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Landung am Flughafen New York-JFK: Die Airlines werden in den kommenden 30 Tagen das Angebot von und nach Europa deutlich reduzieren müssen. Bild: Miguel Angel Sanz

Die USA verzichten wohl auf rund eine Million Besucher

Im März 2019 reisten 850'000 Europäer in die USA. Dieses Jahr wären es immer noch viele gewesen, doch der «Travel Ban» für Europäer wird deutliche Spuren hinterlassen. Die Auswirkungen auf die Fluggesellschaften sind jetzt schon schlimmer als bei 9/11 und werden hiermit nochmals verschärft.

Die USA schliessen de facto ab morgen (Freitag der 13. März!) für eine Dauer von 30 Tage ihre Grenzen für Reisende aus den Schengen-Ländern, also aus 26 europäischen Ländern, darunter die Schweiz. Es ist natürlich keine Schliessung per se, sondern eine Quarantänepflicht, welcher auch US-Bürger, die aus diesen Ländern kommen, theoretisch unterstellt sind. Mit dem Unterschied, dass die US-Bürger, sollte sich beim Screening ein Verdacht erhärten, einfach zuhause ihre Quarantäne absitzen können. Eine Möglichkeit, welche die meisten Reisenden nicht haben, da ja Quarantäne im Hotel nicht erlaubt ist und man ohne adäquate private Quarantäne-Behausung sonst in Quarantäne-Zentren geschickt wird. Und es will sich ja keiner wie ein Flüchtling fühlen, deshalb kommt die Einreisetätigkeit nun bis auf Weiteres zum Stillstand.

Dass Grossbritannien und Irland ausgenommen sind von dieser Regel, ist erstaunlich und lässt sich nur mit wirtschaftlichen Interessen erklären. Einreisen via Grossbritannien oder Irland werden trotzdem nicht einfach möglich sein, weil man nun bei der US-Einreise bis auf Weiteres eine Selbstdeklaration ausfüllen muss über die Aufenthaltsorte in den 14 Tagen vor der Einreise. Wer dabei lügt, riskiert sehr viel.

Wie werden die Flüge betroffen sein? Beim «Travel Ban» handelt es sich nicht um einen «Flight Ban», aber der zu erwartende Nachfrageinbruch wird die Airlines natürlich zwingen, das USA-Angebot bis auf Weiteres massiv zu reduzieren. Heute gehen alle Flüge ab dem Flughafen Zürich planmässig raus - einige sind schon gestartet, wobei unklar ist, wie hoch der No-Show-Anteil war. In den vergangenen Tagen hörte man ja bereits von vielen No-Shows, besonders von Geschäftsleuten. Wie es in nächster Zeit weitergeht, wird nun fieberhaft geplant. Die Airline-Call-Center sind überlastet, wobei man von Fällen hört, bei denen Umbuchungen teils auch via Twitter erfolgen konnten (etwa bei American Lines). Via Website oder Social Media wird jedenfalls informiert. Bei Swiss etwa heisst es: «Wir bewerten derzeit die Auswirkungen der kürzlich vom US-Heimatschutzministerium verkündeten Richtlinien auf unseren Flugbetrieb in die Vereinigten Staaten. [...] Weitere Informationen werden folgen.» United verkündet, dass sie sich an die Weisungen der US-Regierung halten werde; bezüglich Flugplanänderungen und den Regeln für Ticketänderungen und Waivers solle man sich über diesen Link informieren. Delta Air Lines hat die Umbuchungsgebühren angepasst und verlangt für alle Flüge von Europa inklusive Grossbritannien/Irland bis zum 31. Mai keine solchen Gebühren mehr.

Noch nicht klar ist, ob beispielsweise Transitflüge noch erlaubt sind, also eine Reise beispielsweise nach Costa Rica via einem US-Flughafen. Dies sei noch in Abklärung, heisst es von Seiten der Airlines. Klar ist erst, dass amerikanisches Militärpersonal in Europa bis auf Weiteres nicht in die USA zurücksoll. Ebenso klar ist, dass die aktuelle Situation den Nachfragerückgang von 2001/2002 nach 9/11 bereits deutlich übersteigt. Man stelle sich vor: Zurzeit gibt es laut «Flightglobal» etwa 560 tägliche Flüge zwischen Europa und den USA, mit rund 160'000 Sitzen pro Tag. Macht in den kommenden 30 Tagen also rund 17'000 Flüge mit 4,8 Millionen Sitzen, die nun grösstenteils auf der Kippe stehen.

Gigantische Auswirkungen

Ein weiteres Bild der Dimension des Entscheids gibt diese Zahl: Im März 2019 allein reisten laut US Travel Association rund 850'000 Personen aus Europa (ohne Grossbritannien/Irland) in die USA ein. Und da war Ostern gar nicht drin. Ostern fällt dieses Jahr wiederum spät, auf die Zeit vom 9.-13. April, also noch in die Zeit des «Travel Ban». Das Frühlings-/Osterferien-Reiseaufkommen in die USA ist traditionell recht gross und wird nun voll getroffen. Das hat auch Auswirkungen auf die US-Tourismusindustrie, von welcher 15,7 Millionen Jobs in den USA abhängen.

Ob nun umgekehrt auch aus Europa Einreisestopps für US-Bürger zum Tragen kommen, was die Incoming-Tourismusindustrie treffen würde, bleibt abzuwarten. Undenkbar ist es nicht, weil die Coronavirus-Fälle in den USA aktuell ebenfalls explodieren und diverse  europäische Staaten bereits Bürger aus Ländern mit hohen Inzidenzen abweisen - wie Schweizer Bürger inzwischen auch wissen.

Veranstalter unter Druck

Es ist noch zu früh, um bei Veranstaltern nachzufragen, was das nun konkret bedeutet. Klar ist, dass das mit Abstand grösste Übersee-Reiseziel der Schweizer drastische Schritte tätigt.

Der Studienreiseveranstalter Studiosus hat bereits alle USA-Reisen bis zum 10. April vorsorglich abgesagt. Schweizer Veranstalter und Reisebüros müssen einerseits jenen helfen, welche in den kommenden 30 Tagen die USA bereist hätten, aber sich wohl auch Sorgen um die Sommer-Nachfrage machen müssen. Bislang haben beispielsweise Kuoni und Hotelplan bereits Kulanz gezeigt.

Der Reisebann der USA ist allerdings ein weiterer herber Rückschlag für die globale Reisebranche.

(JCR)