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Seit heute (5. August) dürfen Schweizer wieder nach Jordanien reisen. Doch wegen vieler Auflagen und der Angst vor möglichen Quarantänebestimmungen bei der Rückkehr trauen sich viele kaum noch ins ferne Ausland. Bild: Mousssss Liu

2020 bleibt definitiv das Jahr der Reise-Unsicherheit

Einige weitere Länder sind für Schweizer seit Kurzem wieder bereisbar, andere Länder jedoch haben die Schweiz auf Rote Listen gesetzt oder drohen damit. Die unübersichtliche und stets ändernde Lage ist Gift für die Nachfrage. International verbindliche Reisebestimmungen sind dringlich gefragt.

Travelnews bemüht sich seit Wochen akribisch darum, eine möglichst aktuelle Liste hinsichtlich der aktuell für Schweizer geltenden Einreisebestimmungen in zahlreiche Ländern zu führen. In den letzten Tagen haben wir einige Updates angebracht, die wir nachfolgend kurz durchgehen wollen - mit der Erkenntnis verbunden, dass inzwischen Grenzöffnungen nicht mehr gleichzustellen sind mit einem sofortigen Nachfrage-Boom, aus diversen Gründen.

Beispielsweise hat Russland angekündigt, dass der Flugverkehr mit der Schweiz ab dem 15. August wieder aufgenommen wird und die Einreise ab dann auch möglich sein soll. Dumm nur, dass Russland auf der Schweizer Liste der Risikoländer steht und folglich nach einer Reise ins grösste Land der Welt eine Quarantäne zu erfolgen hat.

Nicht direkt hilfreich ist auch, dass es im russischen Nachbarland Ukraine genau umgekehrt ist: Dorthin konnte man im Prinzip seit dem 15. Juni wieder einreisen, doch ist die Schweiz inzwischen auf eine «Rote Liste» gerutscht und die Einreise ist wieder verboten. Ähnlich also, wie es sich jüngst mit Finnland verhielt, wo nach anfänglicher Reise-Erlaubnis für Schweizer kürzlich wieder ein Einreiseverbot ausgesprochen wurde. Inzwischen zittert die Reisebranche davor, dass Norwegen zu ähnlichen Mitteln greifen könnte, weil die Fallzahlen in der Schweiz steigen. Das beliebte Reiseland erlebte, nachdem es als eines der letzten europäischen Länder die Grenzen öffnete, inzwischen einen «Mini-Boom», achtet jedoch streng darauf, keine Fälle zu importieren - und die Schweiz ist dem Vernehmen nach auf einer «Watchlist». Kommt es zum Einreiseverbot, geht bei Veranstaltern und Reisebüros in diesem Fall wieder eine grössere Stornierungswelle los.

Andere Länder, in die viele gerne reisen würden, bleiben derweilen weiterhin zu. Kanada wäre an sich nicht auf der Quarantäneliste des BAG, doch wurde kürzlich die Grenzschliessung, die ursprünglich bis August Bestand haben sollte, auf unbestimmte Zeit verschoben. Die USA derweil kämpfen mit einer Rekord-Entwicklung der Coronafälle, gerade im touristischen Hotspot Florida, und figurieren ohnehin auf der Quarantäneliste des BAG. Das USA-Jahr dürfte demnach definitiv gelaufen sein.

Die Signalwirkung von Grenzöffnungen verpufft wegen Quarantänelisten

Es gibt aber auch gute News. Seit dem heutigen 5. August etwa lässt sich Jordanien wieder bereisen, zumindest für Bürger aus 22 Ländern, darunter der Schweiz. Ein tolles Land, geringe Einreise-Auflagen! Allerdings sind dessen Nachbarländer wie Israel und Saudi-Arabien noch geschlossen, derweil aus dem Libanon (Einreise für Schweizer möglich!) gestern schreckliche Nachrichten mit der gewaltigen Explosion am Hafen von Beirut kamen. Immerhin ist in der dortigen Region eine Entspannung in den V.A.E. zu spüren, wo Dubai und Abu Dhabi wieder Gäste empfangen. Oh, das Land ist aber auf der Risikoländerliste des BAG...

Wie sieht es denn in Afrika aus? Dort lassen sich inzwischen auch Kenia, Ruanda sowie Namibia wieder bereisen. Seltsamerweise sind Flüge nach Namibia aber erst ab Ende September wieder möglich, das erschwert die Anreise. Aber immerhin! Tansania ist ja seit längerem frei bereisbar und die Hoffnung besteht immer noch, dass Südafrika noch in diesem Jahr die Grenzen öffnet. Was noch zu oft vergessen geht: Nordafrikanische Ziele wie Tunesien oder Ägypten können von Schweizern im Prinzip längst wieder bereist werden.

Asien derweil ist weiterhin etwas verschlossen. Nepal ist wieder offen, allerdings, wie bei Namibia, ohne den internationalen Flugverkehr wieder voll geöffnet zu haben.Die Blicke sind vor allem auf Thailand gerichtet, wo man alles von «baldiger Öffnung» bis «Öffnung erst ab 2021» hört, derweil Länder die Philippinen mit neuen Ausbrüchen zu kämpfen haben (Manila wurde soeben wieder unter Lockdown gestellt) und Hongkong nach dem Crackdown Chinas als Leisure-Ziel vorerst auch weniger in Frage kommt.

Fazit

Die Situation ist für Konsumenten, also Reisende, und damit für die Reisebranche als Ganzes weiterhin unsäglich. Jedes Land setzt bei den Kriterien für eine Grenzöffnung andere Massstäbe an, baut auf unterschiedlich erhobene Statistiken, verhängt unterschiedliche Pflichten für Einreise-Erlaubnis. Den Überblick zu behalten, was wo erlaubt ist, ist dabei aber nur das eine.

Viel schwerer wiegt die latente Unsicherheit, welche mit den ständig ändernden, aber voll im Trend liegenden «Ampelmodellen» (grüne, orange und rote Länder) im Raum steht. Die Schweiz hat mit der Risikoländerliste zwar keine «orangen» Länder, sondern nur rote, aber die Massenmedien sorgen dafür, dass potenziell rote (also orange) Länder stets im Blickfeld sind, wie zuletzt bei Spanien. Damit herrscht quasi nie Klarheit darüber, ob es jetzt sicher ist, auf mehrere Wochen oder gar Monate hinaus eine Reise zu buchen.

Mit der Konsequenz, dass eben auch Grenzöffnungen wie bei Jordanien oder Kenia nicht sofort zur Buchungswelle führen, obwohl eigentlich das Fernweh vorhanden ist. 2020 wird weiterhin von Zurückhaltung und Unsicherheit dominiert sein, was Ferien entweder in der Schweiz oder im nahen europäischen Ausland dominieren lässt - welche oftmals kein klassisches Reisebürogeschäft mehr waren. Zu einer Erholung der Reisetätigkeit und damit der Reisebranche wird es erst kommen, wenn wieder langfristig verbindliche Reisebestimmungen verfügbar sind. Ob sich die Länder in ihre Eigeninteressen dreinreden lassen und sich zu einer international verbindlichen Bestimmung hinsichtlich Einreise-Modalitäten, Infektionsraten-Obergrenzen und dergleichn einigen können? Man kann nur hoffen, dass dies bereits 2021 der Fall sein wird.

(JCR)