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Ivan Meyer und Michael Boggio haben beste Erinnerungen an den Celtic Park in Glasgow. Bild: HO

Gänsehaut in Glasgow

Von Michael Boggio

«Da wäre ich jetzt gerne» heisst die Travelnews-Serie über traumhafte Orte, an die man sich in diesen Wochen des Reisestillstands sehr gerne zurückerinnert. Ivan Meyer und Michael Boogio vom Fussballreisen-Spezialist ivanmeyertours fühlen sich zurückversetzt ins Old Firm Derby: Celtic Glasgow gegen Glasgow Rangers.

Gehen wir zwei Jahre zurück und wähnen uns an einem ganz normalen Wochentag im Februar: Es ist Hochsaison! Die Buchungsdossiers stapeln sich. Die Sommer- und Herbstferien werden gebucht, die 30 Fussballteams, welche ihr Trainingslager bei uns buchen, stehen kurz vor der Abreise, es gibt also viel zu tun. Die Tage sind lang, die Nächte kurz! Die internationalen Fussballmeisterschaften biegen in die entscheidende Phase ein, wer wird Meister? Wer steigt ab? Es gibt ganz viele Fussballfreaks wie uns. Sie wollen auch live im Stadion sein, die elektrisierende Stimmung am eigenen Leib spüren, die Atmosphäre aufsaugen. Und wir dürfen unseren Kunden all diese Erlebnisse ermöglichen.

Wer kennt es nicht: Der Alltag hat uns im Griff. Familie, Arbeit, Termine, Verpflichtungen, Hobbies. Da muss man doch ab und zu einfach eine Reise planen, um sich so richtig darauf freuen zu können. Uns Fussballfans kribbelt es schon Wochen vor der Abreise. Mit Freunden ein Wochenende in London, München, Barcelona, Liverpool oder eben in Glasgow verbringen.

2019 sollte es soweit sein. Das Old Firm Derby, Celtic Glasgow gegen Glasgow Rangers im legendären Celtic Park. Die Mutter aller Derbys! In Kürze haben wir (Ivan und Michael) 14 weitere Kumpels davon überzeugt, mit uns den Trip nach Schottland zu unternehmen. Die Ticketbeschaffung ist nicht ganz einfach, will doch jeder an dem ausverkauften Spiel live dabei sein. Dank unserem, über die Jahre aufgebauten, Netzwerk können wir für uns die Hospitality-Tickets organisieren.

Ein verlängertes Wochenende in Glasgow! Eine Stadt, welche sich seit dem letzten Besuch vor zehn Jahren sehr herausgeputzt hat. Jedoch steht das kulturelle Interesse bei dieser Reise nicht im Vordergrund. Die Zeit zusammen verbringen, die britische Pub-Kultur pflegen, das Nachtleben geniessen und alles um das runde Leder stehen auf dieser Reise im Vordergrund. Ein echtes «Buebe-Reisli» eben! Ein Fussballspiel im Stadion reicht nicht und so wird am Samstagnachmittag ein weiteres organisiert. Per Taxi geht’s in die Agglomeration von Glasgow zum Spiel von St. Mirren gegen Dundee United vor 6733 Fans (bei Old Firm werden es rund 9 x mehr sein). Nach einem unterhaltsamen Kick auf bescheidenem Niveau lassen wir den Tag im Pub ausklingen. Genauso sieht ein Fussball-Weekend aus.

Die Stimmung ist gigantisch

Beim sonntäglichen Frühstück spürt man die Vorfreude und Euphorie auf das Derby. Wir sind längst nicht die einzigen im Hotel, welche das Spiel besuchen werden. Sehr viele Hotelgäste tragen bereits ein Trikot in grün-weiss (Celtic) oder blau (Rangers).  Mit dem Taxi transferieren wir zum Celtic Park-Stadion. Vor dem Spiel stärken wir uns noch in einer Lounge und der Anpfiff erfolgt bereits um 12.00 Uhr (damit sich die Fans vor dem Spiel nicht noch im Pub «stärken» können). Die besondere Brisanz des «Old Firm» entsteht nicht nur dadurch, dass beide Teams in Glasgow beheimatet sind, sondern auch durch eine religiöse Komponente. Die Rangers gelten als der Club der Protestanten in der Stadt, Celtic als der katholisch geprägte Verein irischer Einwanderer.

Was wir dann während rund zweieinhalb Stunden im Stadion erleben dürfen, kann man kaum in Worte fassen. Die Stimmung ist gigantisch, der Lärm ohrenbetäubend. Nicht nur die Männer grölen lauthals, sondern auch Frauen und Kinder schreien sich die Seele aus dem Leib. Auch bei diesem Spiel lässt das Niveau zu wünschen übrig, aber das spielt für einmal keine Rolle. Man spürt förmlich, dass der Fussball und die Liebe und Hingabe für den Club mehr ist als anderswo. Völlig «geflasht» vom Erlebnis sitzen wir nach dem Spiel zusammen in der Lounge und verarbeiten das Erlebte mit einem Bier. Erst ein Feueralarm reisst uns aus den Träumen und wir stehen kurz darauf auf dem mittlerweile leeren Vorplatz des Stadions.

Da wären wir jetzt gerne (wieder) – es muss ja nicht gleich das Old Firm in Glasgow sein. Es gibt noch so viele Städte und Stadien, die wir gerne bereisen und besuchen möchten. Einfach wieder einmal raus in die weite Fussballwelt, unbeschwert mit Freunden im Pub sitzen, fachsimpeln, quatschen, jassen, lachen und eben die Festplatte löschen – wie wäre das schön!