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Nicht alle Regionen sind gleich betroffen von den höheren Ansteckungszahlen in Thailand. Bild: Cheese Yang

«Im Vergleich zu unseren Zahlen sind jene in Thailand minimal»

Thailand verzeichnet so viele Covid-Ansteckungen wie bisher noch nie. Was heisst das für die Öffnungspläne Phukets im Juli? Wir haben bei den Asien-Spezialisten nachgefragt.

Schritt für Schritt probt Thailand die Öffnung, um Touristen aus aller Welt wieder zu begrüssen. Per 1. April 2021 wurden die Einreisebestimmungen bereits etwas gelockert. Eine Woche später meldete der Tourismus-Hotspot Phuket, die Feriendestination für geimpfte Personen bereits ab Juli 2021 zu öffnen.

Doch seit wenigen Tagen steigen die Coronazahlen in Thailand deutlich an. Das das Land verzeichnet so viele Ansteckungen wie noch nie zuvor während der Pandemie. Am Mittwoch wurden 1335 Ansteckungen gemeldet. In der Schweiz meldete das BAG gestern 2601 Ansteckungen und einen 7-Tage-Schnitt von 2223. Travelnews hat drei Asienspezialisten angefragt, die aktuelle Situation einzuschätzen.

Stephan Roemer

«Wenn Thailand von einer dritten Welle spricht, so ist das im Vergleich zur Schweiz ein Wellchen und nur die Verhältnisse vor Ort <gross>. Da muss man schon die Relationen im Auge behalten. Thailand hat wie die meisten Länder in Asien eine Covid-Null-Strategie. Das sind ganz andere Verhältnisse als in Europa», äussert sich Ruth Landolt, Geschäftsführerin von asia365, zur Covid-Situation in Thailand. Genauso sieht dies auch Stephan Roemer, Inhaber des Asien-Spezialisten Tourasia: «Im Vergleich zu unseren Zahlen sind jene in Thailand minimal. Dennoch handelt es sich um die höchste Ansteckungsrate in Thailand seit Ausbruch der Pandemie.» Auch Christoph Infanger, Lead Product Manager Asia bei Travelhouse, betont, dass es wichtig sei, die Zahl in Relation zu setzen. «Bisher gab es in Thailand ca. 37'000 Ansteckungen und 97 Todesfälle bei einer Bevölkerung von 70 Mio. Einwohnern. Die Massnahmen der Regierung zur Eindämmung des Virus haben sich bisher als effizient erwiesen.»

Thailand feiert «Songkran»

Ruth Landolt

In einigen Provinzen wurden aufgrund der Entwicklung Reisebeschränkungen eingeführt. Dies fürhte dann zu einer Stornierungswelle der lokalen Touristen, erzählt uns Landolt. «Der Ausbruch ist vornehmlich auf die Region Bangkok und den Golf sowie Chiang Mai beschränkt und das versucht man natürlich auch so zu behalten. Man diskutiert sogar einen regionalen Shutdown in der Region Bangkok und Umgebung sowie Chiang Mai. Vor allem will man die Unterhaltungslokale schliessen», führt sie aus.

Doch Sorgen über die Ein- und Ausreise sowie die Lockerungsschritte die seit dem 1. April 2021 gelten, müssen sich Touristen aktuell nicht machen, denn die Reisebeschränkungen beziehen sich nur auf die Mobilität im Inland und wurden auch bei den ersten beiden Wellen so gehandhabt, so Infanger. Auch sich Gedanken über die positiven Neuigkeiten aus Phuket zu machen, lohnt sich jetzt nicht. «Wir gehen nach wie vor davon aus, dass Phuket ab Juli mit Impfung bereisbar ist», meint Roemer. Auch Landolt ist der Meinung, dass es zurzeit keine Anzeichen gäbe, dass der Öffnungsplan nicht wie vorgesehen durchgeführt werde. Zudem sei ein Grossteil der Mitarbeitetenden an den Touristenorten wie Phuket und Koh Samui bereits geimpft, so Landolt weiter. Das dürfte ebenfalls Hoffnung geben, dass nicht an den Öffnungsplänen gerüttelt wird.

Auch bei Infanger ist die Zuversicht da, dass sich trotz den vermehrten Ansteckungen jetzt nichts an den Lockerungsschritten ändern wird: «Der Gouverneur der staatlichen Tourismusbehörde bekräftigte, dass man an der Öffnungsstrategie der Regierung festhalten möchte und verwies auf die Wichtigkeit der angelaufenen Impfkampagne als Schlüssel für die Wiedereröffnung der Grenzen.»

Christoph Infanger

Aktuell findet das traditionelle Neujahrsfest «Songkran» der Thailänder statt, was viel Bewegung ins Land bringt. «Wir haben vor Ort ein Team von rund 100 Leuten. Diese sind im Moment in den Neujahrsferien. Ich selbst reise mit meiner Familie nächste Woche nach Thailand», erzählt uns Roemer. Die Regierung Thailands befürchtet aber, dass sich aufgrund des Festes das Virus verbreiten wird. «Das halbe Land ist zurzeit in Bewegung. Zudem werden in dieser Zeit grosse Parties gefeiert und die Familien und Freunde treffen sich. Die öffentlichen Feierlichkeiten mit den wilden Wasserschlachten wurden abgesagt und man hat alle Leute gemahnt, sich auf die traditionellen Songkran-Bräuche zu besinnen. Die grosse lokale Reiseaktivität könnte also durchaus ein Treiber sein», erklärt uns auch Landolt und ergänzt, dass man das Resultat dann nach den Festlichkeiten zu sehen bekommen werde.

Die Bevölkerung in Thailand sei grundsätzlich sehr diszipliniert und werde sich wie in der Vergangenheit an die Anweisungen der Regierung halten, erklärt uns Infanger. Wie wir gesehen haben, kann Thailand, wenn sie wollen, aber zu drastischen Massnahmen greifen im Kampf gegen das Virus. «Wir sind vorsichtig positiv, weil man in Thailand das Virus viel stärker fürchtet als in Europa. Die Angst der Thais vor dem Virus begünstigt unpopuläre Massnahmen der Regierung», so Landolt.  

(NIM)