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1100 Hektar Luxus und Toskana pur: Das Borgo von Castelfalfi, vom Golfplatz aus gesehen. BILDGALERIE: TN

Castelfalfi: Das wunderbare Wahnsinnsprojekt der TUI

Wie ein verlassenes Dorf in der Toskana zum hochwertigen Ferienresort umgewandelt wurde.

Vor ziemlich genau zehn Jahren kaufte der Reiseveranstalter TUI ein nahezu verlassenes Dorf im Herzen der Toskana: Castelfalfi, ein zur Gemeinde Montaione gehörender Weiler und ehemaliger Landherrensitz, sollte zu einem hochwertigen Touristik-Resort entwickelt werden. Die Bauarbeiten begannen nach zahllosen Abklärungen 2011, und schon im Jahr darauf wurde das Resort zumindest teilweise eröffnet – zunächst einmal ein Viersternhotel namens «La Tabaccaia», dazu Restaurants und Läden.

Im März dieses Jahres nun wurde das Fünf-Sterne-Hotel «Il Castelfalfi – TUI Blue Selection» als neuester Teil dieses aussergewöhnlichen Resorts eröffnet. Damit soll nochmals Schwung in dieses aussergewöhnliche Tourismusprojekt gebracht werden.

1100 Hektar exklusiv für TUI-Kunden

Das brandneue Luxushotel, welches travelnews.ch anfangs dieser Woche besichtigen konnte, bietet herrliche Blicke auf die hügeligen Weiten der Toskana, allerhöchsten Luxus und eine hochstehende Küche. 112 Zimmer und acht Suiten stehen zur Verfügung, dazu ein 1000 Quadratmeter grosses Spa mit Innen- und Aussenpool. Das Olivenöl und die Weine stammen aus eigenem Anbau; für die Beheizung wurde ein Biomasse-Heizkraftwerk erstellt, welches mit Pellets betrieben wird, welche Nebenprodukte aus der regionalen Land- und Forstwirtschaft sind. Darüber hinaus locken ein 27-Loch-Golfplatz, eine Trattoria sowie das hochklassige Restaurant «La Rocca», von dessen Terrasse aus man herrliche Blicke auf die tiefer liegende Landschaft hat. Kein Wunder, wird diese Terrasse inzwischen rege für Events, etwa auch für Hochzeiten, genutzt.

Das Restaurant liegt im «Borgo», einer Art alten Befestigung, deren Zugangsstrasse jetzt eine kleine Shoppingstrasse mit exklusiven Läden ist. An dieser liegen 48 renovierte Appartements mit kleinen Gärten oder Dachterrassen – allerdings sind bereits 47 davon verkauft.

Im Umland gibt es aber weitere Villen und Appartements, die zum Resort gehören und zum Kauf oder zur Miete angeboten werden, etwa im Neubau-Projekt «La Collina», fünf Minuten vom Borgo entfernt, wo auch ein eigener Pool für die Eigentümer/Mieter bereitsteht. Dazu gibt es «Casali», zum Resort gehörende, verlassene Landgüter, welche gekauft werden können. Der Startpreis liegt bei 3,5 Millionen Euro; die Renovation wird ab der Verkaufsunterzeichnung an die Hand genommen.

Insgesamt ist das Resort enorme 1100 Hektar gross – etwa sechs Mal so gross wie das Fürstentum Monaco. Wer keinen Mietwagen hat, um zu den einzelnen Resort-Bestandteilen (Golfplatz, Weinkellerei etc.) zu kommen, kann einen Shuttle beanspruchen. Transfers nach Florenz, Pisa etc. sind aber kostenpflichtig.

«Sowas machen wir nicht nochmals»

Das Castelfalfi lässt wirklich kaum Wünsche offen in Bezug auf Unterbringung oder Aktivitäten-Angebot. Auch die Lage ist hervorragend. Klar, das Meer ist ziemlich weit entfernt, fast eine Autostunde ist es zum nächsten Strand. Aber als Ausgangspunkt für sternförmige Exkursionen zu den toskanischen Kulturstätten liegt Castelfalfi ideal. Florenz ist 63 Kilometer oder rund eine Autostunde entfernt, nach Siena sind es 62 Kilometer und nach Pisa rund 55 Kilometer. Die Etruskerstadt und frühere Republik Volterra liegt in Sichtweite; auch San Gimignano, das «mittelalterliche Manhattan» mit seinen vielen historischen Türmen, ist nur rund 30 Autominuten von Castelfalfi entfernt.

Für die Gemeinde Montaione ist das Engagement von TUI ein Glücksfall – es sichert Jobs für rund 600 Personen. Das Resort ist inzwischen auch für Bewohner aus dem Umland zu einem Ort geworden, wo man sich trifft, essen oder einkaufen geht (einmal pro Woche findet im Sommer im Borgo ein Markt statt).

«Gut gemachter Tourismus kann viel Positives bewirken», erklärt hierzu Sebastian Ebel, Vorstandsmitglied der TUI Group, im Rahmen einer Präsentation. Ihm zufolge ist die Nachfrage für Castelfalfi, welches in deutschen Medien eine Zeit lang als «Krisenresort» verschrien wurde, sehr gut. 70 Prozent der Gäste seien Europäer, inzwischen gebe es aber zunehmend auch Amerikaner und Asiaten, welche von diesem «perfekten» Resort hören und gerne hierher kommen. «Von der Grösse wie auch von der Art des Ferienresorts sucht Castelfalfi seinesgleichen in Europa», konstatiert Ebel.

Allerdings wird TUI wohl kaum weitere solche Prestigeprojekte an die Hand nehmen. «Wir machen das nicht noch mal», sagt Ebel. Die gesamte Investitionssumme seit dem Kauf beträgt ihm zufolge «gegen 250 Millionen Euro»; für die Instandhaltung kommen weitere laufende Kosten auf TUI zu. Immerhin seien die Probleme mit Baugenehmigungen und dergleichen beseitigt. Doch dass die Investitionen im vom damaligen TUI-Chef Michael Frenzel lancierten Prestigeprojekt jemals wieder eingespielt werden, ist anzuzweifeln. Ein tolles Projekt ist Castelfalfi dennoch alleweil.

(JCR)