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Travelnews.ch konnte gemeinsam mit Sameh Agha (Managing Director South Sinai Travel (l.)) den Chairman des Egyptian Tourism Promotion Board, Hisham El Demery, in Kairo treffen. Bild: TN

«Ägypten ist eindeutig wieder auf dem Vormarsch»

Von Didier Walzer

Das Vertrauen ist weitgehend zurück – bei den Schweizern allerdings noch weniger als in anderen Quellmärkten. So lautet die Einschätzung von Hisham El Demery, dem Chairman des Egyptian Tourism Promotion Board.

Herr El Demery, Ägypten hat seit dem Arabischen Frühling auch touristisch schwierige Jahre durchlebt. Wie schätzen Sie die heutige Situation ein?

Hisham El Demery: Im letzten Jahr konnten wir total 5,3 Millionen Besucher empfangen. Für 2017 erwarten wir zwischen 7 und 9 Millionen Besucher. Damit sind noch entfernt von früheren Zahlen. Aber allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres betrug das Wachstum gegenüber demselben Vorjahreszeitraum 52 Prozent. Wir glauben deshalb fest daran, dass wir auf gutem Weg zurück sind, hin zu früheren Glanzzeiten. Ägypten ist eindeutig wieder auf dem Vormarsch.

Wie zeichnet sich das in den europäischen Quellmärkten ab?

Deutschland und Italien sind ganz klar wieder am Kommen. Die Spezialisten in diesen Ländern raten nicht mehr dazu, Ägypten auszulassen. Das ist auch richtig so: Unser Land ist für Besucher absolut sicher. Übrigens verzeichnen wir auch deutliche Zuwächse von Besuchern aus unseren arabischen Nachbarländern.

Was ist mit der Schweiz?

Volumenmässig ist dies natürlich ein Nischenmarkt, doch die Schweiz ist für uns immer wichtig gewesen, weil die Schweizer überdurchschnittlich viel ausgeben. Leider muss ich feststellen, dass das Wachstum aus dem Schweizer Markt deutlich langsamer ist als aus anderen Märkten. Schon vor der Revolution lag der Schweizer Markt performance-mässig hinter anderen Quellmärkten zurück.

Wie soll dieses Problem behoben werden?

Die Schweizer erwarten ein sehr hohes Serviceniveau. Wir sind jetzt imstande, dieses zu bieten. Die ägyptischen Behörden arbeiten eng mit ausländischen Investoren zusammen, um die bestehenden Infrastrukturen zu verbessern und neue zu schaffen. Aktuell werden über 5000 Quadratkilometer Infrastruktur im Land auf Vordermann gebracht. WIr arbeiten daran, das Service-Personal besser auszubilden. Diese Qualitätsoffensive wird sich auch im Schweizer Quellmarkt auszahlen.

Wie läuft es denn in den so genannten «Neuen Märkten»?

Zuerst einmal muss klar sein, dass es fünf bis sieben Jahre braucht, um sich in einem neuen Markt zu etablieren. Aktuell zielen wir sehr stark auf osteuropäische Quellmärkte, etwa Polen, die Tschechische Republik oder die Ukraine. Wesentlich ist hierbei, die Anzahl an Nonstopflügen aus diesen Märkten zu erhöhen. Dasselbe gilt natürlich für die «Riesen» China und Indien, wo wir uns schon länger vermarkten und deren Zahlen sehr erfreulich wachsen.

«Die Schweiz liegt performance-mässig hinter anderen Quellmärkten zurück»

Was lässt sich zu den Entwicklungen im Badeort Sharm el-Sheikh sagen?

WIr erhalten in Kürze frische Geldmittel, um dieses Ziel wieder besser zu bewerben und die Reiseveranstalter dazu zu bringen, neue Charterflüge dorthin aufzulegen. Das ist nämlich aktuell das grösste Problem dort: Es gibt zu wenige Flugverbindungen.

In der Promotionsarbeit versucht Ägypten, neue Wege zu gehen.

Ja, wir setzen vermehrt auf die Zugkraft von globaler Prominenz. Wir haben beispielsweise Schauspieler Will Smith oder die Fussballstars Cristiano Ronaldo und Leo Messi mitsamt ihren Familien nach Ägypten eingeladen. Diese posten dann Fotos und Kommentare ihrer Ferien in Ägypten auf ihren Spcial-Media-Kanälen, wo sie Millionen von Followers haben. Wenn diese sehen, dass sich ihre Lieblingsstars bei uns wohlfühlen, überträgt sich das natürlich auf sie selber. Diese Promis sind also richtige Ägypten-Ambassadoren. Überdies frischt diese Assoziation auch das Image von Ägypten generell etwas auf.

Sprechen wir über neue kulturelle Attraktionen: Wo steht man in Bezug auf das neue Grosse Ägyptische Museum von Kairo, am Fusse der Pyramiden?

Wir erinnern daran, dass es das grösste archäologische Museum der Welt sein wird. Es wird über 100'000 Antiquitäten und Artefakte in diversen Sammlungen auf einer Fläche von 47 Hektaren beherbergen. Dazu kommen Konferenz-Einrichtungen, Outlets und mehr. Hintergrund des Baus war ja, dass man das völlig überfüllte aktuelle Ägyptische Museum am Tahrir-Platz entlastet. So werden auch bisher nicht zugängliche Kunstschätze erstmals ausgestellt. Der erste Teil des neuen Mega-Museums sollte im Frühling 2018 eröffnet werden.