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Herz was willst Du mehr? Sogar der weltberühmte Traumstrand Anse Lazio ist praktisch menschenleer. Bild: JCR

Auf Stippvisite im Paradies

Von Jean-Claude Raemy

Travelnews hat sich auf Einladung von Tourism Seychelles und Qatar Airways auf den Seychellen umgesehen. Fazit: Der kleine Inselstaat ist jetzt erst recht eine Reise wert.

Auf der Rollbahn des Flughafens von Mahé angekommen, breitet sich die innere Ruhe gleich aus. Auf der einen Seite Sonnenschein, auf der anderen Seite bedrohliche Wolken, tropische Temperaturen und angenehme Brise, der süsse Duft tropischer Wälder gepaart mit dem Kerosin. Wunderbare Kontraste in einem Land, das fälschlicherweise oft als monoton angesehen wird. Von wegen! Die Seychellen bieten auf kleinem Raum enorm viel, aussergewöhnliche Landschaften, erstaunliche Gastronomie, Englisch und Französisch, und eine wunderbare Willkommenskultur. Diese durfte ich 18 Jahre nach meinem letzten Besuch im Land noch einmal erleben - und habe festgestellt, dass vieles gleich geblieben ist und vieles sich auch verändert hat. Kommen Sie mit auf die Neuentdeckung dieser paradiesischen Destination.

Die Anreise

Wichtig zu wissen: Für die Einreise auf die Seychellen braucht es einen bei Abflug maximal 72 Stunden alten PCR-Test. Das gilt auch für vollständig Geimpfte. Oder umgekehrt: Ungeimpfte können, sofern der negative PCR-Test vorliegt, auch einreisen. Darüber hinaus muss ein Einreiseformular ausgefüllt werden, für welches der PCR-Test vorliegen muss - es kann also lediglich kurz vor Abflug eingereicht werden. Kostenpunkt: 10 Dollar. Innerhalb von 9 Stunden erhält man das Dokument, also die Einreiseerlaubnis, garantiert zurück, sofern alle Dokumente in Ordnung sind. Man kann auch eine Express-Version verlangen, bei welcher die Dokumentenkontrolle innert 30 Minuten erfolgt, dies kostet dann aber 70 Dollar.

Liegt alles vor, steht der Einreise nichts im Weg. Einige Journalisten treffen sich am Flughafen Zürich und können dann endlich mal wieder den Gang zum Dock E antreten, wo der A350 von Qatar Airways wartet. Auf dem Weg nach Doha können wir die geräumige Economy Class testen. Das vielseitige Unterhaltungsprogramm und das gute Essen lassen den knapp sechsstündigen Flug im Nu vergehen. Der Hamad International Airport in Doha - soeben zum besten Flughafen der Welt gekürt - verzückt dann mit topmoderner Infrastruktur, zahllosen Shopping-Angeboten (und das 24/7) und einer unmissverständlichen Signaletik. Wir dürfen in die riesige Al Mourjan Business Lounge, wo man sich unkompliziert hochkarätig verpflegen kann, denn anschliessend geht es weiter in Business Class auf die Seychellen. Im Einsatz ist dieses Mal eine Boeing B777 mit topmoderner Business Class, allerdings nicht das neue Paradeprodukt QSuite. Dennoch vergehen die fünf Flugstunden wiederum rasant, dank hervorragendem Essen, Filmen oder auch einer Schlafgelegenheit unter einer wohlig warmen Decke. Insgesamt erscheint die lange Reise recht kurzweilig und die Reise in den Indischen Ozean zum 7. Grad südlich des Äquators angenehm kurz.    

Teil 1: Praslin

Da auf den Seychellen derzeit keine Gruppenansammlungen gestattet sind, gibt es zwei Journalistengruppen mit je eigenem Reiseprogramm. Für meine Gruppe geht es nach der Ankunft gleich weiter auf Praslin, die zweitgrösste Insel der Seychellen. Dorthin geht es ab dem Domestic Terminal mit einem 15-minütigen Flug von Air Seychellen, mit einer 16-plätzigen DHC «Twin Otter». Diesbezüglich hat sich gegenüber 2003 noch nichts geändert. Lediglich, dass man kaum mehr Grossraumflugzeuge von Air Seychelles sieht und am Flughafen in Mahé praktisch nur Golf-Airlines sowie Aeroflot-Maschinen zu sehen sind, ist anders.

Nach der Landung auf dem kleinen Flughafen von Praslin erfolgt der Transfer ins Hotel Constance Lémuria. Das Fünfstern-Hotel besticht mit seiner exklusiven Lage im Nordwesten der Insel und umschliesst eine kleine Halbinsel, auf welcher sich lediglich das Restaurant The Nest befindet. Südlich davon liegt der grössere Strand Anse Kerlan, an welchem wegen starker Strömung jedoch vom Schwimmen abgeraten wird; nördlich befindet sich die Petite Anse Kerlan, an welcher Liegen zu finden sind und wo dem Badespass im 28 Grad warmen Meer nichts im Weg liegt. Das Filetstück des Constance Lémuria ist jedoch der 18-Loch-Golfplatz - der einzige der Seychellen! - auf welchem auch schon die European Tour Halt gemacht hat. General Manager Bruno Le Gac empfängt uns beim Tee 15, dem «Signature Hole» des Golfplatzes, zum Apero mit Blick auf Sonnenuntergang und die benachbarte Insel Aride. Wir dürfen auch einen Abschlag wagen, wobei sich das Green rund 50 Meter entfernt und auch 50 Meter tiefer befindet. Ein Schlag gelingt, einer geht geradewegs Richtung Anse Georgette. Dieser kleine Strand gehört zu den schönsten der Seychellen und ist quasi den Gästen des Lemuria vorbehalten, obwohl es ein öffentlicher Strand ist - aber um ihn zu erreichen muss man durch den Golfplatz des Lemuria. Mein missratener Ball trifft aber niemanden - der letzte Hotelshuttle zum Strand ging bereits um 18 Uhr (wobei man auch gut zu Fuss zwischen Hotel und Strand gehen kann).

Beim wunderbaren Dinner im Hotelrestaurant Le Diva - für welches propere Kleidung mit langen Hosen und geschlossenen Schuhen erforderlich ist - gibt es auch Einblick in den Weinkeller von Head Sommelier Jérôme Carlier, der hier eine der besten Weinsammlungen der Seychellen erschaffen hat und Winetastings im exklusiven Rahmen anbietet; heute stellt er zu jedem Gang einen passenden Wein vor. Die anschliessende Nachtruhe im den geräumigen Junior Suites mit Strandblick ist herrlich. Zur Info: Es gibt auch noch leicht grössere Senior Suites sowie Villen mit Privatpool (725 Quadratmeter gross...), und eine Presidential Villa für den ultimativen Luxus. Im Angebot sind zudem ein Kids Club, einige Läden sowie ein Spa.

Und was tut man auf Praslin? Natürlich gehört ein Besuch im Unesco-Weltnaturerbe «Vallée de Mai» dazu. Dieser kleine Teil des Praslin National Park ist berühmt, weil hier die Coco de Mer wächst, die weltweit grösste Nuss mit der unverkennbaren Form einer weiblichen Beckenpartie. Von Tourguide Medina Laboudallon ist allerhand Wissenswertes hierzu zu erfahren. Darunter auch, dass hier bei Weitem nicht nur diese Palmenart vorkommt, sondern gleich fünf weitere davon. Insgesamt gibt es sechs endemische Palmen auf den Seychellen - also Palmen, die nur hier vorkommen. Nicht schlecht für ein Land von lediglich 455 Quadratkilometern Fläche. Allerdings ist ein Grossteil der Landfläche bewaldet und auch geschützt, und das seit Jahren. Die Seychellen waren in Sachen Umweltschutz nämlich ein Vorreiter und eines der ersten Ländern der Erde, welche den Naturschutz in ihre Verfassung aufgenommen haben. Doch wegen dem zunehmenden Besucheraufkommen musste auch bei der Vallée de Mai eine neue Eingangspartie mitsamt Besucherzentrum aufgebaut werden. Der Wald selber jedoch ist immer noch verzaubernd wie eh und je und kann mittels diversen Trails unterschiedlicher Länge geführt oder auf eigene Faust erkundet werden.

Nach einem traditionellen Mittagessen im Restaurant La Pirogue - der Fisch und die Meeresfrüchte sind herrlich - geht es zurück ins Hotel, natürlich nicht ohne Stopp bei der weltberühmten Anse Lazio, welche regelmässig in den Kreise der schönsten Strände der Welt gewählt wird. Trotz an jenem Tag sehr mittelmässigem Wetter ist die Schönheit des Strandes überwältigend und ein kleines Bad ein Muss. Die Anzahl Besucher am Strand ist überschaubar; in der Regel sind es Paare, welche hier die Ruhe geniessen. Am Strand hat es den einen oder anderen Verkäufer von Kokosnüssen bzw. Kokoswasser-Drinks, jedoch sind diese völlig unaufdringlich. Der Besuch lohnt sich wirklich.

Anderntags geht es dann mit der Fähre «Cat Cocos» wieder zurück zur Hauptinsel Mahé. Die einstündige Überfahrt ist wegen der rauen See - was im August/September, der Tiefsaison auf den Seychellen, nicht unüblich ist - für manche Passagiere eine Tortur und die Matrosen an Bord verteilen fleissig Kotztütchen. Wer kann, sollte vielleicht doch die Flüge nehmen... es ist allerdings auch ein Erlebnis, zumal viele Einheimische die Fähre benutzen und durchaus für einen Schwatz zu haben sind.

Teil 2: Mahé

Auf Mahé angekommen, erfolgt der Transfer über den kleinen Pass und die St. Louis Road zur Bucht von Beau Vallon. Hier entstanden in den 80er Jahren die ersten Hotels auf den Seychellen, welche kurz zuvor, im Jahr 1976, ihre Unabhängigkeit erhalten hatten. Für uns geht es erst einmal in ein brandneues Hotel, das Story Seychelles. Eigentlich handelt es sich dabei um das vormalige H Hotel, welches vor sechs Jahren erbaut wurde, doch die Inhaber aus Abu Dhabi haben sich für ein neues Branding entschieden und nach einem Rebranding hat das Hotel Anfang September 2021 neu eröffnet. Die grosse Lobby ist beeindruckend und insgesamt verfügt das Boutique-Hotel über 100 Zimmer, davon 16 Beach Pool Villas, welche jenen der bekannten Luxushotels in nichts nachstehen. Obwohl das Hotel eigentlich nicht auf Familien mit grösseren Kindern ausgerichtet ist, sind durchaus solche vor Ort - und es hat auch genügend zu tun.

Mahé hat sich in den letzten Jahren wohl am stärksten verändert, insbesondere die Hauptstadt Victoria. Vor dieser trifft man nun auf einen Windrad-Garten, welcher die Stadt mit zusätzlicher grüner Energie speist (im Land wird allerdings weiterhin zumeist auf Generatoren und somit auf fossile Energie gesetzt). Dann wurde vor einigen Jahren die künstliche Insel Eden Island aufgeschüttet, auf welcher ein Casino, diverse Restaurants und Clubs, Shoppingcenter, teure Mietwohnungen und ein Yachthafen zu finden sind. Es ist die neue «place to be» vor allem für Einheimische, aufgrund ihres «Allerwelt-Aspekts» aber für Touristen kaum interessant, die sich hier lieber von der Natur und Kultur verzaubern lassen.

Nun ist es nicht so, dass Victoria nichts hergibt. OK, das Wahrzeichen, eine kleine silberne Big-Ben-Reproduktion (The Clock Tower) mitten auf einer Kreuzung ist kaum der Rede wert. Doch es gibt farbige Märkte wie den Sir Selwyn Selwyn-Clarke Market, wo frische Meeresfrüchte, Gewürze, Früchte und Gemüse, Textilien und noch viel mehr verkauft werden. Auch ein paar Museen und Läden locken, doch reichen ein paar Stunden vor Ort völlig aus. Wer richtig in die Seychellen eintauchen will, muss weiter in den Süden der Insel. Ein Must ist der Besuch der Rum-Destillerie Takamaka, welche aus importiertem Zuckerrohr und beigefügten einheimischen Produkten fantastischen Rum produziert - und dies in einem restaurierten Kolonialhaus mitsamt Gewürzgarten und eigenen Landschildkröten. Die Tour mit der südafrikanischen Führerin und Mitinhaberin Retha d'Offay ist kurzweilig und das anschliessende Rum-Tasting ein Fest für alle Sinne. Unweit davon, allerdings ein gutes Stück landeinwärts und eine steile Strasse hoch, liegt dann noch der «Jardin du Roi», eine grosse Gartenanlage, die man begehen kann und in welcher weit über 100 tropische Pflanzenarten zu sehen sind. So kann man, auf eigene Faust oder geführt, sehen, wo der Pfeffer wächst, oder auch Zimt, Vanille, Muskatnuss, Baumwolle, Patchouli, Katepis (eine einheimische Gewürzpflanze) und sehr viel mehr. Essen kann man dort auch, feinste einheimische Küche in simplem Ambiente, serviert von der umtriebigen, betagten Micheline Georges, welche den Ort in fünfter Generation führt und auch allen Ernstes von sich behauptet, eine Nachfahrin von Louis XVI. zu sein.

Man darf zudem nicht vergessen, dass auch Mahé über zahllose wunderbare Strände verfügt. Den bereits erwähnten Strand von Beau Vallon kann man durchaus weiterempfehlen; er ist langgezogen, sehr malerisch und trotz der Nähe zu Victoria gibt es hier nicht sehr viele Besucher, sprich man hat immer gut Platz. An der Westküste locken diverse weitere, teils auch schwierig erreichbare Strände, welche nicht verbaut sind und wenig Infrastruktur bieten, aber dafür umso mehr ein echtes Tropen-Traumstrand-Feeling aufkommen lassen.

Fazit

Selbst ein relativ kurzer Aufenthalt auf den Seychellen wirkt wie Balsam für die Seele. Und selbst wenn das Land klein ist (zumindest die Landfläche, wenn man nämlich das Seeterritorium mitrechnen sprechen wir hier von einem Riesenland), so gibt es hier erstaunlich viel zu tun, zumindest für Aktive und Naturliebhaber. Selbstredend sind die Seychellen auch ein Hochzeits- bzw. Honeymoon-Hotspot, und die vielen Traumstrände sorgen für einmalige Fotos - ein Umstand, der natürlich auch eifrigen Instagrammern nicht entgeht. Auch die Anreise ist längst kein Problem mehr - mit Qatar Airways ging es schnell, zuverlässig und umstandslos, und es gibt noch Alternativen.

Wir können die Seychellen nur wärmstens empfehlen. Hohe Inzidenzzahlen im Land hängen mit der kleinen Bevölkerung (weniger als 100'000 Einwohner) zusammen - und ein Risiko gibt es an den vielen, mit wenig Gästen besetzten Stränden kaum. Darüber hinaus werden die Hygienemassnahmen im Land sehr ernst genommen; die Maske wird meist auch auf der Strasse getragen und das Personal trägt diese in den Hotels sowieso. Doch am Strand herrscht natürlich keine Maskenpflicht, ebensowenig auf Wanderungen. Insofern darf man die Seychellen trotz der vermeintlich hohen Corona-Zahlen durchaus als sicheres Ziel einstufen.

Beste Reisezeit ist übrigens zwischen April und Mai oder von Oktober bis Jahresende, da dies die ruhigeren Zeiten zwischen den beiden Passatwinden sind. Der Nordwestpassat weht von Dezember bis März und der Südostpassat von Mai bis September. Bei unserem Besuch gab es deshalb hin und wieder einen Tropenregen; dafür war es nicht so heiss und die Einheimischen freuten sich über die kostbaren Regentropfen auf diesen Inseln inmitten des Ozeans.

  • Stay tuned - wir werden in Kürze noch ein Video publizieren, welches die oben beschriebenen Impressionen noch besser einfängt.