bisher Barón de Cárcer.
  2. Avenida Amado Granell Mesado (Republikanischer General) statt wie bisher General Urrutia. Die bisher schon andernorts existierende Strasse Amado Granell Mesado wird neu Calle de Manuela Solís Claràs (Gynäkologin) heissen.
  3. Plaza de la Llotjeta statt wie bisher Plaza dels Màrtirs.
  4. Plaza del Grup Parpalló statt wie bisher Plaza Professor López Ibor.
  5. Plaza de Las 13 Rosas statt wie bisher Plaza de Zumalacárregui.
  6. Plaza de Joan Fuster (Schriftsteller) statt wie bisher Plaza de Eduard Marquina.
  7. Plaza del Equipo Crónica statt wie bisher Plaza de Francisco Bosch Ariño.
  8. Plaza del Professor José Ballester Gozalvo statt wie bisher Plaza Federico Mayo.
  9. Calle de La Ilustración statt wie bisher Calle Matrimonio Alcántara-Ríos.
  10. Calle de Castelló de l'Albufereta statt wie bisher Calle Comandante Franco.
  11. Calle Félix del Río (Gemeindeaktivist) statt wie bisher Doctor Marco Merenciano.
  12. Calle Marie Curie (Wissenschaftlerin) statt wie bisher Alfonso Peña.
  13. Calle de la Cultura statt wie bisher Rinconada Federico García Sanchiz.
  14. Calle de la Solidaridad statt wie bisher General Ibáñez Alonso.
  15. Calle dels Jurats statt wie bisher Calle Ángel del Alcázar (Antonio Rivera Ramírez).
  16. Calle Olimpia Arozena Torres (Professorin) statt wie bisher Calle Salvador Ferrandis Luna.
  17. Calle Higinio Noja (Professor) statt wie bisher Calle Samuel Ros.
  18. Calle Alejandra Soler (Lehrerin) statt wie bisher Calle Doctor Beltrán Bigorra.
  19. Calle Just Ramírez (Architekt) statt wie bisher Calle Economista Gay.
  20. Calle Jerónima Galés (impressora) statt wie bisher la calle General Barroso.
  21. Calle Agustí Centelles Ossó (Fotograf) statt wie bisher Calle Gual Villabí.
  22. Calle Andreu Alfaro (Bildhauer) statt wie bisher Calle Francisco Morote Greus.
  23. Calle de la Democracia statt wie bisher Calle Castán Tobeñas.
  24. Calle de Gloria Fuertes (Schriftstellerin) statt wie bisher Ramón Contreras Mongrell.
  25. Calle de María Zambrano (Philosophin) statt wie bisher Calle Vicente Maroto.
  26. Calle de Simone de Beauvoir (Philosophin) statt wie bisher Calle Luciano Vilatela.
  27. Calle de la Poesía statt wie bisher Calle Damian Adalid.
  28. Calle de la Literatura statt wie bisher Calle José María Osset.
  29. Calle del Cine statt wie bisher Calle Casilda Castellví.
  30. Calle de la Fotografía statt wie bisher Calle Carmen Tronchoni.
  31. Calle Emilia Pardo Bazán (Schriftstellerin) statt wie bisher Calle Sabas Arias.
  32. Calle Pilar Soler Miguel (Politikerin) statt wie bisher Calle José Muñoz.
  33. Calle Frederica Montseny (Politikerin) statt wie bisher Calle Francisco Llobell.
  34. Calle Virginia Woolf (Schriftstellerin) statt wie bisher Calle Juan José Gómez.
  35. Calle Norman Bethune (Arzt) statt wie bisher Calle Alfredo Culla.
  36. Calle Maria Montessori (Pädagogin) statt wie bisher Calle Francisco Alegre.
  37. Calle Joan Reixach (Maler) statt wie bisher Calle José María Corbín Ferrer.
  38. Calle Antonio Ballester Villaseca 'Tonico' (Bildhauer) statt wie bisher Calle Juan Antonio Valero de Palma.
  39. Calle Francisco Javier Goerlich Lleó (Architekt) statt wie bisher Calle Francisco Dolz.
  40. Calle María Cambrils Sendra (Schriftstellerin) statt wie bisher Servando Conejero.
  41. Calle Elena Just Castrillo (Politikerin) statt wie bisher Calle Vicente Agustí.
  42. Calle Konrad Rudolf statt wie bisher Calle Juan Romero.
  43. Calle Empar Navarro i Giner (Lehrerin) statt wie bisher Calle José Pelufo.
  44. Calle María de Maeztu (Pädagogin) statt wie bisher Calle Mario Aristoy.
  45. Calle Rosa Estruch Espinós (Politikerin) statt wie bisher Calle Arturo Fosar.
  46. Calle Mariano Carsí Pascual (Arzt) statt wie bisher Calle Salvador Cortils.
  47. Calle Olympe de Gouges (Philosophin) statt wie bisher Calle Manuel Grifoll.
  48. Calle Enriqueta Agut Armer (Lehrerin) statt wie bisher Calle Tomás Ribes.
  49. Calle Concepción Aleixandre Ballester (Gynäkologin) statt wie bisher Calle Federico Iranzo.
  50. Calle Ada Lovelace (Mathematikerin) statt wie bisher Calle Luis Sanjuán.
  51. Calle Presen Sáez de Descatllar (Professorin) statt wie bisher Calle Jerónimo Luzzati.

General Francisco Franco (mit vollem Namen: Francisco Paulino Hermenegildo Teódulo Franco y Bahamonde Salgado Pardo) wurde am 4. Dezember 1892 in Ferrol an der spanischen Atlantikküste geboren und war während 40 Jahren, bis zu seinem Tod am 20. November 1975, Diktator Spaniens. In seine Regierungszeit fällt unter anderem der blutige spanische Bürgerkrieg. 

Valencias Vorgehen ist insofern auch spannend, als dass derzeit auch andernorts ähnliche Auseinandersetzungen um historischen Namen und Monumente laufen. Bekannt ist etwa die Diskussion in den US-Südstaaten, wo Statuen und Strassennamen, welche an Generäle der Konföderierten Staaten und damit an den US-Bürgerkrieg und indirekt auch an die Sklaverei in den USA erinnern, von diversen Interessengruppen entfernt werden wollen. Doch in den US-Südstaaten halten viele an dieser, eigentlich wenig rühmlichen, Vergangenheit fest. Auch Präsident Donald Trump sprach sich schon gegen die Entfernung der Statuen aus - während er aber gleichzeitig für eine Verringerung von historischen Naturschutzgebieten plädiert.

(JCR)