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Auch Portugal, im Bild die Hauptstadt Lissabon, ist nun mit einer Quarantänepflicht bei Rückreise belegt. Bild: Andreas Brucker

Halb Europa ist auf der neuen Risikoländerliste

Das Bundesamt für Gesundheit hat erwartungsgemäss eine weitere Version der Risikoländerliste publiziert. Die «zweite Welle» macht sich bemerkbar: Neu figurieren 59 Länder auf der Liste, darunter zahlreiche beliebte europäische Reiseziele. Für die Reisebranche kommt dies quasi einem neuerlichen Berufsverbot gleich.

Wie allgemein erwartet, nachdem bereits gestern in einigen europäischen Ländern neue Reisewarnungen ausgesprochen worden waren, hat nun auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine neue Risikoländerliste publiziert, die ab dem kommenden Montag (28. September) Gültigkeit hat. Die Vorlaufzeit zwischen Bekanntgabe und Inkrafttreten beträgt also wiederum weniger als drei Tage.

Der erste Blick auf die Liste ist erschreckend: Zahlreiche weitere europäische Länder gelten neu als «Staaten mit erhöhtem Ansteckungsrisiko» - konkret Belgien, Dänemark, Irland, Island, Luxemburg, die Niederlande, Portugal, Slowenien, Ungarn und das Vereinigte Königreich. Darüber hinaus sind in Übersee auch Ecuador, Nepal, Jamaika, der Oman sowie Marokko (wieder) Risikogebiete.

Damit nicht genug: In den Nachbarländern Frankreich, Italien und Österreich wurden neu weitere Gebiete als «Gebiete mit erhöhtem Ansteckungsrisiko» eingestuft.

Diese Länder sind auf der neusten Risikoländerliste

In fett die Länder, welche neu auf der Liste sind:

  • Albanien
  • Andorra
  • Argentinien
  • Armenien
  • Bahamas
  • Bahrain
  • Belgien
  • Belize
  • Besetztes Palästinensisches Gebiet
  • Bolivien
  • Bosnien und Herzegowina
  • Brasilien
  • Cabo Verde
  • Chile
  • Costa Rica
  • Dänemark
  • Dominikanische Republik
  • Ecuador
  • Guyana
  • Honduras
  • Indien
  • Irak
  • Irland
  • Island
  • Israel
  • Jamaika
  • Katar
  • Kolumbien
  • Kroatien
  • Kuwait
  • Libanon
  • Libyen
  • Luxemburg
  • Malediven
  • Malta
  • Marokko
  • Moldova
  • Monaco
  • Montenegro
  • Namibia
  • Nepal
  • Niederlande
  • Nordmazedonien
  • Oman
  • Panama
  • Paraguay
  • Peru
  • Portugal
  • Rumänien
  • Slowenien
  • Spanien
  • Suriname
  • Trinidad und Tobago
  • Tschechien
  • Ukraine
  • Ungarn
  • Vereinigte Arabische Emirate
  • Vereinigtes Königreich
  • Vereinigte Staaten von Amerika

Total sind damit, gemessen an der vorherigen Risikoländerliste, nun also neu 59 statt 53 Länder auf der Liste aufgeführt. 15 Länder kamen neu hinzu, 9 Länder sind weggefallen: Aruba, die British Virgin Islands, Französisch-Polynesien (nicht mehr auf der Länderliste, ist aber als französische Region weiterhin als Risikogebiet eingestuft), die spanische Enklave Gibraltar, das US-Überseeterritorium Guam, der Kosovo, der Zwergstaat San Marino (eine Enklave innerhalb Italiens), sowie die Karibikstaaten Sint-Maarten und Turks & Caicos-Inseln. Also vor allem Kleinstaaten...

Darüber hinaus figurieren wie nachfolgend ersichtlich auch weitere Regionen der Nachbarländer auf der Liste.

In Frankreich:

  • Region Bretagne
  • Region Centre-Val de Loire
  • Region Corse
  • Region Hauts-de-France
  • Region Île de France
  • Region Normandie
  • Region Nouvelle-Aquitaine
  • Region Occitanie
  • Region Pays de la Loire
  • Region Provence-Alpes-Côte d’Azur
  • Überseegebiet Guadeloupe
  • Überseegebiet Guyane
  • Überseegebiet La Réunion
  • Überseegebiet Martinique
  • Überseegebiet Mayotte
  • Überseegebiet Polynésie française
  • Überseegebiet Saint-Barthélemy
  • Überseegebiet Saint-Martin

In Italien:

  • Region Ligurien

In Österreich:

  • Land Niederösterreich
  • Land Oberösterreich
  • Land Wien

Damit ist Italien mit der Region Ligurien wieder auf der Liste. Das ist möglicherweise für die Kreuzfahrtbranche ärgerlich, liegen doch in Ligurien etwa die Einschiffungshäfen Genua und Savona - aufgrund der Ausnahme bei Transitpassagieren (siehe Box oben) müsste aber das Ein- und Ausschiffen weiterhin möglich sein. Darüber hinaus ist nun ganz Frankreich, ausser den an die Schweiz angrenzenden Regionen Auvergne-Rhône-Alpes, Bourgogne-Franche-Comté und Grand Est , ein Risikoland. Und Österreich hat auch mehr Risikogebiete als noch zuvor, dazu zählt jedoch nicht die an die Schweiz grenzende Region Vorarlberg.

Zur Erinnerung: Auch die Schweiz müsste, mit einem aktuellen Wert von 69 Neuinfektionen pro 100'000 Einwohnern in den letzten 14 Tagen, als Risikoland deklariert sein.

Der Aufschrei in der Reisebranche wird riesig sein

Dass die Risikoländerliste - in gleichem Masse wie die in anderen Ländern ausgesprochenen Quarantänepflichten, Reiseverbote oder Reisewarnungen - natürlich ein totaler Nachfrage-Killer im Reisesektor ist, ist längst bekannt. Ja, die Grenzen sind formal geöffnet und Reisen in Risikogebiete sind nicht verboten, doch wer nimmt schon Quarantäne bei der Rückreise in Kauf?

Noch deutet aber nichts darauf, dass die Staatengemeinschaft an dieser Praxis etwas zu ändern gedenkt. Im Gegenteil: Die erneute Corona-Ausbreitung in ganz Europa, die viel befürchtete «zweite Welle», scheint nun in Gang zu sein. Halb Europa ist nun Risikogebiet; aus Sicht diverser anderer Länder gehört auch die Schweiz dazu. Mit gravierenden Folgen: Die Herbstferien werden dieses Jahr ins Wasser fallen, und die allgemeine Verunsicherung wird noch lange anhalten. Für die Outgoing-Reisebranche kommt dies fast einem Berufsverbot gleich, und auch die Incoming-Reisebranche kann, in der Schweiz und anderswo, nur mässig mit der erhöhten Nachfrage aus dem Inland leben.

Eines ist damit klar: Bevor es eine vernünftige Lösung oder einen allgemein anerkannten Impfstoff gibt, wird es dem Tourismus schlecht gehen, und der Ruf nach Hilfe vom Staat wird noch lange anhalten.

(JCR)