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Der Franken schwächelt: Badeferien im Euro-Raum wie hier am Gardasee werden für Schweizer Touristen teurer. Bild: TN

60 Franken können entscheiden

Von Gregor Waser

In den letzten Wochen hat sich der Schweizer Franken deutlich abgeschwächt  – was heisst das für die Schweizer Hoteliers? Und für die nächsten Badeferien in Griechenland oder Spanien?

Lag der Euro-Kurs Mitte Juli noch bei 1,08 Franken liegt dieser heute bei 1,15 Franken. Somit hat sich der Franken in wenigen Tagen um über sechs Prozent abgeschwächt. Und vieles deutet darauf hin, dass es dabei bleiben könnte oder der Franken sogar noch schwächer wird. Denn die Währungsschwankung hat nicht mit dem willkürlichen Eingreifen der Nationalbank zu tun, sondern erfolgt aufgrund der Nachfrage. Der Euro ist für Investoren wieder zuverlässiger geworden, der Schweizer Franken ist nicht mehr der alleinige sichere Hafen.

Derzeit am meisten freuen sich die Schweizer Hoteliers über den schwächeren Franken. Denn der Wegfall deutscher Touristen ist in den letzten zwei Jahren stark ins Gewicht gefallen. Und die preissensiblen Gäste aus Deutschland, aber auch aus den Benelux-Ländern haben ein Gehör dafür, wenn sich die Preise aus ihrer Sicht um sechs Prozent senken. Kommt hinzu: die Schweizer Hotels haben jüngst selber einiges zu einem attraktiveren Pricing beigetragen, etwa auch durch Leistungsintegration in Pauschalangebote. Für Winterbuchungen aus dem europäischen Raum ist das Timing der Frankenschwäche ideal.

André Aschwanden, Mediensprecher bei Schweiz Tourismus, beurteilt die aktuelle Situation so: «Der vorteilhaftere Euro-/Franken-Kurs sendet sicher ein positives Signal ins Ausland für Ferien in der Schweiz, vor allem wenn sich dieser Trend in naher Zukunft bestätigt. Die neue Währungssituation könnte die Stabilisierung bei den Hotellogiernächten der europäischen Gäste beschleunigen und eine Rückkehr zum Wachstum in diesen für den Schweizer Tourismus wichtigen Märkten beschleunigen.»

Wie teuer werden Badeferien?

Doch was heisst nun ein teurerer Euro-Kurs für Schweizer Touristen, die in Städte und an die Strände der Euro-Zone reisen? Nach Spanien, Portugal, Frankreich, Italien und Griechenland?

Mit keinen grossen Auswirkungen rechnet Hotelplan Suisse. Mediensprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir sagt zur aktuellen Währungssituation: «Wir verwenden den Tageskurs bei der Preisgestaltung, insofern werden die Leistungen im Euro-Raum zwar um wenige Franken teurer. Doch mit Annullationen rechnen wir nicht, dafür sind die Preisdifferenzen zu gering». Und viele Flugleistungen seien schon im Vorfeld eingekauft worden, da veränderten sich die Preise kaum.

Sechs Prozent Preisdifferenz auf 1000 Franken machen immerhin 60 Franken aus. Diese könnten bei preissensiblen Touristen eine Rolle spielen. Der Effekt dürfte aber im Incoming-Tourismus die grössere Rolle spielen. Bei Auslandreisen wird das nicht so stark ins Gewicht fallen, vor allem auch, weil Flugpreise und Hotelraten vielerorts bisher schon äusserst günstig waren.

Flugeinkäufer bei den Reiseveranstaltern dürften die Währungssituation gleichwohl sehr genau im Auge behalten. Euro-Airlines dürfte für den kommenden Sommer nun teurer werden, hinzu kommt ein möglicherweise steigender Kerosin-Preis – bei gleichzeitig anhaltendem Druck auf die Ticketpreise.

Ein schöner Nebeneffekt hat der schwächere Franken für die Schweizer Reisebüros und Veranstalter. Das Grenzshopping wird unattraktiver. Litten sie vor allem 2015 unter dem Umstand, dass Schweizer Konsumenten bei deutschen Reisebüros oder Portalen buchten, hat sich die Situation in den letzten eineinhalb Jahren beruhigt – auch dank Preisanstrenungen auf Schweizer Seite. Mit einem um sechs Prozent teureren Euro gibt es für den Gang über die Grenze noch weniger Grund.