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Das EDA hat die Reisehinweise für Koh Tao angepasst: «Lassen Sie auf der Insel Koh Phangan und Koh Tao erhöhte Vorsicht walten». Bild: Fotolia

Was ist los auf Koh Tao?

Mehrere mysteriöse Todesfälle wurden seit 2014 auf der thailändischen Insel vermeldet. Eine britische Journalistin warnt in einem Artikel vor einer Reise dorthin. Und auch das EDA ruft zur erhöhten Vorsicht auf.

Koh Tao zählt zu den beliebten Ferieninseln Thailands. 2000 Einwohner zählt die 21 Quadratkilometer grosse Insel, die Taucher, Backpacker und Partygänger gleichermassen anlockt. Per Boot ist die «Schildkröteninsel» in 2 ½ Stunden ab Koh Samui erreichbar.

Aber Koh Tao hat je länger desto mehr den Ruf eines für Touristen gefährlichen Ortes: Ungeklärte Todesfälle häufen sich. Unter anderem liest man in der Presse von «Mordinsel», wofür die thailändische Behörde die internationalen Zeitungen rügte, weil der Begriff dem Insel-Tourismus schade.

Aber was ist dran an den Gerüchten? Liest man die aktualisierten Reisehinweise des Eidgenössischen Departments für Auswärtige Angelegenheiten (EDA), muss die Sache zumindest einen wahren Kern haben. Unter dem Punkt «Kriminalität» steht nämlich neu: «Lassen Sie auf der Insel Koh Phangan und Koh Tao erhöhte Vorsicht walten, besonders während der Vollmondpartys. Wiederholt sind Vergewaltigungen und andere Gewaltdelikte (mit Todesfolge) gemeldet worden. Oft sind Getränke im Spiel, die mit Betäubungsmitteln versetzt worden sind.»

Acht Todesfälle seit 2014

Die Serie toter oder vermisster Touristen begann laut Medienberichten anfangs 2014: Damals wurde die Leiche eines jungen Briten im Meer gefunden. Er soll betrunken vom Balkon seines Bungalows gefallen und ertrunken sein. Im September 2014 erschütterte ein Doppelmord das kleine Paradies: Ein 24-jähriger Brite und eine 23-jährige Britin wurden tot am Strand von Sairee entdeckt. Die Frau sei laut Polizei vergewaltigt worden, beide Personen wurden brutal mit einer Hacke umgebracht.

Eine Graphik der englischsprachigen Tageszeitung «The Nation» hält alle acht bislang bekannten Fälle fest:

Der jüngste Fall warf besonders hohe Wellen

Der Tod eines Franzosen heizte im 2015 die Gerüchteküche von Neuem an: Er soll sich in seinem Bungalow erhängt haben – seine Händen waren aber auf dem Rücken zusammengebunden. Nachdem zu Beginn dieses Jahr eine junge Russin spurlos verschwand, warf der jüngste Fall besonders hohe Wellen: Die 30-Jährige Elise aus Belgien arbeitete in einem Yoga-Camp auf der benachbarten Insel Koh Phanghan. Ende April wurde auf Koh Tao ihre Leiche gefunden: an einem Baum hängend in der Tanote-Bucht, wo sie mindestens drei Tage gehangen haben soll. Die thailändische Behörde informierte erst mit Verzögerung über den Tod der Frau. Als Todesursache wurde Selbstmord angegeben. Die Mutter der Belgierin bestreitet dies bis heute vehement.

Zumindest die Umstände geben Raum für Spekulationen: Elise hatte sich unter falschem Namen im Triple B Resort auf der Insel eingemietet, neben ihrer Leiche wurde ein Benzinkanister gefunden und ihr Gepäck tauchte später auf dem Festland auf. Eine Autopsie ergab jüngst offiziell «Tod durch Ersticken», es konnten keine Gewalteinwirkungen festgestellt werden.

Laut Polizei starben auch die anderen sieben ohne Fremdeinwirkung. Nicht immer sind die Familien der Opfer mit der von der Polizei festgelegten Todesursache einverstanden. Und auch auf der Insel scheint man mehr zu wissen, das schreibt zumindest die britische Journalistin Elaine Dickinson, die für den «Independent» arbeitet. Erst kürzlich hat sie einen Artikel veröffentlicht, in dem sie allen davon abrät, die Insel zu besuchen. Bei ihren Recherchen zum Doppelmord sei sie auf der Insel gewesen und habe mit Einheimischen gesprochen. Diese hätten hinter vorgehaltener Hand berichtet, dass die Mafia die Insel wie auch die Polizei fest in der Hand habe und man auf Koh Tao nicht sicher sei.

(LVE)