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Malediven? Nein, Saudi-Arabien! Das Königreich versucht den Spagat zwischen restriktiver Religion und weltoffenem Tourismus künftig auch. Bild: Screenshot Youtube

Saudi-Arabien will zum neuen Touristen-Hotspot werden

Von Jean-Claude Raemy

50 Inseln im Roten Meer werden im «Malediven-Style» mit Luxusresorts versehen. Unklar ist, welche Zielgruppe genau angesprochen wird.

Saudi-Arabien empfängt alljährlich Millionen von Touristen. Allerdings nicht Touristen im herkömmlichen Sinne, sondern muslimische Wallfahrer, welche das zentrale Heiligtum des Islams in Mekka besuchen. Für Saudi-Arabien war dies bislang durchaus gut so. Aufgrund der schwindenden Ölpreise ist der grösste Rohöllieferant der Welt nun trotzdem gezwungen, sich auch nach neuen Einnahmequellen umzusehen – und hat jetzt das klassische Tourismusgeschäft, auch mit Nicht-Muslimen, als neue Einnahmequelle definiert.

Dies geht aus dem vorgestern präsentierten Tourismusprojekt «Red Sea» von Saudi-Arabien hervor. Wie im Video weiter unten gezeigt, sollen 50 Inseln im östlichen Roten Meer mit Luxusresorts versehen werden. Es handelt sich um Inseln am Küstenstreifen zwischen den Städten Umluj und Al-Wadsch – auf der gegenüberliegenden Seite des Roten Meeres liegt in etwa Marsa Alam (Ägypten). Die Fertigstellung des «Red Sea Project» ist bis 2022 geplant, wobei erste Inseln bereits 2019 eröffnen sollen. Es ist auch die Rede davon, einen neuen Flughafen zu erbauen – der aktuell nächste grössere Flughafen ist jener von Medina, von wo aus es vier Autostunden allein bis Umluj sind. Im Video wird überdies auf weitere kulturelle Highlights Saudi-Arabiens verwiesen.

Ein «Land im Land» mit eigenen Gesetzen

Natürlich haben sich erste Kritiker zu Wort gemeldet, welche monieren, dass man doch keine Ferien machen werde in einem Land, in welchem Alkohol, Theater und Kinos verboten sind, die Todesstrafe routinemässig vollzogen wird und Frauen voll verhüllt sein müssen und nicht mal selber Auto fahren dürfen. Allerdings ist vielen Touristen die Politik eines Landes herzlich egal, sofern man selber nicht davon berührt wird. Die Malediven sind ebenfalls ein streng muslimisches Land, was jedoch niemanden davon abhält, dort Ferien zu machen. Schliesslich gelten auf den Touristeninseln auch andere Regeln. Saudi-Arabien plant folglich, gleich wie die Malediven vorzugehen: Das neue touristische Gebiet an der Westküste soll spezielle Regeln haben, also eine Art «Land im Land» sein, wo die Kleidervorschriften etwas lockerer gehandhabt werden und möglicherweise gar Alkohol ausgeschenkt werden kann. Interne Konflikte mit dem religiösen Establishment werden wohl folgen, am Ende aber dürften die ökonomischen Vorteile überwiegen.

Es gibt aber eine zweite Gruppe von Kritikern: Die Umweltschützer. Sie monieren zu Recht, dass bislang weitgehend unberührte Teile des Roten Meeres touristisch erschlossen werden und damit viele Ökosysteme in der fragilen Unterwasserwelt des Roten Meeres in Gefahr sind. Ob allerdings ökologisch sensitive Touristen westlicher Prägung die primäre Zielgruppe der Tourismusinitiative sind, ist anzuzweifeln - im Video wird nicht näher definiert, wer genau die Zielgruppe ist. Primär dürften gut betuchte Kunden aus Ländern, welche geschäftlich eng mit Saudi-Arabien verbunden sind, angepeilt werden.