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Eindrücklicher Besuch bei der Kayaw-Volksgruppe in Myanmar. Bilder: NIM

Abwarten und hoffen in Myanmar

Von Nadia Imbaumgarten

Nach der Machtübernahme der Militärs in Myanmar: Welche Zukunft zeichnet sich für den dortigen Tourismus ab? Travelnews hat sich mit Myanmar-Experte Axel Bruns unterhalten. Er führt seit vielen Jahren eine Incoming-Agentur.

Morgens um sechs Uhr ist bereits viel los in Myanmars Städten und Dörfern. Egal in welchem Teil des Landes wir uns auf unserer dreiwöchigen Tour durch das Land gerade befinden, der Tag beginnt stets sehr früh, gefolgt von vielen tollen Erlebnissen, einzigartigen Begegnungen und grossem Staunen. So habe ich Myanmar kennengelernt, als ich im Dezember 2019 und Januar 2020 das Land bereist habe.

Doch aktuell ist die Stimmung im Land eine ganz andere. Denn anfangs Februar 2021 hat sich bekanntlich das Militär zurück an die Macht geputscht und die gewählte Regierung kurzerhand abgesetzt. In den letzten Wochen stand das Land im Zeichen vieler Protestmärsche und Ausschreitungen, im ganzen Land gab es viele Tote unter der Zivilbevölkerung.

Doch wie ist die Lage aktuell vor Ort einzuschätzen? Was bedeutet die jüngste Entwicklung für den Tourismus? Travelnews hat sich mit Dr. Axel Bruns in Verbindung gesetzt. Er lebt bereits seit 25 Jahren in Myanmar und kennt das Land bestens. Im Jahr 2000 gründete der Deutsche zusammen mit einem einheimischen Partner die Firma Bo-Tree Travels in Yangon.

Heute ist Bruns Inhaber der Inbound Tour Operator-Firma Azure Sky Travels. Zusammen mit seiner burmesischen Gattin Daw Ei Ei Linn sowie seit 2014 Tobias Esche organisiert das Team Touren für internationale Gäste. Wenn gewünscht, organisiert Azure Sky Travels den gesamten Aufenthalt im Land, von der Ankunft in Myanmar bis zur Abreise (Flüge, Hotels, Landestransporte und Reiseleiter/innen). Die Leistungen sind auf Myanmar beschränkt, einzige Ausnahme ist Bhutan, das sie seit kurzem angeboten wird, weil sich das Land gut mit Myanmar ergänzen lässt.

Autorin Nadia Imbaumgarten mit Kids in Myanmar: das Bestaunen ist gegenseitig.

Eine Lage, die ernst zu nehmen ist

Bruns erzählt uns, dass die Lage vor Ort noch immer angespannt sei, sich aber zunehmend etwas beruhige. «Der Anführer der Putschisten nahm am Wochenende vom 24./25. April an einer Konferenz der ASEAN-Staaten in Jakarta teil, in der die Lage erörtert wurde. Viel ist offenbar nicht dabei herausgekommen. Für mich ist es am wichtigsten, dass die Gewalt abnimmt. Hier haben schon viel zu viele Menschen ihr Leben verloren», führt Bruns aus.

Aktuell ist es nicht erlaubt, in Myanmar einzureisen. Die Grenzen bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Dies bedeutet natürlich, dass auch keine ausländischen Touristen zu Besuch kommen. Auch bestätigt uns Bruns, dass derzeit nur Inlandtourismus möglich ist und für Ausländer das Land gesperrt sei. «Meine Firma hat dieses Jahre nicht einen einzigen Kunden gehabt», verrät er uns. Dass dies allerdings aufgrund des Militärputsches so bleiben werde und wir nicht mehr mit Myanmar-Reisen rechnen können, ist Burns nicht überzeugt. «Hier in Myanmar schielt man immer nach Thailand, wenn es um Tourismus geht. Ich denke, dass sich das Land wieder für den internationalen Tourismus öffnet, wenn Thailand das tut.»

Zudem ist er auch der Meinung, dass der Militärputsch vom Februar 2021 die Leute nicht davon abhalten wird, Myanmar zu besuchen. «Die derzeitige Lage ist zum überwiegenden Teil auf Covid zurückzuführen. Wir hatten auch vor der Demokratisierung des Landes immer Touristen hier. Wenn auch nicht viele, aber zum Überleben reichte es.»

Abwarten und hoffen

Die aktuelle Lage ist aber definitiv ernst zu nehmen. Überall sind Unruhen im Gang, es wird von Explosionen berichtet und die Protestbewegungen gegen die Machtergreifung des Militärs finden in den Städten Myanmars statt.

Dass hier Reisen zurzeit unmöglich sind, ist demnach mehr als verständlich. Covid-19 und der Militärputsch hat auch Bruns dazu gezwungen, Massnahmen zu ergreifen, die keiner machen will. «Unsere eigenen Büroangestellten musste ich entlassen.» Auch den Reiseleitern gehe es schlecht, verrät er weiter. Viele seien wieder in ihre Heimatorte zurückgekehrt und helfen dort der Familie; im Restaurant, auf dem Reisfeld usw. «Harte Zeiten, alle leiden», so Bruns.

Da stellt sich die Frage, wie man denn mit solch einer Situation umgeht? «Es bleibt uns nichts anderes übrig, als abzuwarten. Das wird schon wieder! Ich erlebe so etwas bereits zum dritten Mal nach 1988 und 2007.»

Freundlich, zufrieden und hilfsbereit - Nadia Imbaumgartens Reise durch Myanmar Ende 2019 war geprägt von vielen Begegnungen. Aktuell ist das wunderschöne Reiseland wegen dem Militärputsch nicht bereisbar.

Der Myanmar-Experte

Axel Bruns startete seine berufliche Laufbahn mit einer Lehre als Speditionsfachmann in Berlin. Es hängte das Abitur an und begann ein Studium der Geographie an der Freien Universität Berlin. 1977 war Bruns das erste Mal in Burma und es sollte seinen weiteren Lebensweg bestimmen. Begonnen hat er mit dem Handel von kleiner Ware aus Burma. 1983 eröffnete er mit zwei Freunden das Geschäft Mandalay in Berlin, das sich auf den Verkauf von asiatischen Theaterfiguren spezialisiert hatte. Seit Beginn der 90er-Jahre begann er dann als Reiseleiter für verschiedene deutsche Veranstalter zu arbeiten. 1996 wanderte Bruns nach Myanmar aus. Im selben Jahr erschien auch der Nelles Guide Myanmar, den Bruns zusammen mit Helmut Köllner schrieb.

Bewegte Geschichte Myanmars

Myanmar ist seit 1948 unabhängig. Seit da sind es vier Personen, die während dieser Zeit eine dominierende Rolle gespielt haben. General Aung San (1915-1947) wird oft als der ‚Befreier‘ Burmas bezeichnet. Er verstarb im Alter von 32 Jahren. U Nu (1907-1995) war ein tiefgläubiger Buddhist und einer der Thirty Comrades, der Mitstreiter Aung Sans. General Ne Win (1911-2002) war ebenfalls einer der Thirty Comrades. Nach der Unabhängigkeit übernahm er den Oberbefehl über die Armee und schaffte es, die Macht der Regierung über das Land zum grossen Teil wieder aufzurichten. Von 1958 bis 1960 stand er dem Caretaker Government vor. 1962 übernahm er mit einem Militärputsch die Herrschaft über Burma, die er bis 1988 faktisch innehatte.  Er starb 2002 im Hausarrest in Yangon.

Von 1988 bis 2010 wurde das Land von einer Militärjunta unter dem Befehl von General Than Shwe regiert. Seine Regierung ignorierte das Ergebnis der Wahlen von 1988 und ordnete an, dass vor der nächsten Abstimmung zuerst eine neue Verfassung ausgearbeitet werden müsse. 2005 verlegte er die Hauptstadt nach Naypyidaw. 2008 war die Verfassung fertig und 2010 fanden die ersten (semi-demokratischen) Wahlen statt. Der erste Präsident war der Ex-Militär Thein Sein, der eine vorsichtige Öffnungspolitik betrieb. Aung San Suu Kyi (* 1945) ist die einzige Tochter des 1947 ermordeten Unabhängigkeitshelden Aung San. 2010 fanden die ersten semi-demokratischen Wahlen in Myanmar statt, die von ihrer Partei boykottiert wurden. 2012 wurde sie als Nachrückerin in das Parlament gewählt. Aus den Wahlen 2015 ging ihre Partei (NLD –Nationale Liga für Demokratie) als klare Siegerin hervor. Sie nimmt die Position des State Counselor ein. Ausführlichere Informationen finden Sie hier.