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Beste Stimmung an der ATM: Philippe Raselli (Holiday Maker Tours, l.) mit Omar Hamour vom Fujairah Tourism Board. Alle Bilder: (c) Holiday Maker Tours

«An der ATM herrscht extrem viel Zuversicht»

Der Arabian Travel Market (ATM) in Dubai ist in vollem Gang - und es ist fast alles wieder wie früher. Travelnews hat sich mit Philippe Raselli (Holiday Maker Tours) über die wichtigste Tourismusmesse im Arabischen Raum unterhalten.

Endlich findet der Arabian Travel Market (ATM) in Dubai wieder als Live-Messe statt. Und die Touristiker aus aller Welt kommen in Scharen. Die wichtigste Tourismusmesse im Arabischen Raum begann am Montag (9. Mai) und wird heute Abend (12. Mai) enden. Rund 1500 Unternehmen sind als Aussteller dabei, dazu werden total rund 20'000 Besucher erwartet. Laut Messeveranstalter Reed Exhibitions ist die Ausstellungsfläche gegenüber dem Vorjahr - als die Messe hbrid durchgeführt wurde und Covid noch ein grösseres Thema war - um 85 Prozent angewachsen; besonders erfreulich sei jedoch, dass die Fläche von Ausstellern aus dem Nahen Osten das Niveau von 2019 übertrifft.

Die Tourismusbranche im Arabischen Raum schein sich gut erholt zu haben. Das bestätigt auch Philippe Raselli (Holiday Maker Tours), welcher derzeit die Messe besucht und mit welchem sich Travelnews telefonisch unterhielt. «Es ist richtig was los, die Stimmung ist euphorisch und alle sind hier überzeugt, dass der Tourismus richtig stark zurückkommt», schwärmt Raselli. Besonders das persönliche Treffen werde geschätzt, das Networking wurde von allen Seiten vermisst, und selten sei eine Messe so intensiv gewesen: «Nach der Zoom-Zeit hat man wieder richtig Lust auf die Meetings, und meine Agenda ist die ganzen Tage knallvoll», so Raselli. Natürlich besucht er viele Geschäftspartner, welche er lange nicht mehr persönlich zu Gesicht bekommen hat, aber schaut sich natürlich auch Neuheiten an. «Ich bin praktisch ausschliesslich mit arabischen Destinationen beschäftigt», hält er fest - dabei bietet die ATM durchaus noch mehr.

112 Länder sin auf der Messe vertreten - auch Italien, Griechenland, dieTürkei, die Slowakei oder Zypern sind mit Ständen vertreten, dazu asiatische Ziele wie Indonesien, Japan, Malaysia oder Korea, oder auch Südafrika, Georgien und gar Jamaika. Das Interesse am arabischen Quellmarkt ist nämlich auch gross - zumal auch dort «Corona vorbei zu sein scheint, wie in der Schweiz», wie Raselli festhält. An der Messe sehe man nur noch sehr wenige Leute mit Masken, die Einreise sei einach, und der arabische Raum sei ohnehin nie allzu streng im Hinblick auf Covid-Regeln gewesen.

Und was hat Raselli nun denn alles besucht? Da wären einmal die Klassiker, also Dubai, Abu Dhabi, der Oman oder Saudi-Arabien, welche allesamt riesige Stände bieten. Erfreut zeigt sich Raselli über Jordanien; da sei das Interesse des Tourist Board an europäischen Quellmärkten wie der Schweiz wieder merklich gestiegen. Da trifft es sich gut, dass Royal Jordanian wieder in die Schweiz fliegt. Raselli interessiert sich als Spezialist aber auch für Nischenziele - so zum Beispiel für Fujairah, ein Emirat, welches aus seiner Sicht unverdient weniger Aufmerksamkeit geniesst als andere Emirate, obwohl auch da tolle Strände und gute Hotels zu finden seien. Oder auch der Irak, mit einem Stand an der ATM präsent, sei extrem spannend - wobei Raselli weiss, dass es im Schweizer Markt wohl noch eine Weile ein kleines Nischenprodukt bleiben wird. Das Gros der Neuheiten, so Raselli, komme natürlich aus dem Hotelsektor. In Dubai eröffnen in Kürze das Atlantis The Royal oder das Jumeirah Marsa-al-Arab, natürlich gibt es in weiteren Ländern noch viele weitere spannende Eröffnungen oder auch Neupositionierungen/renovierte Hotels. Ein Umstand, der zu einem bekannten Messephänomen führt: Bereits am Mittwoch seien deutlich weniger Personen auf der Messe als noch am Montag gewesen. Dies ist laut Raselli wohl dem Umstand geschuldet, dass nach 2-3 Messetagen viele die neuen Hotels in der Nähe gleich live besichtigen gehen.

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Noch nicht ganz zurück auf altem Level - aber bald

Man darf an dieser Stelle aber auch sagen: Selbst wenn die Euphorie über den Restart gross ist, so braucht es schon noch etwas Anlaufzeit, bis alles wieder beim Alten ist. Mabrian Technologies, ein führendes Unternehmen für Tourismusinformationen, hat im Rahmen der ATM nämlich die wichtigsten Reiseziele im Nahen Osten analysiert. Oder genauer: Die Konnektivitätsdaten für die neun wichtigsten Reiseziele im Nahen Osten (Kairo, Tel Aviv, Jeddah, Medina, Riad, Dubai, Abu Dhabi, Bahrain und Doha), wobei dafür die wichtigsten traditionellen europäischen Quellmärkte (Spanien, Frankreich, Deutschland, Vereinigtes Königreich, Österreich, Italien, Griechenland und Schweiz) untersucht wurden.

Die Ergebnisse zeigen, dass es für die wichtigsten Reiseziele im Nahen Osten schwierig ist, ihr Verkehrsaufkommen von vor der Pandemie wieder zu erreichen. Von den neun untersuchten Zielen haben nur zwei das Niveau von 2019 erreicht oder ihre Verbindungen verbessert: Kairo und Riad. Medina sei derweil die Stadt, die am weitesten von ihren Zahlen für 2019 entfernt ist.

Und dann gibt es noch den Punkt der Teuerung: Bei den Unterkünften zeigt die Analyse der Durchschnittspreise von 1141 Hotels aller Kategorien in diesen Städten für die nächsten Monate einen erheblichen Preisanstieg. Die Preise sind laut Mabrian im Durchschnitt um mehr als 20 Prozent gestiegen und haben in einigen Fällen sogar +80 Prozent erreicht. Die Städte mit den teuersten Unterkünften sind Medina, Dubai und Tel Aviv, wo die Durchschnittspreise pro Nacht zwischen 136 und 168 Euro liegen.

Raselli bestätigt, dass die Preise steigen und die Angebote in den arabischen Destinationen tendenziell teurer geworden sind. Er glaubt aber nicht, dass dies der Nachfrage stark schaden will; der Nachholbedarf sei gross und die Arabischen Länder kraft ihre Nähe, Zugänglichkeit, Sicherheit und Vielfalt gut platziert, um viel Nachfrage zu generieren. «Die Bemühungen einiger Länder, den Sommertourismus anzukurbeln, also mehr Europäer in der Tiefsaison nach Dubai anzulocken, dürften kaum fruchten», glaubt Raselli - dafür sei es schlicht zu heiss und viele bevorzugen den europäischen Sommer. Aber wenn es bei uns kälter wird, dann wird wieder in Massen nach Dubai & Co. gereist. «An der ATM herrscht extrem viel Zuversicht», schliesst Raselli.

(JCR)