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Kommt Kroatien auch auf die Risikoländerliste? Aktuell sieht es ganz danach aus. Bild: Sergii Gulenok

Frankreich... Kroatien... Kanaren?

Derzeit wird viel spekuliert, welches Land als nächstes auf die Risikoländerliste des BAG kommt. Werden bisherige Kriterien konsequent angewandt, könnte es einige wichtige touristische Ziele treffen.

Eigentlich ist der Reisebranche die ganze Praxis mit der Risikoländerliste des BAG ziemlich zuwider. Infektionsfälle der letzten 14 Tage, gemessen pro 100'000 Einwohner und mit einer prozentualen Veränderungszahl - und schon hat man einen Grenzwert, dessen Überschreitung eine Quarantänepflicht nach sich zieht, und damit einen kompletten Nachfragerückgang. Bei vielen Ländern auf der Risikoländerliste betrifft das kaum jemanden. Problematisch wird es bei grösseren Ferienzielen und erst recht bei einem Nachbarland.

Diese Woche flammte die Debatte auf, wie man mit Frankreich verfahren soll. Frankreich ist mit aktuell 66 Neuinfektionen pro 100'000 Einwohnern klar über dem von der Schweiz festgelegten Wert von 60, müsste also auf eine demnächst erscheinende neue Risikoländerliste des BAG genommen werden. Die Schweizer Reisebranche würde nur mild getroffen; Frankreich ist primär eine Selbstfahrerdestination und Paris-Reisen sind im Herbst zwar durchaus ein Geschäft, aber aktuell ist der Bedarf an Städtereisen eher dünn. Doch was ist mit den «Frontaliers», also den rund 80'000 Franzosen, welche täglich zur Arbeit die Grenze in die Schweiz überqueren? Für diese soll die Quarantäneregel nicht gelten, hiess es. Aber macht so eine Quarantäneregel für Touristen denn noch Sinn? Die Frage, wo man sich am ehesten ansteckt, wurde längst mit «Familienumfeld» und «Arbeitsumfeld» beantwortet.

Doch bevor man sich überlegt, diese Quarantäne-Last wieder abzuschaffen und durch andere Lösungen zum Schutz der Volksgesundheit zu ersetzen, wird es wohl noch einige Länder treffen. Nach aktuellem Stand sind einige Länder, die noch nicht auf der Risikoländerliste des BAG stehen, über dem Grenzwert. Nach aktuellstem Stand sind dies die folgende Länder (in Klammern der aktuelle Neuinfektionswert):

  • Libanon (96)
  • Paraguay (95)
  • Libyen (79)
  • Trinidad & Tobago (69)
  • Kroatien (68)
  • Frankreich (66)
  • Französisch-Polynesien (63)
  • Guyana (63)

Also sind auch französische Überseegebiete betroffen. Bei Kroatien ist inzwischen, nach mehrmaligen Rekord-Infektionswerten, von einer Aufnahme auf die Liste auszugehen. Deutschland hat bereits reagiert; mehrere Küstenregionen Kroatiens gelten in Deutschland schon seit vergangener Woche als Corona-Risikogebiete. Damit wäre ein weiteres wichtiges Reiseland am Mittelmeer betroffen.

Grosse Sorgen bereitet aber noch eine andere Destination: Die Kanaren. Diese waren bislang vom «BAG-Bann» in Spanien ausgenommen; nur das Festland und die Balearen sind aktuell auf der Liste. Am Montag wurde auf den Kanaren nun erstmals der kritische Wert von 50 Neuinfektionen pro 100'000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage überschritten; am Mittwochnachmittag vermeldete das spanische Gesundheitsministerium gar einen Wert von 72,91. Kommt dieser Wert nicht runter, müssten auch die Kanaren auf die BAG-Liste - und damit einer der Pfeiler des Wintergeschäfts.

(JCR)