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Im Pazifikstaat Tonga ist ein Unterwasser-Vulkan ausgebrochen. Die Sachschäden dürften enorm sein - auch bei der touristischen Infrastruktur. Bild: SRF Screenshot

«Für Tonga ist es extrem traurig»

Von Nina Wild

Vergangenen Samstag (15. Januar) ereignete sich vor der Südsee-Insel Tonga eine gewaltige Eruption des Untersee-Vulkans Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai. Auch wenn die Folgen der Katastrophe noch weitgehend unklar sind, erwarten Fabio Merki (Ozeania Reisen) und Dominic Eckert (Dreamtime Travel) Auswirkungen auf den Tourismus.

Ein gewaltiger Knall erschütterte vergangenen Samstag die abgelegene Inselgruppe Tonga im Südpazifik. Auf 170 Inseln leben rund 100'000 Menschen. Der Staat liegt 2380 Kilometer von Neuseeland entfernt.

Grund für den Knall war eine immense Eruption des Untersee-Vulkans Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai im Pazifik. Was folgte, war eine riesige Aschewolke, die zwanzig Kilometer hoch in die Stratosphäre aufstieg. Ausserdem wurde ein Tsunami ausgelöst. Dieser suchte nicht nur die zum Staat gehörigen Inseln heim, sondern schlug rund um den Pazifik beispielsweise auch im 8000 Kilometer entfernten Japan oder Peru hohe Wellen.

Den grössten Schaden dürften die Tonga-Inseln selbst abbekommen haben. So unterbrachen die Wassermassen die Telefon- und Internetverbindungen. Die internationale Kommunikation ist durch die Beschädigung eines Unterseekabels stark beeinträchtigt, es könnte über eine Woche dauern, bis die Leitungen wiederhergestellt sind. Aufklärungsflugzeuge aus Neuseeland versuchen seit Montag, sich ein Bild der Lage in Tonga zu machen. Doch die Arbeiten werden aufgrund der gigantischen Aschewolke erschwert.

Touristinnen und Touristen dürften nur wenige im Land unterwegs sein. «Da Tonga seine Grenzen für Touristen nach wie vor geschlossen hat, hatten wir auch keine Kunden vor Ort. Allerdings hatte der Vulkanausbruch Auswirkungen auf den Flugverkehr in der Südsee», erklärt Fabio Merki, Geschäftsführer von Ozeania Reisen AG auf Anfrage. Aufgrund der Aschewolken und daraus folgenden Annullationen, mussten Kunden, welche am 16. Januar mit Fiji Airways von Honolulu, Hawaii nach Nadi, Fiji geflogen wären, umgebucht werden. «Nun können die Kunden am 20. Januar via Los Angeles nach Nadi fliegen, nachdem die Gefahr im Zusammenhang mit der Aschewolke als niedrig eingestuft wurde.» Auch Dreamtime Travel-Geschäftsführer Dominic Eckert hat derzeit keine Kunden auf dem Inselstaat: «Es sind sicher keine Kundinnen und Kunden von Dreamtime betroffen und ich denke auch sonst keine Touristen.»

Riesiger Sachschaden

In mehreren Medienberichten ist die Rede, dass 80'000 bis 100'000 Menschen auf Tonga von der Katastrophe betroffen sind. Die Asche habe das Trinkwasser verschmutzt und es kam zu riesigem Sachschaden. Wurden auch touristische Einrichtungen zerstört? Merki sagt: «Wir haben von unserem DMC und Partner bisher keine Meldungen erhalten, dass touristische Einrichtungen in Mitleidenschaft gezogen wurden, gehen aber davon aus.» Eckert habe diesbezüglich ebenfalls noch keine Informationen erhalten.

Der «Tagesanzeiger» berichtet derweil, dass das Ha’atafu Beach Resort auf der Halbinsel Hihifo, 21 Kilometer westlich der Hauptstadt Nuku’alofa, «vollständig zerstört» wurde. Ausserdem wird Zdenko Matthew Seselja, australischer Minister für internationale Entwicklung und den pazifischen Raum, wie folgt zitiert: «Wir wissen, dass es grosse Zerstörung in den Ferienorten gibt.» Der Flughafen von Tonga sei in einem relativ guten Zustand.

Wie wichtig der Tourismus für den Pazifikstaat ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Vor der Pandemie im Jahr 2019 reisten 94'000 Touristen (2018: 77'300 Touristen ) in das Inselparadies und brachten Tonga umgerechnet rund 53 Millionen Franken (2018: 42 Millionen Franken) ein. Der Anteil am BIP durch den Tourismus betrug Vor-Corona 11,14 Prozent. Dies gibt dem Ozeanien-Spezialist Merki zu denken: «Für Tonga ist es natürlich gerade hinsichtlich einer möglichen Grenzöffnung, sei es auch nur mit Ländern wie Neuseeland oder Australien, extrem traurig, dass ein erheblicher Sachschaden entstand. Es verzögert sich dadurch alles einmal mehr. Der Tourismus hat auf Tonga einen erheblichen Stellenwert gewonnen.»

In welchem Ausmass die Tourismus-Industrie tatsächlich betroffen ist, gilt es laut Eckert erst einmal abzuwarten: «Das hängt stark davon ab, ob die Infrastruktur in Mitleidenschaft gezogen wurde und wie die Schäden auf den Inseln sonst aussehen. Kurzfristige Abreisen haben wir aufgrund der Pandemie nicht – aber es gibt einige Buchungen für Sommer und Herbst. Da warten wir jetzt mal ab – in den nächsten Tagen und Wochen kann man sich dann bestimmt ein besseres Bild machen.»