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170 Dollar für diesen Schein, der mir nach zwei Wochen Abgeschiedenheit in Costa Rica die Erlaubnis zur Rückkehr in mein eigenes Land beschert, in welchem gerade maskenfreie Covid-Demos über die Bühne gehen und täglich 300'000 Grenzgänger unkontrolliert ein- und ausreisen... Bild: JCR

Kommentar 500 Franken für PCR-Tests die keiner anschaut

Von Jean-Claude Raemy

Meine Ferien in Costa Rica waren super. Allerdings wurden die Ferien wegen den Covid-Auflagen um einiges teurer als geplant. Ob diese Mehrkosten wirklich der Gesundheit der Gesamtbevölkerung gedient haben, wage ich anzuzweifeln.

«Und, wo wart ihr in den Skiferien?» So wurde ich vorgestern vom neuen Nachbarn begrüsst, der selbstverständlich davon ausging, dass meine Sportferien-Abwesenheit lediglich einem Trip in die Nähe geschuldet sein konnte. Auf meinen Hinweis, dass ich soeben mit der Familie zwei Wochen in Costa Rica verbracht hatte, folgte ungläubiges Staunen - kein Vorwurf, dafür etwas Neid. «Dass ihr das alles auf Euch genommen habt...», wurde dann aber noch mitleidsvoll nachgeschoben.

Ja, was haben wir auf uns genommen? Der Hinflug mit Edelweiss war pünktlich und problemfrei - die Maschine proppenvoll, was uns für Costa Rica und Edelweiss freute. Die Passagiere behielten auch brav ihre Masken auf, so ganz entspannt war die Stimmung nicht auf dem zwölfstündigen Flug, aber das haben wir gerne auf uns genommen. Denn danach folgten zwei wunderbare Wochen, in denen wir einfach komplett abschalten konnten. Was nicht heisst, dass Covid in Costa Rica kein Thema wäre: Bei jeder Hotelankunft wird das Gepäck desinfiziert, die Temperatur wird gemessen und eine Maske muss immer dabei sein, jedoch nur aufgesetzt, wenn man mit Menschen interagiert. Was angesichts der zumeist spärlichen Touristenzahl doch relativ selten war. In jedem Restaurant und jedem Laden stehen Desinfektionsmittel oder Möglichkeiten zum Handwaschen bereit, die Nutzung wird auch beim Betreten des jeweiligen Lokals eingefordert. Richtig so. Ansonsten aber alles im «courant normal».

Was besonders auffiel: Wenn man sich mal News aus Costa Rica am TV oder in Online-Medien reinzog, waren diese überhaupt nicht von Covid dominiert. Da ging es um Übliches wie Naturkatastrophen, Politik, Überfälle, Sport. Keine täglichen Covid-Schreckensmeldungen, keine Protestmeldungen, keine Covid-Vergleiche mit dem Ausland. Es scheint, als ob man einen Weg gefunden hat, mit Covid zu leben, und die Auflagen werden diskussionslos hingenommen. Alle Kellner haben auch bei 30 Grad Maske getragen und waren trotzdem freundlich, und dies bei Sechstagewochen. Das Leben geht weiter, mit kleinen Einschränkungen. Die Auszeit aus der helvetischen Covid-Hysterie tat richtig gut.

Ich werde noch separat über die Schönheiten Costa Ricas berichten und wie diese Reise der Corona-gebeutelten Seele gut getan hat. Allerdings will ich hier noch schildern, wie das, was wir «auf uns nehmen» mussten, vor allem Schweizer Regelungen geschuldet war und letztlich die ohnehin nicht ganz billigen Ferien deutlich verteuert hat - mit aus unserer Sicht wenig epidemiologischem Sinn.

500 Franken für ein unbeachtetes Stück Papier

Zunächst einmal konnten wir immerhin Geld «sparen», weil Costa Rica als eines der wenigen Länder keinen PCR-Test bei der Einreise verlangt. Gefordert waren dagegen Versicherungs-Nachweise. Wir haben eine Jahresreiseversicherung bei der Europäischen Reiseversicherung (ERV) abgeschlossen. Kostet was, gilt doch aber das ganze Jahr - und wir werden nicht den Rest des Jahres in der Schweiz verbringen. Den erforderlichen Nachweis für die Deckung einer allfälligen Quarantäne vor Ort (bis zu 2000 Dollar) mussten wir schriftlich vorliegen haben, das hat uns die ERV umstandslos zugestellt.

Weiter gab es lediglich ein Online-Formular vor der Einreise auszufüllen. Dieses wurde bereits in Zürich vor dem Boarding kontrolliert und wurde dann bei der Einreise in San Jose auch nochmals angeschaut. Ist aber kostenlos und somit lediglich etwas administrativer Aufwand. Und klar, es gilt Maskenpflicht am Flughafen San Jose wie auch während dem Edelweiss-Flug, und ja auch danach noch zeitweise. Wir haben für die Reise insgesamt rund 30 OP-Masken pro Person mitgenommen - wir haben nicht ganz alle gebraucht, aber doch einige, die Maske muss nach intensivem Gebrauch ja gewechselt werden. Das kostete auch ein paar Fränkli, war aber verkraftbar und wir sehen auch den Sinn hinter der Maskenpflicht.

Was finanziell wie auch administrativ mehr ins Gewicht fiel, war die plötzliche Pflicht eines negativen PCR-Tests vor der Rückreise in die Schweiz. Wir hatten die Reise bei Bekanntwerden dieser Massnahme des Bundesamts für Gesundheit (BAG) längst gebucht, doch fiel das Inkrafttreten der Massnahme genau in unsere Reisezeit. An eine Annullierung der Reise haben wir deswegen nie gedacht, doch musste nun vor Ort ein PCR-Test organisiert werden. Das hat für uns die lokale Agentur Swiss Tropical Tourism umstandlos erledigt - herzlichen Dank nochmals an dieser Stelle. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch widersprüchliche Informationen dazu, ob der Test nun maximal 72 Stunden alt zum Zeitpunkt der Abreise oder der Einreise in der Schweiz sein darf. Das war insofern relevant, als wir zum Schluss der Reise in Quepos waren, rund drei Stunden vom Flughafen San Jose entfernt. Da alle PCR-Tests in Labors nach San Jose müssen, lag die garantierte Antwortzeit in unserem Fall bei 48 Stunden (real betrug sie dann 36 Stunden). Da wir nicht früher nach San Jose wollten, haben wir eben den Test in Quepos gemacht, was deutlich teurer ist. Und wir haben uns gar den Test im Hotel gegönnt, was nochmals mit kleinen Zusatzkosten verbunden war, aber immerhin unsere Ferien nicht mit unnötigen Umständen vermieste. Wir haben uns auf einen Test am Dienstagmorgen (bei Abflug am Freitagabend) geeinigt, da der Zeitpunkt des Laborbefunds (und nicht der Testentnahme) zählt, aus welchem Grund auch immer das so sinnvoll ist. Kostenpunkt dieser PCR-Tests vor Ort: 510 US-Dollar. Dies für drei Personen; unsere siebenjährige Tochter musste ja den Test nicht machen, obwohl die einheimische Ärztin dies unbedingt machen wollte - nicht wegen dem Geld, sondern weil bei den amerikanischen Touristen (der grössten Touristengruppe in Costa Rica, auch in diesen Tagen) auch Kleinkinder ab 2 Jahren getestet werden. Diese unterschiedliche Handhabung mussten wir ihr erst klar machen.

Am selben Tag, an dem uns unsere - wie erwartet - negativen Testresultate per Mail erreichten, erreichte uns auch die Info aus der fernen Schweiz, wonach nun auch ein Antigen-Schnelltest zugelassen wäre. Den hätten wir in San Jose ein paar Stunden vor Abflug für total 60 Dollar machen können... doch schon kurz darauf wurde auch diese News wieder relativiert und gesagt, dass es dann doch einen PCR-Test braucht. Ach ja, das Einreiseformular, das vor Abflug ausgefüllt sein sollte, habe ich dann noch an der Hotelrezeption (wo es Wifi gab) ausgefüllt, nur um später zu sehen, dass Edelweiss auf dem Flug Formulare verteilte, die man von Hand ausfüllen konnte und die dann gesammelt abgegeben wurden. Der PCR-Code, den wir nach Ausfüllen des Formulars erhielten, wurde bei Ankunft in der Schweiz ebenso wenig angeschaut wie die negativen PCR-Testnachweise.

Eleganterweise hat ja der Bund das Prüfen dieser Tests an die Airlines ausgelagert (müsste er dafür eigentlich nicht einen Teil der Flughafengebühren den Airlines rückerstatten?). Das Check-in-Personal in San Jose hat tatsächlich gefragt, ob wir einen Test haben. Angeschaut haben sie diesen jedoch nicht und auch nicht gefragt, ob dieser überhaupt negativ sei. Wir haben also 500 Stutz für einen Fackel bezahlt, den nie jemand angeschaut hat. Immerhin wurde uns damit bestätigt, dass wir nach zwei Wochen Ferien in Costa Rica allesamt negativ sind, und bestimmt nicht grösseren Risiken ausgesetzt waren als bei zwei Wochen Ferien in der Schweiz.

Fazit

PCR-Test direkt im Hotelzimmer: Eigentlich keine grosse Sache, aber teuer und letztlich von niemandem auch nur angeschaut. Bild: JCR

Die Pandemie verteuert das Reisen, klar. Masken kosten immerhin nicht mehr so viel. Tests müssten eigentlich auch längst nicht mehr so teuer sein, aber die PCR-Tests sind wegen der Laborauswertung nun eben mal teuer, und in bestimmten Weltregionen mit etwas weniger medizinischer Infrastruktur halt nochmals teurer. Wir haben uns auf den Standpunkt gesetzt, dass man vielleicht nicht um die halbe Welt reisen sollte, wenn man nicht ein paar hundert Franken unerwartete Zusatzkosten auf sich zu nehmen vermag. Und ja, die Flüge und die Hotelaufenthalte waren dafür auch schon mal teurer. Das hat einige der Zusatzkosten etwas abgefedert.

Was aber ärgerlich ist, sind die steten Veränderungen der Bestimmungen und die dadurch entstehende Unsicherheit. Mal PCR, mal Antigen. Mal ist ein Land auf einer «Risikoliste», mal nicht. Costa Rica hat deutlich tiefere Inzidenzzahlen als die Schweiz, ist also kein Risikoland, trotzdem mussten wir plötzlich einen PCR-Test vorlegen, während täglich 300'000 Grenzgänger unkontrolliert in die Schweiz einreisen. Mit der Testpflicht und den Einreiseformularen wurde eine gigantische Bürokratie aufgebaut, welche primär vom Reisen abschreckt, jedoch epidemiologisch wenig wertvoll sein dürfte.

Das deutsche Robert-Koch-Institut hat festgehalten, dass das Reisen per se kein Treiber der Pandemie ist. Dass zwischenzeitlich der Anteil Infektionsherde tatsächlich bei Reisenden höher war, hat vor allem damit zu tun, dass diese deutlich intensiver getestet wurden. «Intensives Testen» wäre also nötig, um klar eruieren zu können, wo genau die Infektionsherde sind, doch davon ist man in der Schweiz noch weit entfernt und stellt lieber die Reisenden unter Generalverdacht. Dazu kommt mir gerade noch die Story mit den französischen Touristen in den Sinn, die seit Tagen in Costa Rica feststecken, weil sie Covid-positiv sind. Dort hat sich herausgestellt, dass sie das Virus aus Frankreich mitgenommen hatten und sich während der Gruppenreise gegenseitig ansteckten. Das Problem war also nicht das Zielland, sondern das Ursprungsland und die Nicht-Einhaltung grundsätzlicher Covid-Massnahmen innerhalb der Reisegruppe.   

Was lernen wir daraus? Regierungen weltweit haben verständliche Massnahmen (Maskenpflicht, Händewaschen, Distanzierung) früh verlangt; werden die sinnvollen Schutzkonzepte eingefordert und eingehalten, müsste Reisen problemlos möglich sein. Costa Rica hat uns dies verdeutlicht. Im Ausland sind die Kontakte in der Regel ohnehin weniger «intensiv» bzw. «nah» als innerhalb der Schweiz, wo man auch mal Bekannte spontan trifft und die Regeln dann nicht mehr so genau angewendet werden. Die Frage ist nun, ob die nötige Selbstdisziplin wirklich nur Reisenden mittels teuren Massnahmen eingebläut werden soll, während in der Schweiz kaum Mittel vorhanden sind, um Massnahmen-Verweigerer zu belangen. Die komplette Corona-Sicherheit ist innerhalb der Schweiz nicht zu erwarten. Worin liegt also der belegbare Sinn, Reisende mit zahllosen, stets ändernden und obendrein teuren Regelungen zu plagen? Wir sind gesund und (vor allem geistig) erholt aus den Ferien zurückgekehrt. Das lassen wir uns auch künftig nicht nehmen.