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Inseln in der Andamanensee, westlich von Myanmar: Paradiesisch, aber auch Schauplatz eines Konflikts, der aktuell stark mediatisiert ist. Informationen bei den Spezialisten einholen ist wichtig. Bild: Fotolia

Myanmar: Eine Frage des Gewissens

Der Konflikt zwischen der buddhistisch dominierten Armee und der muslimischen Minderheit, den so genannten «Rohingyas», spitzt sich zu. Was müssen Myanmar-Reisende dazu wissen?

Die «Rohingya» sind ein muslimisches Volk, welches im Nordwesten des überwiegend buddhistischen Landes Myanmar leben, an der Grenze zu Bangladesh. Ihr Schicksal ähnelt etwas dem der Roma in Europa: Sie gehören nirgendwo richtig hin – in Myanmar sind sie ein mehrheitlich unwillkommene Minderheit, in Bangladesh «Ausländer».

«Die Lage der Rohingya ist schon seit vielen Jahren prekär und wird, im Gegensatz zu früheren Jahren, mittlerweile auch in der Presse beachtet», erklärt Ruth Landolt, Geschäftsführerin des Asien-Spezialisten Asia365. Die Problematik der Staatszugehörigkeit sei noch ungelöst: Die Rohingya in Myanmar sind staatenlos und somit auch praktisch rechtlos. Auch Rohingyas, die in Myanmar geboren wurden, haben keine Staatsbürgerschaft.

Inzwischen hat sich diese Situation zu einem bewaffneten Konflikt zugespitzt. Seit längerem werden die Rohingya schikaniert und vertrieben, und manche versuchen nun, sich mit Gewalt zu wehren, was die Lage nur weiter zuspitzt. Manche Medien sprechen bereits von einer Art «ethnischen Säuberung», die im Land der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi vor sich geht, und welche schmerzhaft aufzeigt, dass dort das Militär immer noch eine Macht hinter den Kulissen darstellt.

Die Lage ist jedenfalls prekär: Bei der letzten Flüchtlingswelle hat sich unter anderem auch Thailand geweigert, die Rohingya aufzunehmen. Manche haben in Sumatra oder Malaysia eine neue Heimat gefunden, andere werden derzeit unzimperlich vertrieben.

Reisen in die Konfliktgebiete vermeiden

«Bezüglich des Tourismus gibt es eigentlich keine Veränderung», erklärt Landolt, «für den Bundesstaat Rakhine [wo die Rohingya mehrheitlich angesiedelt sind, Anm. der Red.] gibt es schon seit mehreren Jahren eine Reisewarnung des EDA, d.h. die Kunden werden konkret darauf hingewiesen, dass von einer Reise dorthin abgeraten wird. Da dieses Gebiet meist nur für Repeater in Frage kommt, war es noch nie ein Problem. Die meisten Repeater wissen von dem Konflikt und fragen bei uns höchstens nach dem Stand der Dinge an.»

Auch Spezialist Tourasia wurde bereits aktiv: «Wir haben unser Angebot nach Sittwe im Bundesstaat Rakhine seit Frühjahr ausgesetzt und nehmen keine Buchungen entgegen», erklärt Inhaber Stephan Roemer, «wir stützen uns auf die Empfehlungen des EDA. Wir raten aufgrund der Situation von Reisen in den Rakhine Staat ab.»

Romy Obrist von Bischofberger Reisen bedauert ebenfalls, was im Namen der Religion weltweit passiert, erklärt aber: «Unsere Rundreisen führen nicht ins Gebiet von Rakhine, mit Ausnahme von Badeferien in Ngapali Beach. Doch dieses Gebiet ist relativ weit vom Unruheherd entfernt. Entsprechende Anfragen haben wir bis jetzt nur wenige erhalten. Wir erklären den Gästen, dass unsere Rundreise nicht in dieses Gebiet führt und daher keine erhöhte Gefahr besteht. Nur ein kleiner Teil von Myanmar ist von den Unruhen betroffen. Daher gehen wir davon aus, dass wir unsere Rundreisen wie geplant durchführen können.»

Konkret heisst es beim EDA: «Von Reisen nach Sittwe und die Gebiete nördlich davon wird abgeraten. Für Reisen in den Badeort Ngapali Beach erkundigen Sie sich bei Ihrem Reiseveranstalter über die aktuell empfohlene Reiseroute. […] Von Reisen in die Grenzgebiete zu Bangladesch, China, Indien, Laos und Thailand wird abgeraten. Informieren Sie sich vor und während der Reise in die übrigen Gebiete der Provinzen Shan und Kachin bei den lokalen Behörden über die aktuelle Sicherheitslage.»

Landolt fügt dem bei, dass das Kernland Myanmars aber weiterhin problemlos zu bereisen sei. «Die meisten Burmesen ignorieren entweder den Konflikt oder wissen praktisch nichts darüber», konstatiert die Asien-Kennerin.

Nicht hinreisen hilft auch nicht

Es ist immer dieselbe Frage, die sich letztlich stellt: Ist eine Reise in ein Land, das einen solchen grausamen Konflikt austrägt, angemessen, auch wenn die eigene Sicherheit kaum beeinträchtigt ist? Ist eine Myanmar-Reise also eine Gewissenfrage? Im Prinzip ja. Und trotzdem sollte man das Land nicht schwächen, indem man nicht hinreist, denn das sorgt sicherlich nicht für Besserung, weil man ja bestehende Zustände und Machtverteilungen zementiert. Vor Ort zu sein hilft überdies, gewisse Entwicklungen besser zu verstehen und einordnen zu können. Myanmar ist trotz allem ein wunderbares Reiseland, und bei Weitem nicht das einzige, in welchem es teils fragwürdige politische Zustände gibt.

Natürlich ist es schwer, die Behandlung der Rohingya durch die Junta Myanmars zu akzeptieren. Dagegen darf und soll man, friedlich, protestieren. Myanmar einfach nicht mehr zu bereisen würde aber letztlich auch nichts bringen. Reisen hilft immer noch am besten zu verstehen, was in unserer Welt geschieht.

Die EDA-Reisehinweise zu Myanmar finden sich übrigens unter diesem Link.

(JCR)