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Internationale Touristen waren in den USA 2021 viel zu selten. Bild: Samson Katt

Die USA öffnen die Landgrenzen zu Kanada und Mexiko

Die Freude über die bevorstehende Öffnung des Landes für europäische Reisende darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass während fast elf Monaten bei den internationalen Ankünften kaum etwas passierte. Die Zahlen sind ernüchternd.

Laut einer neuen Ankündigung des U.S. Department of Homeland Security (DHS) werden die USA im November ihre Landgrenzen auch für nicht zwingende Reisen aus Kanada und Mexiko öffnen. Vorgabe: Nur Personen, die vollständig gegen Covid-19 geimpft sind, dürfen in die USA einreisen. Ein genaues Datum wurde auch in diesem Fall nicht formuliert, lediglich von «early November» ist die Rede.

Während des grössten Teils der Covid-19-Pandemie war die Einreise in die USA auf dem Land- und Fährweg aus Mexiko und Kanada für nicht zwingende Reisen - also für touristische Zwecke, aber auch für den Besuch von Freunden oder Verwandten - verboten. Da jedoch die drei grössten Länder Nordamerika mit ihren Impfbemühungen gut vorankommen, hat die US-Regierung nun beschlossen, dass es an der Zeit sei, die Beschränkungen aufzuheben. Die Covid-19-Impfquote in den USA liegt derzeit bei 56,8%, in Kanada bei 72,2% und in Mexiko bei nur 37,6%. Obwohl die Impfquote in den USA weitaus niedriger ist als in Kanada, hat der nördliche Nachbar bereits im August den Zugang für vollständig geimpfte Amerikaner erlaubt.

Seltsamerweise müssen «essential workers» (wichtige Arbeitskräfte), welche in die USA einreisen, derzeit nicht geimpft sein, und das Department of Homeland Security schreibt die Impfung für diese Personen erst ab Januar 2022 vor. «Dieses Vorgehen gibt Reisenden wie Lastwagenfahrern, Studenten und Beschäftigten im Gesundheitswesen ausreichend Zeit, sich impfen zu lassen», schreibt das DHS in einer Erklärung.

Aus Sicht von Schweizer Reisenden eröffnet dies eventuell vorübergehend neue Möglichkeiten zur Einreise in die USA, zumal Kanada bereits geöffnet ist. Aktuell ist das genaue Öffnungsdatum der USA für direkte Einreisen von Europäern auf dem Flugweg immer noch nicht bekannt, ebenso wenig wie die damit verbundenen Modalitäten. Statuiert wurde einst «Anfang November», doch die meisten Reiseindustrie-Grössen gehen inzwischen davon aus, dass es mit der Öffnung bis zum Thanksgiving (dieses findet 2021 am 25. November statt) dauern könnte.

Öffnung nur für vollständig Geimpfte

Roger Dow, der Präsident der U.S. Travel Association (USTA), zeigte sich über den Entscheid zur Öffnung der Landgrenzen erfreut: «Wir begrüssen den Plan der Regierung Biden, die Einreisebeschränkungen für geimpfte Besucher zu lockern. Diese Massnahme wird zu einem willkommenen Anstieg der Reisetätigkeit aus unseren beiden wichtigsten Herkunftsmärkten für Inbound-Reisen führen.» Gleichzeitig erinnert er daran, dass der Rückgang der internationalen Besucherzahlen seit Beginn der Pandemie zu einem Verlust von Exporteinnahmen in Höhe von mehr als 250 Milliarden Dollar und von mehr als einer Million Arbeitsplätzen in den USA geführt hat. Deshalb sei «die vollständige Wiedereröffnung des internationalen Reiseverkehrs in die USA für vollständig geimpfte Personen überfällig».

Man hört hier bereits heraus, dass die Öffnung wohl auch bei Europäern lediglich für vollständig Covid-geimpfte Personen erfolgen wird.

Die Öffnung wird das US-Reisejahr 2021 nicht retten

Die Öffnung der Grenzen zu Kanada und Mexiko und kurz danach auch für die ganze bislang noch ausgeschlossene Welt - darunter auch die Schweiz - hat in den USA lebhafte Diskussion darüber entfacht, was im vierten Quartal noch möglich sein könnte. Es kann gut sein, dass dieses für den Inbound Tourismus der USA erstmals seit langem wieder schwarze Zahlen produziert. Doch es wird das Jahr bei Weitem nicht retten können.

Laut Zahlen des staatlichen National Travel and Tourism Office (NTTO) haben die USA im Jahr 2021 bislang 4'732'369 ausländische Besucher verzeichnen können. Das ist gegenüber dem schlechten Jahr 2020 nochmals ein Rückgang von 27 Prozent (damals konnten aber noch drei «normale» Monate zu Jahresbeginn verzeichnet werden). Der Rückgang aus Westeuropa betrug 80%, jener aus Asien rund 65%, jener aus Ozeanien 90%. Demgegenüber konnte Südamerika wieder zulegen, um 70%, und Zentralamerika gar um 207% (gemessen wird immer nach «Country of Residence»). Die Top-Quellmärkte waren bislang Kolumbien, Peru und Ecuador; das sagt vieles aus über den Stellenwert der Einreiseprozeduren. Interessant in diesem Zusammenhang: Chinas und Indien sind zurück in den Top 15 der Überseemärkte - das hat allerdings mit der grossen Anzahl von Studenten aus China und Indien zu tun. Dass die Einreise mit einem Studentenvisum schon länger wieder erlaubt ist, wussten Travelnews-Lesende bereits.

Wo liegt die Schweiz? Früher stets einer der Top-20-Quellmärkte, ist die Schweiz im Jahr 2021 bislang auf Rang 44 zurückgefallen (Stand Ende August 2021), mit lediglich 15'189 Einreisen. Auch da wird nach «Country of Residence» gezählt, d.h. in dieser Zahl dürften viele in der Schweiz wohnhafte Amerikaner enthalten sein. Damit liegen wir gar hinter Quellmärkten wie Nicaragua, Ägypten oder Nigeria. Deutschland, mit etwas über 67'000 Einreisen, liegt auf Platz 21. Man kann, sowohl für die Schweizer Reisebranche als auch für den Inbound-Tourismus der USA, lediglich hoffen, dass es 2022 wieder steil aufwärts geht.

(JCR)