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«Unser Ziel muss natürlich sein, möglichst schnell wieder von der Risikoländerliste gestrichen zu werden»: Faustino Diaz Fortuny im Büro des Spanischen Fremdenverkehrsamts in Zürich. Bild: TN

«Die Quarantäne-Entscheide müssen verstärkt regionale Entwicklungen berücksichtigen»

Faustino Diaz Fortuny, Direktor des Büros des Spanischen Fremdenverkehrsamts in der Schweiz, äussert sich gegenüber Travelnews über die Quarantänebestimmung des BAG für das spanische Festland. Er sieht darin keine Katastrophe, wünscht sich aber verstärkte Differenzierung bei solchen Entscheiden.

Ab Samstag figuriert Spanien - genau genommen nur das spanische Festland - auf der BAG-Liste der Risikoländer, deren Besuch eine zehntägige Quarantäne nach sich zieht. Während viele Schweizer nun versuchen, bis Freitagabend noch in die Schweiz zurückzureisen, um der Quarantäne zu entgehen, erreicht Travelnews den Chef des Spanischen Fremdenverkehrsamts in der Schweiz, Faustino Diaz Fortuny, telefonisch in seinen Ferien im katalonischen Küstenort Tarragona. Kommt er nun auch heim? Nix da, Diaz Fortuny bleibt vorerst in der Heimat. Die Situation kann sich ja auch rasch wieder ändern, wie man am Beispiel der V.A.E. gesehen hat, welche nur während 16 Tagen auf der Risikoländer-Liste waren.

Überraschend kam der Entscheid für Diaz Fortuny ohnehin nicht: «Wir sind seit Tagen in permanentem Kontakt mit der Zentrale in Madrid, mit der Spanischen Botschaft in der Schweiz und mit weiteren Amtsstellen. Wir wussten, dass da etwas kommt, aber nicht, in welcher Ausgestaltung. Der neue Generalsekretär für Tourismus in Madrid ist, wie wir auch, jedenfalls zufrieden damit, dass es wenigstens eine Differenzierung gab und die Kanaren und die Balearen von der Quarantänebestimmung ausgeschlossen wurden.» Klar, die Kanaren und Balearen sind auch die wichtigsten Ferienziele der Schweizer in Spanien. Aber die touristisch nächstwichtigen Regionen - Andalusien, Katalonien, Valencia - sind dadurch betroffen. Dazu sagt Diaz Fortuny: «Natürlich ist diese Quarantänebestimmung ein Ärgernis und schafft jetzt Stresssituationen für Reisende und Reisebüros. Aber aus gesamttouristischer Sicht ist es noch keine Katastrophe: Nach unseren neusten Zahlen waren die Hotels in den drei letztgenannten Regionen im Juli zu 30 Prozent ausgelastet, d.h. die schlechte Situation wird jetzt einfach nochmals etwas schlechter. Wir hätten natürlich sehr gerne viele Schweizer auch im August in den Ferienregionen in Festlandspanien gesehen; die Schweizer sind ein wichtiger und treuer Quellmarkt.»

Ärgerlich ist aber vor allem, dass es bei den Bestimmungen jeweils gleich um ganze Länder geht - gerade bei Spanien erstmals nicht, aber ganz zufriedenstellend ist es eben auch so nicht, wie Diaz Fortuny erläutert: «Letzte Woche wurde viel über Corona-Ausbrüche in Barcelona geschrieben. Die Situation dort hat sich inzwischen normalisiert und ich kann sagen, dass das Leben in Barcelona aktuell normal vonstatten geht - natürlich mit den gängigen Massnahmen wie Masken und Distanzierung. In Andalusien, Valencia oder Galizien, weiteren wichtigen touristischen Regionen, gibt es kaum Infektionsfälle. Ein klares Problem gibt es in der Region Aragón, mit den Städten Saragossa, Teruel und Huesca. Dort gibt es, man weiss noch nicht genau warum, mit Abstand die meisten Infektionen. Es handelt sich hierbei um eine touristisch wenig relevante Region. Wieso hat man nicht von Reisen dorthin abraten können und andere Regionen offen gelassen?»

Jeder soll sich an die Hygienevorschriften halten

Die Hoffnung ist nun natürlich, dass auch Spanien relativ schnell wieder von der Quarantäneliste gestrichen wird. Diaz Fortuny weiss, dass dies primär mal in den Händen der Spanier ist, welche er in Sachen Einhaltung der Hygienemassnahmen als «diszipliniert und seriös» bezeichnet. Darüber hinaus appelliert er natürlich auch an die Touristen, sich an die gängigen Regeln zu halten, damit die Ausbreitung des Virus international in den Griff bekommen wird. Spanien habe griffige Sicherheitsprotokolle entwickelt, und man halte ein Auge aufs Nachtleben und habe etwa den berüchtigten Ballermann dichtgemacht. Doch hält Diaz Fortuny auch fest, dass es in Spanien - analog zur Schweiz - primär innerhalb von Familien zu Ansteckungen kommt, und nicht in touristischen Gebieten.

Kurz: Es liegt zum einen an der Eigenverantwortung sowohl von Touristen als auch der Wohnbevölkerung, zum anderen an effektiver internationaler Kooperation zwischen Behörden, um das Problem in den Griff zu bekommen. Dazu Diaz Fortuny: «Man muss bis auf Weiteres damit umzugehen lernen, dass es eine Ansteckungsgefahr gibt. Landesweite Grenzschliessungen oder Reiseverbote sind dabei kaum die beste Lösung.» Diaz Fortuny hat aber auch Verständnis dafür, dass Landesbehörden Massnahmen zu ergreifen versuchen, und ist auch froh darüber, dass es immerhin eine kleine Vorlaufzeit gab zwischen Ankündigung und Inkrafttreten der Quarantänepflicht. Er hofft dennoch, dass mediale Angstmacherei einerseits aufhört und andererseits eben vermehrt regionale Entwicklungen berücksichtigt werden können.

Er hofft nun wie bereits gesagt, dass bald ganz Spanien wieder quarantänefrei bereist werden kann, und das in den letzten Wochen verzeichnete Wachstum - inzwischen gibt es bereits wieder 17 Flug-Direktverbindungen zwischen der Schweiz und Spanien, allerdings mit noch niedrigen Frequenzen - nicht weiter unterbrochen wird. Die spanische Tourismus-Wirtschaft, so wichtig für das ganze Land, hat jedenfalls Unterstützung nötig. Diaz Fortuny hofft, dass das Ganzjahresziel Spanien und dabei insbesondere das Festland wenigstens im Herbst und Winter noch etwas aufholen kann. Aber eben, dafür muss man erst von den Roten Listen wegkommen.

(JCR)