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Der Hauptplatz Rynek Główny in Krakau, tagsüber und abends beliebt und belebt, bildet das Zentrum der Altstadt. Alle Bilder und Video: Dominik Buholzer

Polens heimliche Hauptstadt

Von Dominik Buholzer

13 Millionen Touristen besuchen jedes Jahr Krakau. Damit zählt die Stadt im Süden Polens zu den beliebtesten Reisezielen des Landes. Aus gutem Grund.  

«Es ist an vielen Orten schön. Doch in Krakau ist es am schönsten», sagt Barbara Zolnowska. Die Historikerin und Reiseleiterin sagt dies in einem Ton, der keine Zweifel aufkommen lässt. Sie ist in Krakau aufgewachsen, hat an der dortigen Universität studiert und wollte nie wegziehen. «Wieso auch, in Krakau läuft immer was», erwidert sie.

Basia, wie sie liebevoll genannt wird, ist mit ihrer Meinung nicht alleine. Der britische Geiger Nigel Kennedy stimmt bei jeder Gelegenheit eine Lobeshymne auf seine zweite Heimat an: «Das Leben in Krakau ist wunderbar – die Polen haben gerade für Künstler ein sehr offenes Herz. Und das richtige Temperament, denn sie arbeiten hart und feiern anschliessend wie die Irren – was mir unheimlich entgegenkommt, denn es beschreibt perfekt meinen Arbeitsethos», sagt er vor ein paar Jahren in einem Interview mit der deutschen Zeitung «Die Welt».

Museum unter der Erde

Das Angebot ist in der Tat beachtlich. In Krakau gibt es von vielem etwas und davon nicht zu wenig. 140 antike Kirchen zählt die Stadt und noch mehr Cafés (200). Auf Kulturliebhaber warten 550 Baudenkmäler, 125 Kunstgalerien und 40 Museen. Eines der imposantesten befindet wenige Kilometer ausserhalb der Stadt tief unter der Erde: das Salzbergwerk. Vor über 900 Jahren begann man hier, Salz abzubauen. Bis in eine Tiefe von 327 Metern und neun Stockwerke erstreckt sich der Bau. Frei zugänglich sind die ersten drei Etagen. 1978 wurde das Salzbergwerk auf die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen und 1996 der Betrieb endgültig still gelegt.

2 Millionen Personen wagen sich jährlich in die Tiefe. Noch mehr zählt man in Krakau selber: über 13 Millionen Touristen sind es jährlich, die die Stadt besuchen. Für viele Polen ist Krakau die «heimliche Hauptstadt». Der grösste Teil der Gäste stammen jedoch aus dem Ausland.

An Hotels mangelt es nicht. In den vergangenen Jahren haben mehrer Ketten hier Häuser eröffnet, wie beispielsweise die Puro Hotels. Daneben gibt auch einige luxuriösere Adressen wie das H15 Palace mitten in der Altstadt oder Kanonicza. Letzteres befindet sich in einem Stadthaus aus dem 14. Jahrhundert und besteht aus drei Suiten mit antiker Einrichtung. Vor allem die Emperor Suite ist gefragt: Sie verfügt über einen Whirlpool auf dem Dach, von wo aus man einen herrlichen Ausblick hat. Und beliebt ist auch der Ausflug nach Zakopane, in Polens höchst gelegene Stadt.

Die Stadt der Studenten

Krakau hatte schon immer eine Anziehungskraft. Bis zum 16. Jahrhundert war die Stadt das Zentrum des einstigen polnischen Königreichs. Auf dem Wawelhügel thronen noch immer das Schloss und die Kathedrale über der Stadt. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Das Schloss beherbergt eine der weltweit herrlichsten Sammlungen an Wandteppichen.

Nebst den Königen spielen die Juden eine zentrale Rolle. Das jüdische Viertel von Krakau zählte lange Zeit zu den wichtigsten in Europa. Heute leben nur noch wenige in Kazimierz. Lange Zeit war das Quartier heruntergekommen und kaum mehr richtig bewohnt. Dies änderte sich, als Steven Spielberg hier 1993 die Geschichte von Oskar Schindler filmte, der in seiner Krakauer Fabrik mehr als tausend Juden vor dem Tod rettete. Heute erfreut sich Kazimierz grosser Beliebtheit und beherbergt zahlreiche Restaurants.

Es ist nicht nur die Stadt der Baudenkmäler, Kirchen oder Restaurants. Krakau ist auch Wissenschaftszentrum. Mit 20 Hochschulen und insgesamt über 200’000 Studenten gehört die Stadt nach Warschau zum wichtigsten Hochschulstandort in Polen. Kein Wunder, ist Krakau bei den Studierenden so beliebt. Es es gibt über 100 Kellerkneipen.