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Langes Pfingstwochenende im Ausland? Die Schweizer scheinen zu resignieren und ihre Kurzferien in der Schweiz zu planen. Bild: AdobeStock

Maifeiertage: Basel statt Barcelona

Von Jean-Claude Raemy

Auffahrt und Pfingsten wurden vor Corona gerne für kurze Ausflüge im europäischen Raum etwa in Form von Städtereisen, genutzt. Es sieht aber auch hier wieder danach aus, als ob vorerst vor allem Schweizer Ferienziele zum Zug kommen.

Es ist Mai! Frühlings-Wonnemonat mit gleich mehreren Feiertagen. Doch dieses Jahr ist der Mai für die Reisebranche alles andere als ein Wonnemonat. Es begann schon mit dem 1. Mai, der dieses Jahr auf einen Samstag fiel. Auffahrt und Pfingsten finden immerhin an fixen Wochentagen statt, erlauben also in jedem Fall längere Wochenenden - doch wohin?

Der Kurz-Ausflug in unsere Nachbarländer ist so schwierig wie noch nie in jüngerer Vergangenheit: Testpflicht, Quarantäne, regional unterschiedliche Regelungen, modal unterschiedliche Verpflichtungen, und darüber hinaus zahllose Restriktionen, gegen welche die Restriktionen in unserem Land reinster Pipifax sind: Das animiert nicht gerade zum Kurztrip über die Grenze.

«Die Nachfrage für die sonst über die Maifeiertage beliebten Städtereisen innerhalb Europas ist aktuell am Boden», konstatiert etwa Mike Jakob von Railtour/Frantour. Es gebe ein kleines bisschen Nachfrage für Madrid und Barcelona, doch für die üblichen Renner wie Paris, Hamburg, Wien oder London tendiere die kurzfristige Nachfrage gegen Null - oder genauer, die Buchungen tendieren gegen Null, denn das Interesse wäre grundsätzlich da, doch Buchungen werden verhindert von den unübersichtlichen Reiserestriktionen.

Es ist jedoch nicht so, dass kein Geschäft gemacht wird: «Städtereisen finden dieses Jahr innerhalb der Schweiz statt», erklärt Jakob. Es gebe Anfragen für Reisen zu Museen in Basel, für Kurzferien im sonnigen Tessin, für das Entdecken der Romandie in Genf oder Lausanne. Ebenfalls bereits gut nachgefragt seien Bahnfahrten mit dem Glacier Express, der den Panorama-Verkehr zwischen Engadin und Wallis mit speziellen Vorkehrungen wieder aufgenommen hat. «Die Nachfrage ist derart hoch, dass die Betten innerhalb der Schweiz schon jetzt knapp zu werden beginnen», analysiert Jakob. Auch der Selbsttest auf gängigen Ferienhausportalen zeigt: Wer am Auffahrts- oder Pfingstwochenende in der Schweiz unterwegs sein will mitsamt Übernachtung, sollte jetzt buchen.

Ländlichere Regionen statt Städte?

Doch was ist mit dem Ausland? In vor-Corona-Jahren war zum Beispiel Lissabon sehr hoch im Kurs - doch die Entwicklung in Portugal ist, trotz zuletzt vorgenommener Lockerungen, unstet. Das ganze östliche Österreich ist für Schweizer laut BAG ein Risikogebiet. Nordische Länder lassen noch niemanden rein. Und Fernziele sind für Kurzaufenthalte über die Maifeiertage eben zu fern - und überdies besteht auch dort bei manchem Ziel grosse Unsicherheit.

Am meisten Perspektive bietet kurzfristig Italien, glaubt Jakob: «Die Infektionszahlen sinken, ausser Sardinien ist aktuell keine italienische Region mehr als rot eingestuft, und Transportunternehmen wie Trenitalia mit ihren ‹Covid-freien› Zügen arbeiten aktiv an der Wiederaufnahme des Tourismusgeschäfts. Nach aktuellem Stand hat Italien zwar die Quarantänepflicht bis 15. Mai, also nach Auffahrt verlängert, aber vielleicht reicht es kurzfristig noch für Aufenthalte über das Pfingstwochenende, sofern gelockert wird.» Klar ist: Die Schweizer wollen sehr gerne ins Ausland, der Nachholbedarf ist da, doch wird aktuell gezwungenermassen weiterhin primär die Schweiz gebucht, wie auch das Portal Ebookers jüngst feststellte. Das führt dazu, dass Railtour laut Jakob aktuell immer wieder Reisebüros zur Schweiz beraten muss - die auf Outgoing ausgerichteten Reisebüros müssen sich zurzeit stark mit Schweiz-Angeboten über Wasser halten, zumal die Reisebestimmungen für Auslandziele immer wieder ändern und generell unübersichtlich sind.

Jakob führt allerdings noch ins Feld, dass die an die Schweiz angrenzenden Regionen der Nachbarländer im Prinzip bereist werden können. Wer beispielsweise nach Strassburg reisen will, muss lediglich einen negativen PCR-Test vorweisen und eine eidesstattliche Erklärung abgeben; bei der Rückreise per Zug oder Auto ist kein PCR-Test nötig. Trotzdem ist die Nachfrage auch für nahe gelegene Städte wie eben Strassburg, Stuttgart oder Mailand aktuell sehr tief. Man wartet, dass sich zumindest im Schengen-Binnenraum die Lage wieder etwas auflockert.

Jakob ist denn auch überzeugt, dass die Nachfrage schnell steigen wird, sobald die Nachbarländer lockern. Dies, weil viele Schweizer mittelfristig eher im nahen Ausland Ferien verbringen werden als weit weg. Ob dann Städte auch wieder zum Handkuss kommen? Zumindest teilweise wird dies so sein - aber Jakob sieht auch in etwas ländlicheren Regionen der Nachbarländer wie beispielsweise im Südtirol grosses Potenzial.

Düstere Aussichten für Städte

«Basel statt Barcelona» heisst es also für Schweizer wohl über die Maifeiertage. Aber was ist mit dem Sommer? Trotz grosser Bemühungen der Ferienziele gerade im Süden Europas dürften es dortige Städte weiterhin schwierig haben. Kaum jemand will, gerade angesichts der immer noch volatilen Infektionsentwicklungen, den Gang durch Menschenmassen riskieren. Ausserdem bleibt vieles zu.

Bleiben wir bei Barcelona: Die spanische Trendstadt war noch 2019 immer unter den Erstgenannten, wenn es um das Thema Overtourism ging. Touristen waren bei der einheimischen Bevölkerung kaum mehr willkommen, man erinnert sich an die vielerorts vorgefundenen Sprayereien «Tourists go home». Doch jetzt sind die Ramblas leer, und während Barcelona wieder etwas mehr den Einheimischen gehört, wird die Hälfte der Hotels in der zweitgrössten spanischen Stadt im Sommer geschlossen bleiben, wie «La Vanguardia» schreibt, aktuell seien noch 70 Prozent der Hotels geschlossen. Die offenen Hotels haben eine Belegung von lediglich 10-15 Prozent. Obwohl das touristische Spanien graduell wieder zu leben beginnt, scheint also Barcelona wenig davon zu profitieren - gesucht werden eher Strände. Dasselbe trifft auf Stadthotels im ganzen europäischen Raum zu, etwa auch Zürich - trotz dem aktuellen «Schweiz-Boom» profitiert die Limmatstadt kaum, da kaum ausländische Gäste, Geschätsreisende oder Event-Besucher hier weilen.

Man merkt: Das Wiederaufleben der Städte und damit der Stadthotellerie wird auch erst dann möglich sein, wenn auch Event- und Gastrobereiche vor Ort wieder normal funktionieren und Gäste ohne übertriebene Restriktionen kommen können. Wie es aktuell aussieht ein langer, beschwerlicher Weg zurück.