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Stamatis Voukouvalidis, ehem. Präsident des Reisebranchenverbandes Kos und Illias Sifakis, Stv. Bürgermeister der Stadt Kos, an der PK vom Donnerstag mit dem Metro-Titelblatt vom vergangenen August. Bilder: Samuel Schumacher

Politiker auf Kos überzeugt: Dieses Jahr kommen keine Flüchtlinge

Von Samuel Schumacher

Im vergangenen Sommer wurde die griechische Insel mit Flüchtlingen überrannt. Travelnews.ch hat sich vor Ort umgesehen und sprach mit Politikern.

„Hell on earth“ titelte die britische Zeitung Metro im August 2015 und zeigte auf der Frontseite Bilder des Antagoras Stadions auf der griechischen Insel Kos, in dem die Inselverwaltung mehrere tausend Flüchtlinge untergebracht hatte. Kos liegt nur wenige Kilometer entfernt vom türkischen Küstenort Bodrum, von wo aus Schlepperbanden im vergangenen Sommer fast stündlich vollbepackte Boote in Richtung Kos losschickten.

Die Flüchtlingswelle überschwappte die griechische Ferieninsel mitten in der Hauptsaison. Nebst den menschlichen Dramen vor ihrer Haustür machten der Inselbevölkerung auch die Drohungen ausländischer Reiseveranstalter zu schaffen. Vor allem britische Veranstalter kündeten im vergangenen Sommer an, die Ägäis-Insel aus ihrem Programm zu streichen, wenn Kos die Situation nicht bald in den Griff bekomme. Ein potentielles wirtschaftliches Disaster für die Insel, die mehr als 90% ihrer Einnahmen mit dem Tourismus erzielt.

„Kos war mit der Situation im Sommer 2015 völlig überfordert“, sagte Kos‘ Vize-Bürgermeister Ilias Sifakis an einer Pressekonferenz auf Kos vergangene Woche. Ein Durchgangslager für die Flüchtlinge, die meist sofort weiterziehen wollen in Richtung europäisches Festland, hatte Kos nicht. Die bis zu 8000 Syrer, Afghanen und Iraker, die zeitweise auf der Insel ausharrten, lebten auf den Strassen und Plätzen der Hauptstadt Kos. „Es war wirklich die Hölle“, sagte Illias Sifakis am Rande der Pressekonferenz.

Was ist seither auf Kos passiert? Travelnews hat die vergangenen Tage vor Ort recherchiert. Hier die Antworten auf die vier wichtigsten Fragen vor dem Start der Sommersaison 2016:

1) Wie sieht die Situation auf Kos derzeit aus und wie viele Flüchtlinge sind noch auf der Insel?

Die Situation auf Kos hat sich weitestgehend beruhigt. Derzeit leben noch knapp 60 Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan auf der Insel. Sie sind in einem Hotel in der Hauptstadt Kos untergebracht. Die Zelt- und Blachenstadt, in der im vergangenen Sommer tausende Flüchtlinge auf den Strassen Kos‘ gehaust haben, ist verschwunden, das Antagoras Stadion steht wieder leer. In den kommenden Wochen wird im Dorf Pyli zudem das erste Durchgangszentrum für Flüchtlinge auf Kos eröffnet, wo man allfällig neu eintreffende Flüchtlinge vorübergehend unterbringen wird. Neuankömmlinge gab es in den vergangenen fünf Monaten laut Angaben der Inselverwaltung allerdings kaum mehr. Die Strände im Westen der Insel, wo die meisten Touristen ihren Urlaub verbringen, waren von der Krise auch im vergangenen Sommer nicht betroffen. Kurz: Die Situation ist wie vor dem Sommer 2015, Kos ist sicher.

2) Kann man Kos-Reisenden garantieren, dass die Situation auch in den Sommermonaten ruhig bleiben wird?

Eine Garantie gibt es nicht. Die Flüchtlingsbewegung hat sich über die vergangenen Monate aber in Richtung nördliche Ägäis verlagert. Mit Abstand am meisten eintreffende Flüchtlinge verzeichnen die beiden Inseln Lesbos und Chios, die in unmittelbarer Nähe zur türkischen Küste liegen. Seit Dezember 2015 geht die türkische Stadt Bodrum, von wo aus die allermeisten Kos-Flüchtlinge ihre Meerüberquerung antraten, aktiv gegen Schlepperbanden vor. Die türkische Polizei fängt die Schlepper auf und leitet sie in Richtung Norden weiter. Bodrum ist für Flüchtlinge seit Anfang Jahr kaum noch zugänglich. Entsprechend muss Kos kaum mit Neuankömmlingen im Sommer rechnen. Aus griechischer Perspektive verspricht das im März zwischen der Türkei und der EU unterzeichnete Rücknahmeabkommen zudem zusätzliche Entspannung der Flüchtlingssituation in der Ägäis.

3) Wie sieht die Situation auf Rhodos, dem zweiten touristischen Hotspot in der östlichen Ägäis, aus?

Auf Rhodos sind derzeit 91 Flüchtlinge in einer alten Werft am östlichen Rand des Inselhauptortes Rhodos untergebracht. Die Tourismus Hotspots Faliraki und Lindos liegen rund 10, beziehungsweise 50 Kilometer von der Werft, in der die Flüchtlinge notdürftig untergebracht sind, entfernt.

4) Wie können hilfswillige Touristen vor Ort helfen?

Auf Kos: Die beiden lokalen Hilfsorganisationen Kos-Solidarity und KRNYH „Kos Refugees Need Your Help“ kümmern sich gemeinsam mit dem Roten Kreuz, dem Flüchtlingshilfswerk UNHCR und der engagierten Lokalbevölkerung um die Flüchtlinge auf der Insel. Der Bedarf an Spendenmaterialen variiert. Wer helfen will, sollte sich schon vor der Abreise mit den Hilfsorganisationen in Verbindung setzen. Sie geben gerne Auskunft, welche Materialen/Spenden gerade gebraucht werden. Auf Rhodos: Das lokale Hilfsprojekt „Helping Hands of Rhodes“ gibt es seit Ende Februar nicht mehr. Das auf der benachbarten Insel Symi beheimatete Hilfsprojekt „Solidarity Symi“ kennt die Situation auf Rhodos und kann entsprechende Auskünfte geben.

(Die Journalisten-Reise nach Kos vom vergangenen Wochenende wurde von Hotelplan Suisse organisiert)