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Das vor wenigen Monaten eröffnete Summit One Vanderbilt ist ein neues Kulturerlebnis in New York City - und bietet völlig neue Perspektiven auf die Stadt. Bild: NYC & Co.

«New York City will sich neu vorstellen»

Jean-Claude Raemy

Die beliebte US-Metropole konnte fast zwei Jahre lang von ausländischen Touristen nicht besucht werden. Inzwischen ist das wieder möglich, und der «Big Apple» bietet mehr denn je. Über das grosse Comeback wird New York City diese Woche vor Ort in Zürich informieren. Travelnews hat bereits im Vorfeld dazu mit Reginald Charlot (Managing Director Tourism Market Development, NYC & Co.) diskutiert.

Reginald Charlot

Herr Charlot, NYC & Co., die Tourismusvermarktungsorganisation der Stadt New York, kommt diese Woche nach Zürich. Was haben Sie vor und was sind Ihre Ziele?

Nach zwei Jahren «Abschottung» ist New York City inzwischen wieder ein Reiseziel, welches ausländischen Besuchern, darunter jenen aus der Schweiz, offensteht. Das Ziel unseres Besuchs ist klar: Wir möchten nun unsere Stadt und deren Attraktionen gewissermassen in Erinnerung rufen, oder man könnte auch sagen, New York City will sich neu vorstellen. Zu diesem Zweck führen wir im Ameron Zürich Bellerive au Lac am kommenden Donnerstag, 17. März, einen Event für ausgewählte Top-Agenten durch. Dabei werden wir von ein paar Partnern unterstützt, etwa United Airlines, welche ja Zürich und New York auf dem Luftweg verbindet, sowie diverse Vertreter von New Yorker Attraktionen. Am Freitag, 18. März werden wir zudem Einzelgespräche mit Schweizer Reiseveranstaltern führen, welche die USA im Programm haben.

Schön, dass Sie die Schweiz beehren!

Die Schweiz ist für uns schon immer ein wichtiger Markt gewesen, und es liegt uns viel daran, diesen nun auch wieder aktiv zu bearbeiten. Genau genommen sind wir vor dem Besuch in Zürich auch noch in Deutschland - in Frankfurt, Hannover und Hamburg - unterwegs, und nach Zürich dann auch noch in Madrid. Abgesehen von einem Besuch in London im Rahmen der Brand USA Travel Week im vergangenen Oktober ist dies der erste Marketing-Besuch in Übersee seit Beginn der Pandemie. Das unterstreicht die Wichtigkeit des deutschsprachigen Marktes für uns.

Können Sie etwas zu den Zahlen sagen, welche New York City touristisch zuletzt verzeichnete?

Wir brechen das aktuell noch nicht auf einzelne Märkte herunter. Klar ist: 2021 verzeichneten wir lediglich 2,7 Millionen internationale Besucher, wobei die meisten davon aus Nachbarländern wie Mexiko oder Kanada stammten, da die USA ansonsten praktisch dicht waren. Für das aktuelle Jahr rechnen wir bereits wieder mit 8 Millionen internationalen Besuchern. Damit wären wir dann bereits wieder auf etwa zwei Dritteln des Niveaus von 2019.

2019 war mit insgesamt 66,6 Millionen ein touristisches Rekordjahr für New York City, davon waren über 13 Millionen ausländische Besucher. Wann rechnen Sie mit einer Rückkehr zu diesem Niveau?

Zunächst möchte ich festhalten, dass New York während der Pandemie nicht komplett «verschlossen» war, sondern schon früh wieder zahlreiche inländische Besucher und einige aus dem Ausland in die Stadt kamen. Das hat es vielen Unternehmen erlaubt, über die Runden zu kommen, und sich auch touristisch weiter zu entwickeln. Das Angebot ist also weiterhin breit und es gab auch viele Neueröffnungen während der Pandemie. Allerdings ist uns auch klar, dass Covid eine Zäsur darstellte, und es Zeit brauchen wird, bis wieder wie zuvor gereist wird. Wir rechnen damit, dass wir ab 2024 oder 2025 wieder Rekordzahlen vermelden können.

«Wir erwarten eine Rückkehr zum Niveau von 2019 erst ab 2024 oder 2025.»

Sie sprechen von Neuerungen. Was gibt es für «USA-Rückkehrer» oder auch für Erstbesucher denn zu entdecken?

Erstbesucher schauen sich in der Regel die «Iconics» an, also die weltbekannten Sehenswürdigkeiten der Stadt, wie die Freiheitsstatue oder den Times Square. Je öfter jemand nach New York kommt, desto grösser wird die Neugier sein, auch Neues zu entdecken, und sich auch in die «Boroughs» ausserhalb von Manhattan zu bewegen.

Zu Ihrer Frage: Erwähnenswert ist sicher, dass wir eine neue, weitere tolle Aussichtsplattform haben. Wer die Aussicht vom Empire State Building, dem Top of the Rock im Rockefeller Center, dem One World Observatory oder auch sogar schon vom Edge at Hudson Yards - welches aber erst 2020 eröffnet wurde - kennt, findet mit dem Summit One Vanderbilt eine fünfte Aussichtsplattform. Diese bietet nicht nur einen neuartigen, spektakulären
Ausblick, sondern auch den einzigen gläsernen Aussenaufzug der Stadt, namens Ascent. Mit dem City Climb beim Edge at Hudson Yards gibt es zudem nun eine «Skyscraping Adventure», bei welcher man. nur mit einem Seil gesichert, an der Aussenwand des Gebäudes hochgeht und beim Edge am Rand des Gebäudes hindernisfrei auf die Stadt blicken kann - in 366 Metern Höhe... Wem das alles zu gewagt ist, kann seit Kurzem New York auch virtuell überfliegen: RiseNY ist ein immersives, interaktives Erlebnis, bei dem die Besucher New York City aus der Vogelperspektive betrachten können, und doch nur in Sitzen wenige Meter über dem Boden schweben.

Was ist mit dem Kulturbereich?

Auch da gibt es viel Neues zu bieten. Natürlich sind alle Broadway-Shows zurück. Zudem gibt es neu das Museum of Broadway, das erste permanente Museum, welches dem Broadway gewidmet ist, und diesen Sommer am Times Square eröffnen wird. Das weltberühmte Apollo Theatre in Harlem erfährt mit dem Victoria Theatre erstmals eine umfassende Erweiterung; die Eröffnung erfolgt in wenigen Tagen. Und wenn wir uns mal ausserhalb von Manhattan bewegen: Das Louis Armstrong House Museum in Corona, im Stadtteil Queens, wird derzeit räumlich und programmatisch erweitert, um ein neues Kulturzentrum zu schaffen, das noch in diesem Jahr eröffnet werden soll und eine interaktive Ausstellung, Archivsammlungen, einen Jazzclub mit 68 Plätzen und ein Geschäft umfasst. In diesem Jahr wird ausserdem das Bronx Children's Museum neu eröffnet, nachdem es in ein neues Haus im Mill Pond Park umgezogen ist.

Über das reiche Angebot an Konzerten, Ausstellungen, Festivals und Paraden brauchen wir gar nicht erst anfangen, das würde den Rahmen des Interviews sprengen... und dabei haben wir noch gar nicht über das Gastronomie-, Shopping- oder Sportangebot geredet.

Reden wir aber über das Hotelangebot. Was gibt es da Neues?

Sehr viel! Über 9000 neue Hotelzimmer werden allein in diesem Jahr zum Portfolio von New York City hinzukommen. Damit kommen wir auf ein verfügbares Total von rund 128'000 Hotelzimmern. Ein mit Spannung erwartetes Highlight ist das Aman New York Fifth Avenue, das erste urbane Hotel der Nobelmarke in Nordamerika. Ebenfalls im Luxusbereich ist das neue Ritz-Carlton NoMad, welches vom neuen Madison Square Park inspiriert ist. Ebenfalls neu sind das Hard Rock Hotel New York in Midtown Manhattan. Darüber hinaus wird die Marke Renaissance Hotels in den kommenden Monaten Häuser in Harlem und Flushing eröffnen. Das Virgin Hotel New York City und das Hotel Barrière Le Fouquet's New York werden voraussichtlich in diesem Sommer eröffnet, und Moxy Hotels werden noch in diesem Jahr Häuser in Manhattans Lower East Side und in Williamsburg, im Stadtteil Brooklyn, eröffnen. Ach ja, und das The Fifth Avenue Hotel wird voraussichtlich im Herbst eröffnet.

Da gibt es einiges an Vermarktungsarbeit. Wie erfolgreich war eigentlich die grosse 30-Millionen-Dollar-Marketingkampagne?

Die Kampagne wurde zunächst im Inland lanciert, gemeinsam mit AAA und Amtrak. Danach folgten die Nachbarländer. Ab dem 8. November folgten die europäischen Länder - Grossbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland. Das war bislang aus unserer Sicht sehr erfolgreich. Nun nehmen wir dann die zweite Welle in Angriff, bei welcher noch weitere, kleinere Märkte direkt bearbeitet werden. Es ist noch unklar, welche Länder darin berücksichtigt sein werden. Die Schweiz ist aber sicher auf unserem Radar.

«Seit dem 7. März 2022 ist das Vorlegen eines Impfzertifikats oder das Tragen von Masken in New York City nicht mehr gesetzlich vorgeschrieben.»

Aus der Schweiz ist ja auch die Flugkapazität nach New York nun wieder ungefähr auf dem Level von 2019, während auch immer mehr Kreuzfahrt-Unternehmen den Hafen von New York wieder ansteuern... Könnte die Rückkehr zu prä-pandemischen Besucher-Niveaus nicht schneller als erwartet erfolgen? Viele wollen doch nach zwei Jahren «No go» die USA wieder bereisen.

Die Feststellung ist richtig und wir sind sehr zuversichtlich. Aber wie erwähnt, die Rückkehr zu früheren Levels wird nicht von alleine und sofort erfolgen. Man weiss nicht so recht, was in naher Zukunft noch alles passiert, die Pandemie ist noch nicht komplett vorbei und die geopolitische Situation ist unsicherer als auch schon. Daher sind wir bei unserem Forecast eher konservativ und erwarten die Zahlen von 2019 erst 2024 wieder. Wenn es früher geschieht, umso besser. Die Zahlen aus den ersten beiden Quartalen seit der Wiedereröffnung der USA sind jedenfalls ermutigend.

Natürlich ist auch wichtig, wie die Situation vor Ort ist. Wie ist denn das Alltagsleben vor Ort, was ist dabei weiterhin relevant für Touristen?

Zunächst einmal gibt es ja die Regeln für die Einreise in die USA - für welche New York ja oft Gateway ist. Hier gilt, vereinfacht gesagt: Alle Personen ab 18 Jahren müssen gegen Covid geimpft sein, dazu muss jede Person noch ein maximal 24 Stunden altes negatives Testergebnis vorlegen. In New York hat sich die Situation inzwischen etwas entspannt: Seit dem 7. März 2022 ist das Vorlegen eines Impfzertifikats für den Besuch von Restaurants, Theatern, Läden oder Sehenswürdigkeiten nicht mehr gesetzlich vorgeschrieben, kann aber noch verlangt werden - das liegt im Ermessen des jeweiligen Leistungs-Anbieters. So muss beispielsweise für den Besuch des Whitney-Museums oder einer Broadway-Show weiterhin ein Zertifikat vorgelegt werden. Gleich verhält es sich mit der Maskenpflicht. In vielen Restaurants werden Masken noch verlangt, doch von Gesetzes wegen ist dies nicht mehr der Fall. Reisende müssen sich vorgängig informieren, was wo verlangt wird.

Das ist jedenfalls ein grosser Schritt vorwärts. Dieser hat damit zu tun, dass die Fallzahlen inzwischen sehr tief sind. In der vergangenen Woche wurden in unserer Stadt, die über 8 Millionen Einwohner zählt, nur 550 neue Covid-Fälle registriert.

Das ist in der Tat sehr tief. Zuletzt noch: Hat sich etwas bei den Preisen verändert?

Nicht wirklich. Die Preise für Hotels und Attraktionen sind, einfach mal als Durchschnittsgrösse formuliert, in etwa auf demselben Niveau geblieben. Die Prämisse ist, dass infolge der Pandemie die Kosten gestiegen sind, und dass viele Reisende infolge der Pandemie beim Reisebudget sparen konnten, weshalb man die Preise trotz vorübergehend tieferer Nachfrage auf demselben Niveau beliess. Wir wissen, dass der Schweizer Franken nun wieder erstarkt und gegenüber dem Dollar zwar nicht wesentlich verändert, aber immer noch vorteilhaft ist - gerade Schweizer können sich jetzt eine New-York-Reise doch gut erlauben...

Unsere Hoffnung ist, dass nun auch etwas länger gereist wird. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von Schweizern in New York betrug vor der Pandemie zwischen 4 und 5 Nächten; es wäre schön, wenn das auf 7 bis 8 Nächte steigt. Genügend zu tun hat es in unserer Stadt auch für solch eine Zeitdauer auf jeden Fall, erst recht, wenn man auch die anderen «Boroughs» kennenlernen will. New York bietet auch Strände, Wellnessmöglichkeiten, zahllose Events und auch Ausflugsmöglichkeiten. Jetzt ist wirklich die Zeit gekommen, unsere Stadt neu, oder auch erstmals, kennen zu lernen.

(Das Interview wurde auf Englisch geführt)