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Island ist das klar kleinste Land Nordeuropas - hängt aber seine skandinavischen und finnischen Mitbewerber touristisch aktuell komplett ab. Bild: Jon Flobrant

Nordeuropa: Nur Island kann auf Gäste zählen

Die Insel verzeichnet dank erfolgreicher Impfkampagne und lockeren Einreiseregeln eine riesige Nachfrage - weit über jener der deutlich grösseren anderen nordischen Länder. Vor allem die Tourismusbranchen in Norwegen und Finnland müssen infolge der strengen Restriktionen leiden.

Aktuell ist das Geschäft mit Nordeuropa alles andere als einfach. Norwegen und auch Finnland sind für herkömmliche Touristen geschlossen, Dänemark hat erst kürzlich gelockert, und obwohl Schweden eigentlich problemlos (mit Vorweisen von PCR-Tests) zu bereisen ist, so hat das Image bei gewissen Touristen aufgrund der zu Beginn der Pandemie doch sehr lockeren Handhabe derselben durch die schwedischen Behörden etwas gelitten. Da sind die Meldungen aus Island doch was anderes: Dort gibt es ab 1. Juli gar keine Covid-Beschränkungen mehr.

Kein Wunder, hört man von den Nordland-Spezialisten hierzulande, dass diesen Sommer vor allem Island eine grosse Nachfrage verzeichnet und das Norden-Geschäft einigermassen am Leben hält. Inzwischen hat auch Edelweiss ab Juli Nonstopflüge ab Zürich nach Island in Aussicht gestellt.

Der Boom für Island lässt sich auch in Zahlen festhalten. Laut einer Studie von Amadeus ist Island in diesem Sommer das mit Abstand beliebteste Reiseziel in den nordischen Ländern. Oder noch deutlicher: Der touristische Marktanteil von Island unter den fünf nordischen Ländern, gemessen an von Amadeus erfassten Vorausbuchungen, liegt für den Monat Juli 2021 bei satten 76 Prozent. Norwegen kommt auf 11 Prozent, Schweden auf 7 Prozent, Dänemark auf 4 Prozent und Finnland gerade mal noch auf 3 Prozent - vor der Pandemie lag der Marktanteil Finnlands im Sommer jeweils bei rund 15 Prozent. Und obwohl Norwegens Zahlen im Vergleich nicht mal so schlecht sind, spiegeln diese möglicherweise auch nicht die Realität ab: Norwegen ist, wie Finnland, noch derart geschlossen, dass die dortige Tourismusindustrie sich ernsthafte Sorgen macht. Allein mit inländischen Touristen kommt man dort nicht sehr weit und die Juli-Zahlen beinhalten wohl Vorausbuchungen, die möglicherweise nicht realisiert werden können.

Norwegen und Finnland haben dank der Restriktionen zwar die tiefsten Infektionszahlen in Nordeuropa, aber zu einem hohen Preis. Auch die Airlines klagen: Finnair hat die Wiederaufnahme von zahlreichen Strecken aus Europa nach Finnland auf Juli verschoben, bei norwegischen Airlines wie Norwegian oder Wideröe ist die Lage auch angespannt. Die positive Infektionssituation gereicht also nicht zum Vorteil im Kampf um reisewillige Touristen.

Immerhin zeigen die Amadeus-Zahlen für Finnland und, in geringerem Masse, auch für Norwegen ab Dezember wieder stark nach oben. Will heissen, dass viele den Norden-Sommer sausen lassen und stattdessen den Norden im Winter besuchen wollen. Es wird damit gerechnet, dass bis dann auch Finnland und Norwegen etwas gelockert haben. Im Sommer werden die Tourismusunternehmen der nordischen Länder aber alle sehnsüchtig auf das kleinste dortige Land, Island, blicken.

(JCR)